Im Fußball ist die Champions League das Nonplusultra. Im Basketball scheiden sich die Geister, ob der Eurocup oder die Champions League der zweitstärkste europäische Wettbewerb ist. An der Spitze aber steht die Euroleague. So viel Prestige der Wettbewerb hat – in der Zuschauerresonanz kann er mit der Basketball-Bundesliga oft nicht mithalten.
Zu Saisonbeginn kämpfen nicht nur die Bamberg Baskets mit Zuschauerschwund, an anderen Standorten ist die Lage noch gravierender. 3780 Zuschauer fanden am Mittwochabend den Weg in die Brose-Arena, um das Champions-League-Duell mit UCAM Murcia zu verfolgen.
Baskets fehlt die Konstanz
Für die Spieler hingegen ist die europäische Bühne besonders reizvoll. Wer sich auf ihr bewährt, kann seinen Marktwert steigern. In ihren bisherigen Champions-League-Spielen gelang das den Bambergern nur in Ansätzen. Was sich auf internationalem Parkett zeigt, zieht sich durch die Saison: Das Potenzial ist vorhanden, doch es gelingt dem Team zu selten, es über vier Viertel auszuschöpfen. Die 67:86-Niederlage gegen Murcia war dafür ein weiteres Beispiel.
Wieder einmal legten die Baskets einen starken Start hin. Vier Dreier ließen ihre Führung auf 14:2 anwachsen, ehe Murcia-Trainer Sito Alonso Bambergs Lauf mit einer Auszeit unterbrach.
„Wir waren gewarnt, weil Bamberg sehr aggressiv verteidigt und schnell umschaltet“, erklärte der Spanier.
Keine Antwort auf Härte
Nach der Unterbrechung trat Murcia deutlich entschlossener auf. Die Gastgeber retteten eine 17:15-Führung ins zweite Viertel. Nun veränderte sich das Spiel. Murcia suchte den Körperkontakt: ein Ellbogen hier, ein ausgefahrener Arm da. Erneut bereitete die Härte den Bambergern Probleme. Co-Kapitän Trevon Scott sah darin einen Knackpunkt: „Die Trainer haben uns gut eingestellt. Es liegt an uns, es umzusetzen, egal wie körperlich es wird.“
Trainer Jesus Ramirez räumte ein: „Wir haben Probleme mit der körperlichen Spielweise.“ Dennoch erkennt der Katalane täglich Fortschritte. Der Entwicklungsprozess braucht jedoch Zeit. „Wahrscheinlich werden wir morgen noch nicht das physischste Team über 40 Minuten sein, aber wir werden dahin kommen.“
Zahlreiche Baustellen
Auch auf der Spielmacherposition fehlt Bamberg die offensive Durchschlagskraft. Cobe Williams hinterließ eine Lücke, die Jordan Jones und Mylik Wilson nicht schließen konnten. Aus der Distanz sind beide bisher zu ungefährlich, um gegnerische Verteidigungen auseinanderzuziehen und Räume zu schaffen.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Jones traf nur zwei seiner neun Würfe, Wilson drei von neun. Auch Hason Ward (4 von 14) und Jordan Wright (2 von 9) ließen viele Chancen ungenutzt.
Ramirez erklärte: „Murcia hat uns in Situationen gebracht, in denen wir uns nicht wohlfühlen.“ In Zukunft gehe es darum, mutiger zu agieren, ohne die Geduld im Angriff zu verlieren. „Wir müssen die Balance zwischen frühen Würfen und gut herausgespielten Abschlüssen finden.“
Zudem wird Richard Balint offensiv zu wenig eingebunden. Dabei bewies der tschechische Nationalspieler im August mit 27 Punkten gegen Deutschland seine Qualitäten. Damit er den Baskets helfen kann, müssen seine Mitspieler ihn häufiger in Abschlusspositionen bringen.
Murcias Erfolg beruhte nicht nur auf der individuellen Klasse der Spanier, sondern auch auf vermeidbaren Bamberger Fehlern. Michael Forrest, mit 25 Punkten Topscorer der Partie, nutzte diese aus. Im zweiten Viertel ging Jordan Jones unter dem Block von Emanuel Cate hindurch und ließ Forrest Platz für einen Distanzwurf. Auch in der ersten Aktion des Schlussviertels machten es die Bamberger den Gästen zu leicht. Wilson setzte alles auf einen Ballgewinn, als er Forrest den Ball von hinten entreißen wollte. Doch Wilson griff ins Leere. Forrest zog zum Korb und ließ Jonathan Bähre mit der undankbaren Aufgabe zurück, die Situation noch zu retten. Wilsons Aktivität bringt Ballgewinne, birgt aber auch Risiken. Sein Jagdinstinkt wird zur Schwäche, wenn der Blick allein dem Ball gilt. Verfehlt der 26-Jährige den Zugriff, öffnet sich hinter ihm der Weg zum Korb.
Ramirez räumt Fehler ein
Knapp acht Minuten vor dem Ende war der Arbeitstag von Jesus Ramirez vorzeitig beendet. Das zweite technische Foul führte zum Ausschluss des Trainers. Anschließend zeigte er sich selbstkritisch. „Ich muss mich bei der Organisation, den Fans und meinen Spielern entschuldigen. Ich erwarte von meinen Spielern schließlich auch emotionale Disziplin.“ Zugleich kritisierte er die Linie bei den Körperkontakten. „Es wurden viele illegale Kontakte erlaubt.“ Sito Alonso zeigte Verständnis für seinen Kollegen. Frust könne entstehen, wenn ein Trainer helfen wolle, erklärte er. Zugleich würdigte er Ramirez ausdrücklich: „Er ist vor zwei Jahren zum Trainer des Jahres in der Bundesliga gewählt worden und ein großartiger Coach.“









