Der TV 48 Erlangen ist aufgestiegen, der TSV Neunkirchen in die Kreisliga 2 umgruppiert, genauso wie Bezirksligaabsteiger SV Tennenlohe – und plötzlich scheint die am Wochenende beginnende Kreisliga 1 offener denn je. Mit TSV Ebermannstadt, TSV Lonnerstadt, SpVgg Heßdorf und TSV Röttenbach bringen sich gleich mehrere Vereine in Stellung, während Aufsteiger wie die DJK Wimmelbach die Liga kräftig durcheinanderwirbeln könnten.
In Teil 1 nehmen wir besonders den Titelkampf ins Visier, der zweite Teil erscheint in der morgigen Ausgabe.
Kein klarer Favorit im Titelkampf – oder doch?
Nach Jahren, in denen sich meist ein oder zwei Mannschaften als Topfavoriten herauskristallisierten, verspricht die Kreisliga 1 diesmal eine kaum berechenbare Angelegenheit zu werden. Einen eindeutigen Favoriten sehen dennoch viele Verantwortliche. Der Name, der immer wieder fällt, lautet TSV Ebermannstadt. Dahinter wird das Feld allerdings schnell breit. Lonnerstadt möchte seine starke Vorsaison bestätigen, Heßdorf setzt auf Kontinuität und mit der DJK Wimmelbach sorgt ein Aufsteiger bereits vor dem ersten Spieltag für jede Menge Gesprächsstoff.
Doch wo Licht ist, gibt es auch Schatten. Mehrere Vereine stehen nach personellen Veränderungen vor einem Umbruch. Andere kämpfen mit kleinen Kadern oder langzeitverletzten Spielern. Weil erneut zwei Mannschaften direkt absteigen und zwei weitere in die Relegation müssen, wird jeder Punkt enorm wichtig sein.
SC Adelsdorf:
Torjäger ist fort
Der SC Adelsdorf gehört seit Jahren zum festen Bestandteil der Kreisliga. Im Sommer musste der Verein jedoch schmerzhafte Rückschläge verkraften. Besonders die Abgänge von Spielmacher Nico Geier und Torjäger Ricardo Halmer zum TSV Hirschaid wiegen schwer. Halmer erzielte vergangene Saison allein 22 Tore und war einer der gefährlichsten Angreifer der Liga. Mit Alessandro Rai verlor der SCA zudem einen weiteren wichtigen Akteur.
Dass die Aufgabe dadurch nicht leichter wird, weiß auch Trainer David Friedrich. „Bei uns wird es mit den vielen Abgängen nicht einfach, aber das werden wir schon irgendwie hinbekommen“, sagt der Übungsleiter, der dennoch Optimismus ausstrahlt. Gerade die ersten Wochen dürften zeigen, wohin die Reise geht.
Ausgerechnet beim Eröffnungsspiel in Lonnerstadt wartet ein Gegner, der selbst wieder vorne angreifen möchte. Ein Derby zum Auftakt. Friedrich blickt aber nicht nur auf seine Mannschaft, sondern auch auf die Konkurrenz. Für ihn zeichnet sich eine Liga ohne Übermannschaft ab. „Ich rechne mit einer ausgeglichenen Liga und starken Aufsteigern“, sagt er. Vor allem Wimmelbach traut er dank der namhaften Neuzugänge sofort eine gute Rolle zu. „Die werden nichts mit dem Abstieg zu tun haben.“
Auch Ebs zählt für ihn zu den größten Aufstiegskandidaten. „Sie waren letzte Saison bereits oben dabei und haben sich noch einmal gut verstärkt. Die sehe ich sehr weit oben.“ Für Adelsdorf dürfte dagegen zunächst ein anderes Ziel im Vordergrund stehen. Nach den personellen Verlusten gilt es zunächst, Stabilität zu entwickeln und möglichst schnell genügend Punkte für den Klassenerhalt einzusammeln.
Baiersdorfer SV: Schwieriger Neustart
Während Adelsdorf wichtige Leistungsträger ersetzen muss, beginnt beim Baiersdorfer SV ein komplett neues Kapitel. Zwei Abstiege in Folge haben ihre Spuren hinterlassen. Erst ging es aus der Landesliga herunter, ein Jahr später folgte der Gang aus der Bezirksliga in die Kreisliga. Doch damit nicht genug. Gleich 16 Spieler verließen den Verein. Um überhaupt eine konkurrenzfähige erste Mannschaft stellen zu können, entschied sich der Verein sogar dazu, die zweite Mannschaft aus dem Spielbetrieb zurückzuziehen. Sämtliche Kräfte sollen nun dem Neustart der Ersten zugutekommen.
