Die 41. Ausstellung in der Produzentengalerie Burgkunstadt zeigt Gemälde von Beka Gigauri und Skulpturen von Kristina Kanaan. Die Ausstellung ist nur noch bis zum 5. Juli zu sehen.
Zur Eröffnung hatte Kunsthistoriker Matthias Liebel die Werke erklärt. Thomas Meyer lädt am heutigen Samstag ab 19 Uhr zusammen mit Beka Gigauri zu einem Jam-Abend in den Galerie-Garten ein. Die Künstler sind vorher während der Öffnungszeiten (14 bis 17 Uhr) für Gespräche über ihre Werke vor Ort.
„Doppel-, Mehrfachbegabungen gar, sind in Kunst und Kultur etwas Besonderes. Sie beschreiben das herausragende Talent einer Person in unterschiedlichen kreativen Disziplinen. Die berühmteste Doppelbegabung in Deutschland dürfte Johann Wolfgang v. Goethe gewesen sein, der nicht nur literarisch tätig war, sondern auch ein begabter Maler und Zeichner. Ebenso E.T.A. Hoffmann, Hermann Hesse oder Günther Grass“, führt Liebel den Maler Beka Gigauri ein, der selbst als Musiker schon des Öfteren die Ausstellungen der Produzentengalerie begleitete.
Gigauri, der in Tiflis und Berlin Kunst studierte, hat seine ganz eigene Bildsprache und Maltechnik entwickelt, die in Burgkunstadt zu sehen ist. Er verwendet Nesselleinwand und verdünnt sich Ölfarben auf die unterschiedlichsten Arten. „Das ist seit 25 Jahren gleich. Dadurch kann ich malen fast wie ein Textildruck. Es gibt keine dritte Dimension“, erzählt er.
Stile neu kombinieren
Wie ein Jazzmusiker versucht er, die verschiedenen Stile zu verwenden und auf seine ganz eigene Art zu kombinieren. Sein Treibstoff sind dabei die Bilder anderer. „Ich gehe wahnsinnig gerne in Museen. Das ist für mich meditativ und informativ zugleich. Es ist wie Genuss und Rausch und niemals langweilig“, so Gigauri.
„Was wir auf den Bildern von Beka Gigauri zu erkennen glauben, sind von Erdschollen und Lavagesteinen zerklüftete Urlandschaften, vertrocknete Gräser und Gestrüppe, dazu aufsteigende Nebel oder Gase, sphärisch beleuchtete Himmel, sind geheimnisvolle Unterwasserwelten mit verdorrten Korallen und Meereslandschaften mit manchmal aufgewühlten, manchmal sanft sich wiegenden Wellen“, sagt Liebel.
Kuratorin Lucia Scheid-Nam steht vor einem seiner großformatigen Bilder: „Für mich sind das im Hintergrund die Berge, vielleicht die Alpen“, sagt sie.
Betrachter als Mitgestalter
Das Bild nur mit schwarzer Farbe hat es ihr angetan. „Die Gemälde fordern und fördern das gedankliche Zutun des Betrachters, der auf diese Weise quasi zum Mitgestalter dessen wird, was er auf den Gemälden zu erkennen glaubt. In der Wahrnehmungspsychologie bezeichnet man dieses Phänomen als „motivische Apperzeption“ oder als „ergänzende Wahrnehmung“ und meint damit, dass einige charakteristische visuelle Fragmente genügen, unsere kognitiven Fähigkeiten zu stimulieren und das gestalterisch lediglich bruchstückhaft Angedeutete in unserer Vorstellung zu einem motivischen Ganzen zu vervollständigen“, spannt Liebel den Bogen von den abstrakten Werken zu den Bildern, die in den Köpfen entstehen. „In mir kocht etwas ununterbrochen. Das will raus – und ich versuche, es irgendwie sichtbar zu machen“, sagt Beka Gigauri.
Zwischen diesen Bildern schweben leuchtende Muscheln oder stehen steinerne Objekte von Kristina Kanaan. Nach ihren Ausbildungen als Grafikdesignerin und einem Studium der Bildhauerei in München und Italien zog es sie zurück nach Südbayern und schließlich vor elf Jahren nach Lichtenfels.
„So vielfältig, wie ihr beruflicher Werdegang, so vielfältig nehmen sich auch die künstlerischen Arbeiten von Kristina Kanaan aus. Sie reichen von Malerei über Stein- und Holzskulpturen bis hin zu keramischen Arbeiten sowie zur Objekt- und Installationskunst“, sagt Kunsthistoriker Liebel.
Leuchtende Muscheln
Kuratorin Scheid-Nam betrachtet die leuchtenden Muscheln und staunt über die filigran gestalteten Oberflächen. Was wir in der vorliegenden Ausstellung zu sehen bekommen, sind handliche Porzellanobjekte und hoch gestelzte Assemblagen, die aus verschiedenen Materialien zusammengesetzt wurden und sich, bei aller gestalterischer Geschlossenheit, wie geheimnisvoll beseelte Totems in ihrer räumlichen Umgebung behaupten.
Kanaan arbeitet mit Porzellan aus der Porzellanfabrik Lindner in Küps. „Wir haben dort Formen gesucht, die extra für mich dünner gegossen wurden, damit sie transluzent sind“, erzählt die Künstlerin. Die Grundform einer Vase hätte sie sofort an Muscheln und das Meer ihrer vergangenen Heimat erinnert – so sind dann die „Ocean Feelings“ entstanden. Kanaan bearbeitet das Porzellan noch vor dem ersten Brand, vergoldet Kanten und Flächen, bringt die Objekte zum Leuchten.
„Aus unterschiedlichen Einzelkomponenten zusammengefügt wurde auch die Assemblage „Relations“, die aus matt lackierten Eisenstäben besteht und zwei dialogisch in ein Beziehungsverhältnis zueinander gesetzten Skulptur-Elementen aus weißem Kalkstein. „Relations“, also „Beziehungen“, so der Titel dieser Arbeit, thematisiert nicht nur das Beziehungsverhältnis der einzelnen Elemente zueinander, sondern zugleich auch deren Anteil an der Erscheinungswirkung des gesamten bildnerischen Konstrukts“, erklärt Liebel.
Es sei spannend zu beobachten, wie es Kristina Kanaan gelingt, ihren an und für sich leblosen Objekten durch das gezielte Arbeiten mit Licht und Schatten so etwas wie „Leben“ einzuhauchen. „Sie kreiert eine stille Lebendigkeit, die etwas Wesenhaftes atmet, eine individuelle Persönlichkeit nahezu, mit der diese Arbeiten den Raum beseelen“, so der Kunsthistoriker.
Kleinste Details
Kuratorin Scheid-Nam ergänzt: „Gerade vor den großformatigen Bildern auf Nesselleinwand bleiben unsere Gäste länger und staunen.“ Die einen über die Technik mit verdünnten Ölfarben, die anderen über kleine und kleinste Details – oder sie werfen sich wie auch die Kuratorin selbst in die Welt, die sie in den Bildern von Gigauri zu erkennen glauben.










