Kreis Haßberge — Spektakulär, wie sich die Wurzel ins Gelände krallt und das Erdreich vor dem Abrutsch sichert. Selbst wenn die Kiefer längst gefällt ist, hier spürt man die Energie, den Lebenswillen der Natur. Mit beherzten Schritten hat Kerstin Kaupert den kleinen Hang erklommen. An solchen Stellen, faszinierend, versteckt und ein wenig verwunschen, fühlt sich die 43-Jährige wohl und dorthin entführt sie mit Vorliebe ihre Mitmenschen bei Wanderungen. „Verwurzelt“ nennt sich das Projekt, mit dem Frau Kaupert als zertifizierte Natur- und Landschaftsführerin arbeitet. „Einmal im Monat biete ich geführte Naturspaziergänge an,“ sagt sie, „etwa ein bis zwei Stunden, für Menschen jedes Alters“. Ihre Lieblingsorte sind der Herthasee bei ihrem Heimatort Hafenpreppach oder das Felsenlabyrinth Diebskeller bei Altenstein. Am Naturpark Haßberge liebt sie die Ruhe und die Abwechslung der Landschaft.
Die gebürtige Oberfränkin, die seit 18 Jahren beim CVJM Altenstein als Hausdame beschäftigt ist, schlüpft auf der benachbarten Ruine in die Rolle des Burgfräuleins und garniert die Führungen mit Sagen, etwa der von den zwölf Brüdern und dem Burgfräulein Magdalena von Stein. Auch mit Herausforderungen, die sie Interessenten per Newsletter (wegzehrung@gmx.net) bereitstellt, will sie dazu animieren, „draußen im Freien Zeit zu verbringen und aus dem Alltag auszubrechen“. Die nächste Wanderung findet am 17. März statt (Anmeldung und Infos unter Rufnummer 09567/1641).
Leute wie Kerstin Kaupert sucht der Naturpark Haßberge als „Naturpark-Botschafter“. „Das sind engagierte Menschen, die den Naturpark als Impulsgeber und Moderator unterstützen, indem sie die Öffentlichkeit einbeziehen und für die Reize der Region sensibilisieren“, erklärt Lukas Bandorf, Geschäftsführer des Naturparks mit Sitz in Hofheim.
Da geht’s lang
Der ländliche Raum soll gestärkt, die biologische Vielfalt erhalten, der Klimaschutz vorangebracht, die Kulturlandschaft bewahrt und touristisch vermarktet werden. Der Naturpark Haßberge ist ein kleiner, aber besonders reizvoller unter über 100 Naturparken in Deutschland. Mit den Schlagworten „Schutz“, „Erholung“, „Bildung“ und „Entwicklung“ setzen Naturparke modellhaft Strategien zur biologischen Vielfalt, zu Nachhaltigkeit und Tier- und Artenschutz um. Die Botschafter werben bei Wanderungen oder anderen Aktionen, mit ihrer Persönlichkeit, ihrer Naturbegeisterung und individuellem Erfahrungsschatz für die Einzigartigkeit „ihres“ Naturparks. Wer es versteht, andere im Wortsinn mitzunehmen, kann viel erreichen. Der Naturpark verleiht laut Lukas Bandorf jetzt Urkunden, „um die Naturpark-Botschafter zu würdigen und die Zusammenarbeit zu stärken“.
Die dörfliche Kultur rückt Uwe Rädlein aus Ibind in den Fokus, „fränkische Sachen“, wie der 59-Jährige sagt. Der Bauingenieur betreibt im Nebenerwerb das Gasthaus Faber-Rädlein, das vielen durch den Taubenmarkt im Tunnelsaal oder auch durch den „Iwinner Wirtshausgesang“ kennen. Seine Musikgruppe „Wirtshausschroller“ in wechselnder Besetzung, sind immer wieder mal dabei, wenn er zu Wanderungen einlädt. Dann kann auf der Burgruine Bramberg, seinem erklärten Lieblingsort, schon mal ein kleines Heimatfest draus werden. Rädlein schätzt die landschaftliche Vielfalt im Naturpark. Er sei nicht überlaufen wie vergleichbare Regionen, und hier lasse sich die Natur noch in vollen Zügen genießen. Lukas Bandorf würdigt Rädlein als „Freund und Förderer von Natur, Kultur, altem Brauchtum und Heimatgefühl“.
Auf dem Vulkan
Als gelernter Vermessungstechniker hat der Ibinder den Naturpark unter anderem dabei unterstützt, die Fernsichttafeln an Aussichtspunkten herzustellen, so auch auf dem erloschenen Vulkankegel bei Bramberg. Als Kultur-Gästeführer hat er nach eigenem Bekunden Freude daran, „interessierten Menschen Wissenswertes in kurzweiliger und heiterer Art über Berg, Burg und Landschaft näherzubringen“.
Bereits etabliert sind die drei weiteren Naturpark-Botschafter: Der frühere Eberner Polizist Reinhold Albert, heute Kreisheimat- und Archivpfleger im Landkreis Rhön-Grabfeld, dem sein Heimatort Sternberg im Grabfeld mit dem viertürmigen Barockschloss besonders am Herzen liegt.
Hans Peter Beck aus Ebelsbach engagiert sich bei der Naturschutzwacht Bayern, führt Schulwanderungen und hat sich als „Musiker-Fieldrecordist“ auf natürliche Schallereignisse und Klanglandschaften spezialisiert. Den gelernten Steinmetz zieht es hinaus in die Natur, um sie mit allen Sinnen wahrzunehmen, wie er sagt. Die Kamera hat er auf seinen Trekkingtouren stets im Gepäck. Ihm gehe es darum, neue Plätze und Orte zu entdecken, Stille zu genießen, Gedanken schweifen zu lassen.
Fünfter im Bunde ist der Hofheimer Christian Häpp, der den Aussichtsturm Schwedenschanze als seinen Lieblingsort nennt wegen des atemberaubenden Rundblicks von dort oben. Der reiche „von der Fränkischen Alb bis zur Rhön, vom Fichtelgebirge bis zum Frankenwald sowie vom Thüringer Wald bis zum Steigerwald“, schwärmt er.