Mit Birol Aksoy übernimmt ein neuer Trainer eine Aufgabe, die kaum anspruchsvoller sein könnte. Statt an Details zu arbeiten, muss zunächst überhaupt wieder eine Mannschaft entstehen. Automatismen und Abläufe müssen sich erst entwickeln. Die Hoffnung ruht unter anderem auf den Talenten aus der eigenen Landesliga-A-Jugend. Dort besitzt Baiersdorf seit Jahren eine gute Nachwuchsarbeit.
Die Frage wird allerdings sein, ob die jungen Spieler im Herrenbereich eingesetzt werden und wie häufig sie tatsächlich zur Verfügung stehen. Auf dem Papier zählt der BSV damit zunächst zu den Mannschaften, die den Blick eher nach unten richten müssen. Sollte der Umbruch länger dauern als erhofft, wäre selbst ein dritter Abstieg in Folge nicht ausgeschlossen.
Gelingt es Aksoy dagegen, früh eine funktionierende Einheit zu formen, besitzt Baiersdorf das Potenzial, die Skeptiker zu überraschen.
SV Bubenreuth:
Geheimfavorit in spe
Während in Baiersdorf vieles neu aufgebaut werden muss, verfolgt der SV Bubenreuth seit Jahren einen anderen Weg. Der Verein setzt konsequent auf junge Spieler aus den eigenen Reihen und ergänzt den Kader gezielt mit entwicklungsfähigen Akteuren. Diese Philosophie könnte sich nun auszahlen. Schon die zweite Hälfte der vergangenen Saison ließ aufhorchen. Nachdem der SVB lange tief im Tabellenkeller gesteckt hatte, spielte das Team eine starke Rückrunde. Für viele Trainer kein Zufall.
Adelsdorf-Coach David Friedrich zählt Bubenreuth deshalb zu den Teams, die eine Überraschung schaffen können. „Eine sehr junge Mannschaft. In der Rückrunde hat man gesehen, wie gut sie sein können. Die muss man auf dem Zettel haben.“
Mit Jan Rebel übernimmt zudem ein Trainer, dessen Vita perfekt zur Vereinsphilosophie passt. Der neue Coach kommt aus der Nachwuchsarbeit der SG Quelle Fürth und soll die vielen Talente weiterentwickeln. Unterstützung erhält er vom spielenden Co-Trainer Yuri Meleleo. Der ehemalige Regionalligaspieler wird aufgrund einer Knieverletzung zwar wohl erst 2027 wieder selbst eingreifen können, bringt aber bereits jetzt viel Erfahrung in die Kabine.
Gerade die Unbekümmertheit der jungen Mannschaft könnte zu einem echten Vorteil werden. Während andere Vereine nach personellen Veränderungen erst zueinanderfinden müssen, kennt sich der Kern des Bubenreuther Kaders seit Jahren.
SpVgg Dürrbrunn:
Kampf ums Überleben
Ganz andere Sorgen plagen die SpVgg Dürrbrunn-Unterleinleiter. Bereits 2025/26 musste der Verein bis in die Relegation zittern, ehe der Klassenerhalt perfekt gemacht wurde. Die Hoffnung auf eine ruhigere Saison ist allerdings klein. Trainer Dominik Hofmann blickt mit gemischten Gefühlen voraus. Der Kader ist nicht nur kleiner geworden, sondern muss auch schmerzhafte Verluste verkraften. Nicolai Bischof zog nach Bayreuth und wechselte zum SV Kirchahorn. Mit Christian Distler, Jan Krämer und Peter Hastreiter treten mehrere Leistungsträger kürzer oder hören auf. Hastreiter bleibt dem Verein immerhin als Co-Trainer erhalten. Dem gegenüber stehen lediglich zwei Spieler aus der eigenen Jugend.
„Unser Kader wird kleiner. Dazu werden uns noch die Ausfälle von fünf oder sechs Langzeitverletzten begleiten. Deswegen wird es sehr schwer für uns – noch schwerer als letzte Saison“, beschreibt Hofmann die Ausgangslage.
