Während in letzter Zeit eine Metzgerei nach der anderen schließt, setzen manche ein Zeichen mit digitaler Revolution und gehen neue Wege. Sie stellen sich der Konkurrenz durch Supermärkte, veränderten Einkaufsgewohnheiten und investieren in die Zukunft, um konkurrenzfähig zu bleiben.
Seit über 50 Jahren stehen die Namen Hornung aus Limbach und Hümmer aus Ebern für das traditionelle Metzgerhandwerk und das Streben nach perfekter Qualität.
Für viele Kunden war bisher der Besuch der Fleisch- und Wursttheke mit der Verkäuferin dahinter ein unverzichtbarer Teil ihres Einkaufs. Vieles hat sich aber in letzter Zeit verändert, und deswegen setzen beide Unternehmen auf Innovation und moderne Lösungen, um die Herausforderung der Zeit anzunehmen.
Beide Metzgermeisterinnen versichern: „Bei aller Modernisierung bleiben die Leidenschaft für hochwertige und stets frisch Fleisch- und Wurstwaren und der Anspruch auf ein ehrliches Metzgerhandwerk“.
Zugang von 5 bis 22 Uhr
Die „Genussmetzgerei Hornung“ geht diesen Schritt in die Zukunft und nimmt damit eine Vorreiterrolle in der Region ein. Beispiele dafür sind vegane und vegetarische Spezialitäten oder die Filiale in Unterschleichach, wo man im „Genusseckla“ zwischen 5 und 22 Uhr Zugang zu ausgewählten Spezialitäten hat.
Beflügelt werden die Metzgereien vom Fachkräftemangel an der Bedientheke. „Diese Veränderungen im Metzgerhandwerk und beim Personal mit sinkenden Ausbildungszahlen bei Fleischerei- fachverkäuferinnen öffnen uns für Ideen, unsere Traditionen mit den Anforderungen der neuen Zeit zu verbinden und das Einkaufen in unseren Läden zukunftsfähig zu machen. Wir freuen uns, dass es so gut angenommen wird“, betont Metzgermeisterin Nadine Hornung.
„Statt begrenzter Bedienzeiten bieten wir ein modernes Einkaufserlebnis in kompletter Selbstbedienung, bei dem man in Ruhe seine Lieblingsprodukte aus den frei zugänglichen Kühlregalen auswählen kann“.
Das „Genusseckla“ ist mit modernster Technik ausgestattet. Es bietet eine große Produktpalette mit Fleisch- und Wurstwaren bis hin zu Tiefkühlkost, aber auch Nudeln, Süßigkeiten und sogar Blumen.
Die „Landmetzgerei Hümmer“ aus Höchstädten geht einen ähnlichen Weg mit ihrem neuen „Hybrid-Laden mit 24/7 Shop“ in Ebern.
„Unser Familienbetrieb feiert heuer sein 50-jähriges Bestehen. Das hat uns veranlasst, unseren Laden innovativ, zukunftsorientiert und energieeffizient neu auszurichten,“ erklärt Metzgermeisterin Marion Hümmer ihr Konzept.
Dabei denkt auch sie an den Fachkräftemangel. Metzger und Fleischereiverkäuferinnen seien keine Berufe mehr, die in der Gesellschaft wertgeschätzt würden. Richtige junge Fachkräfte gebe es fast nicht mehr. „Zum Glück haben wir noch Verkäuferinnen und Arbeitskräfte, die top ausgebildet sind. Aber auch wir müssen uns auf den Fachkräftemangel und veränderte Einkaufsgewohnheiten einstellen.“
So vereine ihr Konzept des Hybrid-Ladens noch zwei Welten: Persönlichen Service und digitale Effizienz.
Kunden würden wie bisher Montag bis Freitag von 5 bis 18 Uhr und Samstag von 5 bis 13 Uhr persönlich bedient und beraten. Außerhalb dieser Öffnungszeiten werde der Verkaufsraum von der herkömmlichen Verkaufstheke abgetrennt und stehe dann als Selbstbedienungsbereich zur Verfügung – mit einer großen Auswahl an Fleisch, Wurst und Grillwaren, Getränken und nützlichen Kleinigkeiten des täglichen Bedarfs. Aus einem separaten Schrank könne man auch vorbestellte Aufträge rund um die Uhr abholen.
„Wir haben den Hybrid-Laden seit Ende April auf und ich hätte nicht gedacht, dass er so gut frequentiert wird, auch an Sonn- und Feiertagen“, freut sich Marion Hümmer. An einem Sonntag musste sie sogar in den Laden, um die Regale mit Steak und Bratwürsten nachzufüllen.
Beide Läden ermöglichen also den Verkauf der Produkte auch zu Rand- oder Nachtzeiten. Der Kunde öffnet mit seiner Bankkarte die Eingangstür und kann sich dann an den Kühlregalen und Schränken selbst bedienen. Zum Schluss scannt er seine Produkte ein und bezahlt mit seiner Bankkarte bargeldlos am Terminal.










