Kreis Haßberge
Lauter Ruf an die Politik nach einem Nationalpark Steigerwald
Das Musikkabarett „häisdn däisd vomm mee!“ begeisterte das Publikum am Nationalparktag. Florian Tully
Das Musikkabarett „häisdn däisd vomm mee!“ begeisterte das Publikum am Nationalparktag. Florian Tully // 
Kreis Haßberge

Die extreme Hitzewelle machte es überdeutlich: Eine Zukunft mit Lebensqualität braucht einen besseren Schutz von Wald und Klima. Dies wurde insbesondere von den „jungen Stimmen“ beim Nationalparktag im Garten des Klosterbräu Ebrach gefordert.

Trotz der Hitze war das Fest der Pro-Nationalpark-Verbände gut besucht. Mit Reden, Ständen und Live-Musik ging der Appell an die Politikerinnen und Politiker der Region und der Staatsregierung: Ein Nationalpark im Steigerwald soll Leuchtturmprojekt für Franken und Bayern sein. Er bedeute für die Region hohe Lebensqualität bei großer wirtschaftlicher Wertschöpfung.

Ein Nationalpark wäre eine riesige Klimaanlage für die Landschaft. Ohne bodenverdichtende Maschinenwege könne der Wald wesentlich mehr Wasser speichern. Er schützt das Klima, weil aus der Nutzung genommene Buchenwälder große Kohlenstoffsenken und -speicher sind. Er sichert eine hohe Vielfalt an Arten und Genen, was für einen stabilen, anpassungs- und reaktionsfähigen Wald überlebenswichtig ist.

Eva Maria Weimann, stellvertretende Vorsitzende der Bayern-SPD wünscht sich eine Politik, die schützt, was unbezahlbar ist: die Lebensgrundlagen; und nicht nur, was kurzfristig für einige den Gewinn maximiert.

Jan Schneider, Kreisrat der Grünen Kitzingen forderte eine bessere Lebensqualität für zukünftige Generationen durch wirksamen Klima- und Naturschutz. Er appellierte an die Politik, die „Chance Nationalpark“, die auf dem Tisch liegt, zu ergreifen.

Hubert Weiger, Forstwissenschaftler und Ehrenvorsitzender des Bundes Naturschutz, ging zunächst auf die Klimakrise ein, die mit 40,8 Grad dieser Tage für einen neuen Temperaturrekord in Bayern sorgte: „Denjenigen, die die Klimakrise leugnen, muss man den Verstand absprechen. Anstelle eines beherzten Ausbaus der erneuerbaren Energien geht die Regierung wieder zu den Fossilen zurück.“

Die trocken-heißen Phasen führen zum Zusammenbruch der Amphibien-Bestände, zu niedrigen Pegeln in Flüssen und Grundwasser und immensen Waldschäden, unter anderem dem Zusammenbrechen der Fichtenbestände.

Weiger sagte, dass die Forstdirektion in den 1970er Jahren den Nordsteigerwald mit Kiefern, Fichten und Douglasien bepflanzen wollte. Wie so ein Wald heute aussähe, könne man sich vorstellen. Fortschrittlichen Forstleuten wie Georg Sperber und dem Landwirtschaftsminister Hans Eisenmann von der CSU sei es zu verdanken, dass dies nicht geschah.

Weiger betonte, dass man in Bayern wieder solche Ministerinnen und Minister brauche, die wissenschaftliche Erkenntnisse anerkennen und Visionen haben.

Seit 50 Jahren wurde in Bayern kein neuer Nationalpark mehr ausgewiesen. Dabei müsse das Motto „Bayern vorn“ auch im Naturschutz gelten. Weiger appellierte an den fränkischen Ministerpräsidenten Markus Söder, sich für den ersten fränkischen Nationalpark einzusetzen. Das wäre eine Entscheidung, die ihm seinen Platz in der bayerischen Geschichte für immer sichern würde.

Aufwachen!

„Es ist an der Zeit aufzuwachen und zu handeln – jetzt, hier und heute! Wir müssen unseren Kindern eine gute Zukunft ermöglichen, die davon abhängt, ob die heutige Politik ihnen noch eine lebenswerte Umwelt mit sauberem Trinkwasser, kühler Luft und intakten Wäldern hinterlässt. Das lässt sich nicht allein mit Geld aufwiegen. Unsere Generation wird eines Tages daran gemessen, was wir hinterlassen haben“, sagte Hubert Weiger. red

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