Der Trainer rechnet nicht mit einer Mannschaft, die der Liga davonläuft. Vielmehr sieht er ein qualitativ starkes oberes Drittel und dahinter zahlreiche Teams auf Augenhöhe.
Genau dort ordnet er auch seine Mannschaft ein. „Hinten drin, das was uns mehr interessiert, hast du auf jeden Fall fünf oder sechs Teams, die sich auf unserem Level bewegen. Da wird es wahrscheinlich auf Kleinigkeiten ankommen.“
Für „Lada“ wird deshalb jede direkte Begegnung gegen die Konkurrenz zum Schlüsselspiel. Ein kurzer Negativlauf könnte bereits weitreichende Folgen haben.
TSV Ebermannstadt:
Titelanwärter Nummer 1
Hört man sich in der Liga nach dem Titelfavoriten um, fällt fast immer derselbe Name: TSV Ebermannstadt. Das überrascht kaum. Seit Jahren gehört der TSV zur Spitzengruppe und verpasste den großen Wurf meist nur knapp. Nun könnte der letzte Schritt gelingen. Dabei verlief der Sommer keineswegs ereignislos. Coach Philipp Nagengast wechselte ins Trainerteam der DJK-FC Schlaifhausen. Co-Trainer Daniel Geissler rückte zum Cheftrainer auf und wird künftig von Philipp Bäumler unterstützt. Am Kader änderte sich vergleichsweise wenig – und genau darin sehen viele den größten Vorteil. Die Mannschaft blieb nahezu zusammen und wurde gezielt verstärkt.
Mit Julian Hofmann kam der Spielertrainer des SV Poxdorf. Nick Schwämmlein wechselte von der SpVgg Reuth. Lediglich die Verletzung von Torwart-Neuzugang Tom Bezold, der von der SpVgg Jahn Forchheim gekommen war, trübt die Stimmung etwas. Allerdings steht mit Stammkeeper Timo Bail weiterhin der sichere Rückhalt der letzten Jahre zur Verfügung. Co-Trainer Bäumler formuliert die Ziele dennoch selbstbewusst. „Wir wollen bis zum Schluss in der Spitzengruppe mitmischen. Wichtiger ist aber die Entwicklung der Mannschaft und der Spieler. Wenn das alles gut ineinandergreift, wollen wir uns irgendwann auch belohnen.“
Bemerkenswert ist, wie groß das Vertrauen der Konkurrenz in den TSV ist. David Friedrich sieht Ebermannstadt „sehr weit oben“, Heßdorfs Trainer Bastian Lunz spricht sogar vom „klaren Titelfavoriten“. Auch Lonnerstadts Abteilungsleiter Steffen Kaiser nennt den TSV trotz der ausgeglichenen Liga als seinen Favoriten.
BSC Erlangen:
Aufsteiger mit Rückenwind
Mit großem Selbstvertrauen kehrt der BSC Erlangen in die Kreisliga zurück. Der Aufstieg als Meister war hochverdient. Als Spielertrainer übernimmt mit Branislav Dipanov ein neuer Coach, der als Spieler sogar Bayernliga-Erfahrung gesammelt hat. Zwar musste der BSC einige Abgänge verkraften, dennoch ist genügend Qualität vorhanden. Gerade die Euphorie eines Aufsteigers kann in den ersten Wochen ein entscheidender Vorteil sein. Gelingt ein guter Start, dürfte der BSC mit dem Tabellenkeller wenig zu tun bekommen.
FC Herzogenaurach II:
Kontinuität bei Reserve
Zum Abschluss dieses ersten Teils richtet sich der Blick auf eine Mannschaft, die nur selten große Schlagzeilen produziert, aber Jahr für Jahr zuverlässig ihre Punkte sammelt. Der FC Herzogenaurach II geht in seine siebte Kreisliga-Saison in Folge. Trainer Marco Göller steht im vierten Jahr an der Seitenlinie. Hinzu kommt ein großer Vorteil gegenüber vielen Konkurrenten: Durch die Landesligamannschaft und eine dritte Mannschaft verfügt der Verein über einen außergewöhnlich breiten Spielerpool. Genau deshalb gehören Reserveteams für viele Trainer zu den schwer einschätzbaren Mannschaften der Liga.
Eine Rolle im Aufstiegskampf dürfte für die Pumas zwar schwierig werden, ebenso unwahrscheinlich erscheint jedoch eine Saison mit akuten Abstiegssorgen.









