Egloffstein
Kita ist an der Belastungsgrenze
Die Kita in Egloffstein ist ausgelastet. Josef Hofbauer
Die Kita in Egloffstein ist ausgelastet. Josef Hofbauer // 
Egloffstein

„Elmar“, der Name des bunten Elefanten an Südseite der Kindertagesstätte, steht für „Egloffsteins lebensfroher Mittelpunkt aktiver Kinder“. Über das pädagogische Konzept, die Anmeldezahlen für das kommende Jahr, den Personalschlüssel und aktuelle Herausforderungen an der Einrichtung informierte die Leiterin der Einrichtung, Esther Köhler-Manger die Mitglieder des Gemeinderats.

Insgesamt seien 19 Mitarbeiterinnen in der Kindertagesstätte beschäftigt. Die Anzahl der gebuchten Betreuungsstunden – aufgeteilt auf die gesamte Arbeitszeit des pädagogischen Personals – ergibt den sogenannten Betreuungsschlüssel, erklärte die Leiterin der Einrichtung. Mit berücksichtigt würden dabei auch die unterschiedlichen Ansprüche bei der Kinderbetreuung.

Der Betreuungsschlüssel liege aktuell bei 1:7,8. Rein rechnerisch ist damit eine Fachkraft für knapp acht Kinder zuständig. Doch da sind die Kinder mit Migrationshintergrund oder mit Defiziten, die einen deutlich höheren Betreuungsaufwand erfordern, noch nicht eingerechnet.

Die Buchungszeiten

Hinzu kämen Unwägbarkeiten, die sich aus den unterschiedlichen Buchungszeiten ergäben. Zu Beginn des Kindergartenjahrs seien die Eltern erfahrungsgemäß zurückhaltend, was die zeitliche Dauer der Kinderbetreuung anbelange. Sie wollten erst mal abwarten, wie es den Kindern gefalle. Doch bereits nach kurzer Zeit häuften sich die Anfragen nach einer längeren Betreuung der Kinder.

Hinzu komme personelle Fluktuation. Aktuell, so Esther Köhler-Manger, seien zwei Kolleginnen wegen Schwangerschaft nicht im Einsatz. Eine Mitarbeiterin habe sich in die Rente verabschiedet und zwei Fachkräfte hätten gekündigt.

Kompensiert werde dies durch eine Kollegin, die aus der Elternzeit komme und ab September wieder zur Verfügung stehe, durch eine Mitarbeiterin, die nach ihrer Ausbildung fest übernommen werde, und Assistenzkräfte, die das Team unterstützen würden. Erfreulicherweise habe sich ein Papa gefunden, der zum Erzieher umschulen wolle. „Weil man sich Fachpersonal nicht backen kann, versuchst du es mit Selberheranziehen“, warf Bürgermeister Stefan Förtsch scherzhaft ein.

An der Belastungsgrenze

Hinsichtlich der Auslastung sei die Kita Egloffstein an der Belastungsgrenze. Der Kindergarten habe von der Fachaufsicht des Landratsamts Forchheim eine Betriebserlaubnis für 75 Kinder. Aktuell besuchten 73 Kinder zwischen drei Jahren und dem Schulalter die Einrichtung. Hinzu kämen 24 Kinder der Kinderkrippe und 50 Hortkinder, die ebenfalls betreut werden müssten.

Die Zahl der Krippenkinder wertete Esther Köhler-Manger als Indiz für rückläufige Geburtenzahlen. Beliebt sei die Einrichtung sehr. So hätten vier Eltern ihre Kleinen für sechs Stunden, drei für sieben, zwei für acht Stunden angemeldet. Ein Elternpaar gibt seinen Nachwuchs sogar neun Stunden in die Kinderkrippe.

Bei der Betreuung der Hortkinder sei die Kita Egloffstein an Flexibilität kaum zu übertreffen, lobte Bürgermeister Stefan Förtsch. Da könne Egloffstein die Luxusvariante anbieten. Die Kita-Leiterin ergänzte: „12 Uhr ist nicht mehr die Zeit, zu der die Grundschüler abgeholt werden.“ Die meisten Eltern sammelten die Kinder gegen 14 Uhr ein.

Eine Herausforderung bestehe aber darin, dass an unterschiedlichen Tagen unterschiedlich viele Kinder betreut werden müssten. „Und wenn Eltern einen Betreuungsanspruch für Freitagnachmittag einfordern, muss auch das realisiert werden“ unterstrich Bürgermeister Förtsch.

Offenes Konzept

In der Einrichtung werde nach einem offenen Konzept gearbeitet, das Kindern Raum gebe, ihre Neugier, Kreativität und Individualität zu entfalten, erläuterte Ester Köhler-Manger. Vor allem morgens könne ein Besucher schon den Eindruck bekommen, dass es ein wenig chaotisch zugehe. Aber spätestens ab dem Morgenkreis kehre Ruhe ein.

Da die Mitarbeiter festen Bereichen zugeordnet sind, suchen sich die Kindergartenkinder, die in feste Gruppen eingeteilt sind, aus, wo sie hingehen und was sie machen möchten. Das Angebot lebe von den individuellen Stärken der Mitarbeiter. Es stehen fünf Räume zur Auswahl. „Die Kinder suchen sich den Betreuer, den sie gerade brauchen“, erklärt die Kita-Leiterin. Das starre System, wonach allen Kindern Sport verordnet werde, alle gleichzeitig malen oder einen Schneemann basteln sollen, sei überholt.

Das sei auch im Sinne der Eltern. Auch ihnen sei es wichtig, dass ihre Kinder früh lernten, eigene Entscheidungen zu treffen. „Es ist faszinierend, zu sehen, wie selbstbewusst die Kinder hier rausgehen", freut sich Esther Köhler-Manger.

Sie ist auch erstaunt, welche sozialen Kompetenzen die älteren Kinder entwickeln, wenn sie die Kleinen in der Krippe besuchen. Vor allem der liebevolle Umgang der Viertklässler mit den Kleinen beeindruckt die Kita-Leiterin. Die Kinder lernten ganz viel voneinander.

Die Kosten für die Kinderbetreuung, so Bürgermeister Stefan Förtsch, tragen Staat und Gemeinde zu jeweils 40 Prozent. Die restlichen 20 Prozent werden über die Kita-Gebühren eingenommen.

Während Egloffstein 2023 mit der damaligen Gebührenkalkulation noch eine Punktlandung schaffte, müssen hier die Gebühren um 20 Prozent angehoben werden. Für die „Regelkinder“, die den Kindergarten bis zu vier Stunden täglich besuchen und keinen zusätzlichen Betreuungsaufwand benötigen, sind ab September 142 statt 118 Euro fällig. Dieser Betrag steigert sich je nach Anzahl der Stunden. Kostete die Betreuung für acht Stunden täglich (oder mehr) bisher 167 Euro, steigt dieser Betrag nun auf 212 Euro. Vier Stunden täglich in der Kinderkrippe kosten ab September 283 Euro, neun Stunden 420 Euro. Der Besuch des Kinderhorts schlägt maximal mit 140 Euro zu Buche.

Blick auf die Kita in Egloffstein mit der Burg.
Blick auf die Kita in Egloffstein mit der Burg. // 
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