Wer an diesem Nachmittag das Hallenbad betritt, spürt sofort, wie viel Leben in dem Gebäude steckt. Kinder lachen am Beckenrand, im Nebenraum bereitet eine Schwimmlehrerin die nächste Gruppe vor, und im Foyer diskutieren Vertreter von Vereinen, Schulen und Wasserwacht engagiert über die Zukunft „ihres“ Bades. Auf Einladung von Bürgermeister Stefan Paulus waren zahlreiche Nutzerinnen und Nutzer zusammengekommen – denn dem Hallenbad steht buchstäblich das Wasser bis zum Hals.
Das Defizit beläuft sich nach Angaben von Kämmerer Marco Depner auf rund 100.000 Euro pro Jahr. Diese Summe trägt allein die Gemeinde Knetzgau. „Gleichzeitig finanzieren wir über die Kreisumlage auch die anderen verbliebenen Schwimmbäder mit“, erläutert Depner.
Das letzte Hallenbad im südlichen Landkreis sei für die gesamte Region unverzichtbar, wird in einer Pressemitteilung betont. Ein Großteil der Schülerinnen und Schüler aus Maintal und Steigerwald lerne dort das Schwimmen – ermöglicht durch Schulen, Vereine und die Wasserwachten. Die Liste der Nutzer ist lang: Schulen aus Zeil, Sand, Theres, Oberaurach, Eltmann, Rauhenebrach und Ebelsbach trainieren dort ebenso wie der TV 1861 Haßfurt, die Wasserwacht Eltmann, die VHS, die städtischen Betriebe Haßfurt, der BRK-Kreisverband Haßberge oder der TSV Westheim. „Ohne dieses Bad gäbe es in weitem Umkreis kaum noch Möglichkeiten für Schwimmunterricht“, sagt eine Lehrerin.
Hoffnung auf Bundesförderung
Doch das Gebäude ist in die Jahre gekommen. Bauamtsleiter Jacek Krzyzewski zeigt auf die Technikräume im Untergeschoss. „Um das Schwimmbad zu erhalten, müssen wir dringend sanieren. Die Anlagen entsprechen nicht mehr dem aktuellen energetischen Standard, gesetzliche Vorgaben werden immer anspruchsvoller, und es fallen zunehmend aufwendige Reparaturen an.“ Auch Reinigung und Betrieb seien personal- und kostenintensiv – in Zeiten angespannter kommunaler Haushalte eine enorme Herausforderung. Trotzdem ist der Wille zum Erhalt deutlich spürbar. „Jeder Schwimmkurs rettet Kinderleben“, betont Klaus Widera, Schwimmlehrer aus Überzeugung. Dieser Satz fällt an diesem Tag mehrfach – und wird zum Leitmotiv des Treffens. Die Gemeinde hat sich deshalb beim Bundesprogramm zur Sanierung kommunaler Sportstätten beworben. Eine Rückmeldung wird im ersten Quartal erwartet. „Eine Förderzusage wäre für uns von enormer Bedeutung“, erklärt Bürgermeister Paulus. „Wir wollen zeigen, dass wir uns unserer Verantwortung bewusst sind.“
Gebäude mit großer Bedeutung
Für den Rathauschef ist das Engagement auch persönlich geprägt. „Ich habe 1976 in der dritten Klasse hier das Schwimmen gelernt“, erzählt er und blickt in die Schwimmhalle. „Diese Chance sollen auch alle heutigen und künftigen Generationen haben.“ Paulus kündigt an, die Bundesministerin Dorothee Bär und Bundestagsabgeordnete Sabine Dittmar um Unterstützung in den zuständigen Gremien zu bitten.
Ohne Förderung, so räumt er offen ein, sei ein Aus des Hallenbads nicht ausgeschlossen. Sein Dank gilt allen, die den Betrieb bislang ermöglichen: den Hausmeistern, die mit viel Kreativität Reparaturen meistern, den Bademeistern und Schwimmlehrern, den Ehrenamtlichen in Vereinen und Wasserwachten.
„Sie halten dieses Bad am Leben“, sagt Paulus. Genau dieses gemeinsame Engagement soll nun auch die Öffentlichkeit erreichen. Denn eines wurde an diesem Nachmittag deutlich: Für Knetzgau und die gesamte Region ist das Hallenbad weit mehr als ein Gebäude – es ist ein Ort, an dem Sicherheit, Gemeinschaft und Zukunft zusammenkommen. red









