Landestheater
Jean-Paul Sartre: „Die Hölle, das sind die anderen“
Drei Menschen in einem Raum gefangen.
Drei Menschen in einem Raum gefangen. // Landestheater
Coburg

Die Premiere von „Geschlossene Gesellschaft“ ist am Freitag, 13. Februar, um 20 Uhr in der Reithalle. Mit diesem Stück bringt das Landestheater Coburg eines der bekanntesten Dramen Jean-Paul Sartres in die Reithalle.

Das Schauspiel in der neuen Übersetzung von Hinrich Schmidt-Henkel zeigt drei Menschen nach ihrem Tod in einem Raum ohne Ausweg: Inès (Martina Dähne), Estelle (Antonia Bockelmann) und Garcin (Nils Liebscher) sind eingeschlossen – ohne Fenster, ohne Spiegel, ohne Hoffnung auf Erlösung. Es gibt keine offensichtliche Folter, und doch ist dieser Ort die Hölle.

Was zunächst wie ein neutraler Raum erscheint, entpuppt sich als Versuchsanordnung der Macht. Die Figuren sind gefangen in einem System aus Blicken, Zuschreibungen und gegenseitiger Abhängigkeit. Jede Geste wird zur Anklage, jede Erinnerung zum Beweisstück. Die Hölle entsteht nicht durch äußere Gewalt, sondern durch die permanente Bewertung durch die anderen. Sartres berühmter Satz „Die Hölle, das sind die anderen“ wird hier zur bitteren Realität.

Die Inszenierung versteht Sartres Text als politisches Experiment und liest ihn vor dem Hintergrund heutiger gesellschaftlicher Strukturen neu. Im Zentrum stehen Fragen nach Identität, Verantwortung und Freiheit in einer patriarchal geprägten Gesellschaft. Was bleibt vom eigenen Selbst, wenn Wahrgenommenwerden zur Form der Kontrolle wird? Verantwortung erscheint nicht mehr als moralische Kategorie, sondern als Widerstand – gegen Unterdrückung, gegen autoritäre Ideologien, gegen die Verweigerung der eigenen Freiheit.

Teil der Inszenierung

Ein besonderes Merkmal der Inszenierung ist die Raumkonzeption: Das Publikum sitzt sich in vier Ecken gegenüber und wird selbst Teil der Versuchsanordnung. Die Zuschauenden beobachten nicht nur die Schauspielerinnen und Schauspieler, sondern auch einander – ein Arrangement, das Sartres Gedanken konsequent weiterführt.

Bereits beim Einlass beginnt die Begegnung mit seiner Welt. „Geschlossene Gesellschaft“ ist ein intensives, psychologisches Kammerspiel, das nahe an die Figuren heranführt und zugleich Fragen an das Publikum richtet: Wie viel Macht hat der Blick der anderen über uns? Und welche Konsequenzen ziehen wir daraus bezüglich unserer Verantwortung für uns und für andere?

Regie führt Tjana Thiessenhusen, Bühne und Kostüme stammen von Sarah Methner, das Sounddesign von Valentin Kleinschmidt.

Die Premiere sowie einige Folgevorstellungen sind bereits ausverkauft, doch es gibt noch Karten für Vorstellungen. Tickets sind an der Theaterkasse im Globe, an den bekannten Vorverkaufsstellen sowie online unter landestheater-coburg.de erhältlich. red

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