Der Bamberger Kunsthistoriker Matthias Liebel hat in Ebern zum Thema „Was ist Kunst“ referiert. Der Vortrag in der Ebern-Galerie lockte 40 Gäste an.
Liebel stellte heraus, dass die bildliche Auseinandersetzung mit Themen und Motiven, die uns im täglichen Leben begegnen, ein zentrales Merkmal von Kunst sei. Weiterhin gehöre die formal-gestalterische Klarheit, inhaltliche Schlüssigkeit, Erkennbarkeit der Motivzusammenhänge und die stil-sprachliche Entwicklung der Werke eines Künstlers dazu. Auch deren Strahlkraft und ästhetische Gestaltung seien Kriterien.
Seine Ausführungen machte Liebel etwa am Beispiel des Künstlers Piet Mondrian deut-lich. Bekannt seien seine Bilder, die auf die Grundfarben blau, rot und gelb sowie schwarz und weiß reduzierte Rechtecke zeigen. Gerade bei abstrahierten Werken sei manch einer – von Liebel spielerisch als „Tante Mechthild“ bezeichnet – der Ansicht, das Malen bunter Rechtecke sei keine Kunst. „Das kann ich auch“ sei ein Satz, den man dann oft höre. „Nein, Tante Mechthild, das kannst du nicht!“, antwortete Liebel seiner imaginären Mondrian-Betrachterin.
Mondrian habe zum einen eine deutliche Entwicklung von realistischer hin zu abstrakter Malerei durchgemacht. Zum anderen seien seine abstrakten Werke in Form und Farbe durchdacht und in sich stimmig. Dies verdeutlichte Liebel, indem er Bereiche in Mondrians Werk „Komposition Nr. III mit Rot, Blau, Gelb und Schwarz“ anders einfärbte und zeigte, dass solch kleine Veränderungen die Harmonie des Bildes erheblich störten. Daher könne vielleicht jeder ein Werk wie das Mondrians kopieren oder Quadrate zeichnen und ausmalen, jedoch sei dies eben nicht als Kunst zu bezeichnen.
Auch auf verschiedene fränkische sowie Kunstschaffende aus dem Landkreis Haßberge ging Liebel ein. So besprach er Arbeiten von Susanne Böhm aus Fabrikschleichach, Jannina Hector aus Hofheim und Olaf Schönherr aus Theres. Zuletzt sprach Liebel noch zu Kunst in der Fotografie und zog dafür Beispiele des Fotokünstlers Tilman Dominka heran, der aktuell in Ebern ausstellt. red









