Eggolsheim
FOS-Schüler erleben den Alltag im Rollstuhl
Die Schüler mit den Rollstuhlfahrern Christian Undiener und Sebastian Zang Gruppenbild am Rathaus in Bamberg.
Die Schüler mit den Rollstuhlfahrern Christian Undiener und Sebastian Zang Gruppenbild am Rathaus in Bamberg. // Julia Lambert
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Eggolsheim

Wie fühlt es sich an, den Alltag im Rollstuhl zu bewältigen? Mit dieser Frage beschäftigten sich Schülerinnen und Schüler der Fachoberschule Fränkische Schweiz in Eggolsheim bei einer Exkursion nach Bamberg. Die Kombination aus praktischer Selbsterfahrung und dem direkten Austausch mit Betroffenen ermöglichte den Jugendlichen einen eindrucksvollen Perspektivwechsel.

Für den Praxisteil stellte die Firma Mediteam Rollstühle zur Verfügung. In Kleingruppen erkundeten die Schülerinnen und Schüler der elften Klasse Sozialwesen die Bamberger Innenstadt und mussten Alltagssituationen meistern: einkaufen, Geld am Automaten abheben, mit dem Bus fahren oder öffentliche Toiletten aufsuchen. Dabei wurden Herausforderungen sichtbar, die für viele Menschen ohne Einschränkungen kaum wahrnehmbar sind.

Besonders deutlich zeigte sich dies beim Versuch, den Bamberger Dom zu besuchen. Der barrierefreie Zugang war aufgrund laufender Umbauarbeiten nicht nutzbar. Auch das Kopfsteinpflaster der Altstadt stellte eine erhebliche Hürde dar.

Neben den baulichen Barrieren prägten vor allem die Begegnungen mit anderen Menschen die Erfahrungen der Schülerinnen und Schüler. Viele berichteten von ungewohnten Blicken, Unsicherheiten im Umgang mit Menschen im Rollstuhl und sehr unterschiedlichen Formen der Hilfsbereitschaft. Während manche Passanten spontan Unterstützung anboten, blieben andere auf Distanz oder reagierten zurückhaltend.

Im Anschluss an die Selbsterfahrung wurden die Schüler im Bamberger Rathaus von der Behindertenbeauftragten der Stadt, Nicole Orf, und ihrer Mitarbeiterin Claudia Fischer empfangen. Dort erhielten sie die Gelegenheit, mit zwei Rollstuhlfahrern über deren Alltag zu sprechen. Christian Undiener und Sebastian Zang gewährten dabei Einblicke in Herausforderungen, die weit über bauliche Hindernisse hinausgehen. Beide Männer leben selbstständig in barrierefreien Wohnungen. Im Gespräch wurde deutlich, dass gesellschaftliche Teilhabe oftmals an scheinbar kleinen Dingen scheitert. Besonders eindrücklich schilderte Zang Situationen, in denen Menschen ohne Rückfrage seinen Rollstuhl verschoben hätten, weil er ihrer Meinung nach im Weg stand. Gleichzeitig betonten beide, dass sie immer wieder große Hilfsbereitschaft und Rücksichtnahme erfahren.

Am Ende stand eine Erkenntnis im Mittelpunkt: Die größten Barrieren finden sich oft nicht auf Straßen oder in Gebäuden, sondern in den Köpfen der Menschen.

Julia Lambert, Private Fachoberschule Fränkische Schweiz

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