„Ich habe den Coburgern die Daumen gedrückt und mitgefiebert. Ich hätte den Jungs den Klassenerhalt von Herzen gegönnt. Und für unsere Region wäre es auch besser gewesen, wenn sie nicht abgestiegen und in der Bayernliga drin geblieben wären.“
Christian Tremel, ehemals Sportlicher Leiter beim FC Coburg und seit dieser Saison neuer Sportlicher Leiter des SC Sylvia Ebersdorf, hätte durchaus auf dieses prestigeträchtige Derby verzichtet, doch nun reibt er sich sicher insgeheim auch die Hände.
Der Grund ist klar: Am Mittwoch (18.30 Uhr) kommt es zum Landesliga-Eröffnungsspiel zwischen seinem neuen und seinem alten Verein.
Wer ist die Nummer 1?
Der SC Sylvia Ebersdorf erwartet also den FC Coburg. Landesliga-Aufsteiger gegen Bayernliga-Absteiger. Weiß gegen Rot. „Filiale“ gegen „Hauptsitz“! Engelmann gegen Schiebel. Auf jeden Fall geht es dabei erstmals seit vielen Jahren um drei Punkte.
Mehr noch: um ganz viel Prestige und ein wenig auch schon um die Vormachtstellung im Kreis. Die Sylvianer haben längst den Blinker gesetzt, fahren mit hohem Tempo auf der Überholspur und sind bereit, um vorbeizuziehen.
Der FCC-Motor ist dagegen etwas ins Stottern geraten. Doch wer die Vestekicker unterschätzt, macht einen erheblichen Fehler.
Viva Italia
Die Vorbereitung ist am Wochenende vorbei. Alles Schall und Rauch. Testspiele zählen ohnehin nichts mehr. Nur wer siegt, hat alles richtig gemacht.
Der Verlierer muss früh Aufbauarbeit leisten. Eines haben beide Klubs jedenfalls gemeinsam: Ein schweißtreibendes Trainingslager in Italien.
Während Engelmann von den Trainingsbedingungen beim ASV Latsch in Südtirol schwärmt, ist Schiebel begeistert vom Gardasee. Die Spieler beider Klubs genossen die dort herrschenden Bedingungen. Es wurde viel für das Teambuilding getan – also allerbeste Voraussetzungen für eine gute Saison und für ein packendes Duell am Mittwoch. Wer hat den längeren Atem?
Die Antwort gibt es am Mittwoch ab 18.30 Uhr im schmucken Areal am Ebersdorfer Hügelsee. Das Stadion steht dann für gut zwei Stunden im Mittelpunkt des regionalen Fußball-Interesses.
Klar ist, dass die Kasse klingelt. Denn die Gastgeber erwarten am 1. Spieltag bereits ihren Zuschauer-Saisonrekord, der im weiteren Verlauf der Serie wohl kaum zu toppen sein wird. Schließlich rechnen die Sylvianer mit deutlich über 1000 Besuchern. Wir haben bei beiden Übungsleitern im Vorfeld genau nachgefragt: Ein Spiel, zwei Trainer, drei Fragen und sechs Antworten.
Herr Engelmann, Herr Schiebel: Warum gewinnt Ihre Mannschaft das Prestigeduell am Mittwochabend?
Jakob Engelmann: Als Aufsteiger wissen wir um unsere Qualität. Ich habe 100-prozentiges Vertrauen in meine Truppe. Wenn meine Spieler die gleiche Gier, die Qualität der letzten eineinhalb Trainingswochen und zuletzt auch im Testspiel auf den Platz bringen, ist es sicher nicht so einfach, uns gerade zu Hause vor so einer Kulisse zu schlagen. Natürlich gehen wir mit einem gesunden Respekt vor dem Gegner in die Partie. Man kennt sich sehr gut und weiß um die Stärken des anderen. Coburg hat sicher Qualität, das ist uns allen auch bewusst, insofern ist der Respekt einfach normal.
Carl-Philipp Schiebel: Ich bin kein Hellseher – deshalb weiß ich heute nicht, wie das Spiel ausgehen wird. Nichtsdestotrotz haben wir Trainer aber ein super Gefühl – nicht nur auf das Spiel am Mittwoch, sondern allgemein auf unsere Mannschaft bezogen.
Wenn Sie sich einen Spieler aus dem gegnerischen Kader wünschen dürften, wen würden Sie in Ihre Mannschaft holen und aus welchem Grund?
Jakob Engelmann: Maxi Tranziska, der ja auch schon in unseren Reihen stand. Für mich persönlich liegt das darin begründet, dass ich mit ihm selbst zusammenspielen durfte und eben ganz genau weiß, welche Gabe der Maxi hat. Nämlich seine Mitspieler mit seiner Euphorie, mit seiner guten Laune, mit seiner Art und letztendlich auch mit seinem 100-prozentigen Willen mitzureißen. Er gibt immer über 90 Minuten Vollgas, das hat mir damals schon gefallen und gefällt mir heute immer noch.
Carl-Philipp Schiebel: Ich habe sehr viele Spieler von Ebersdorf über mehrere Jahre in unserem Nachwuchsleistungszentrum trainieren dürfen und teilweise den Übergang in den Herrenfußball ermöglichen können. Dementsprechend verfolgt man natürlich immer seine Jungs, und freut sich auch immer wieder, sie zu sehen. Nichtsdestotrotz haben wir von Ebersdorf keinen einzigen Spieler kontaktiert und versucht abzuwerben.
Warum lohnt es sich, dieses Spiel anzuschauen? Mit welcher Art von Fußball wollen Sie Ihre Anhänger in dieser Serie begeistern und mit welchem Tabellenplatz sind Sie am Ende der Serie zufrieden?
Jakob Engelmann: Es lohnt sich natürlich auf jeden Fall, dieses Spiel anzusehen. In so einem Lokalderby ist immer viel Brisanz drin. Einige Coburger Spieler haben schon in Ebersdorf gespielt, viele Spieler von uns in Coburg. Viele Jungs kennen sich gut, sind sogar privat befreundet. Aber das wird am Mittwoch 90 Minuten lang natürlich beiseitegelegt. Es wird interessant sein zu sehen, wo Coburg als Bayernliga-Absteiger steht und wo wir als letztjähriger Bezirksligist jetzt schon stehen. Ich bin gespannt, wer das erste Saisonmatch für sich entscheidet. Ich hoffe, dass wir mit dem ähnlichen Fußball wie letztes Jahr unsere Zuschauer begeistern können. Unsere Torgefahr entsteht nicht aus dem Zufallsprinzip, sondern wir haben die Qualität, sehr ordentlich Fußball zu spielen. Wir wollen auch in der Landesliga mit gepflegtem Kombinationsspiel vor die Kiste kommen. Letztlich haben wir mit unseren Einzelkönnern natürlich auch immer die Optionen, mal außergewöhnliche Sachen zu zelebrieren. Es wäre schön, wenn wir das auch in der Landesliga regelmäßig auf den Platz bringen könnten, um so noch mehr Zuschauer zu uns ins Stadion zu locken.
Carl-Philipp Schiebel: Wir Verantwortlichen sind uns im Verein alle einig, dass wir diese Saison von keinem Tabellenplatz abhängig machen werden. Wir wollen nach der letzten, sehr turbulenten Saison eine ruhige spielen. Wir wollen gemeinsam mit unseren erfahrenen Spielern, die zu 1000 Prozent hinter unserem Projekt stehen, die nächste Generation hervorbringen und uns keinem Gegner in der Liga anpassen, sondern immer unser eigenes Ding durchziehen.









