Weisendorf
Der erste Flügel ist dran
Das erste Rotorblatt ist jüngst angebracht worden.
Ein Kran hievt das erste Rotorblatt hinauf zur Nabe.Gerd Ankermann // 
Weisendorf

Der Bürgerwindpark Weisendorf befindet sich in der spannendsten Bauphase. Seit Wochen fahren fast täglich die 85 Meter langen Rotorblätter durch die Gegend. Alle Betonteile der Türme wurden auf die Fundamente gesetzt und beim mittleren Windrad steht auch schon das Maschinenhaus, nachdem die oberen drei Stahlsegmente auf dem Turm montiert wurden.

Die 59 Tonnen schwere Nabe wurde montiert und am Mittwoch wurde der erste der drei Flügel dieses Windrads hingeschraubt. Aufgrund der sich verschlechternden Wetterbedingungen blieb es vorerst bei dem einen Flügel: Der Montagekran wurde wieder abgebaut, weil es mit dem Wetterumschwung auch windig werden soll.

Eine paradoxe Situation: Ein Windrad braucht Wind – aber bitte erst, wenn es vollständig errichtet ist und Strom produzieren soll. Dann ist schlechtes Wetter sogar sehr willkommen, meint Nadine Paulus, Geschäftsführerin von Bürgerwindenergie Weisendorf. Sie bringt es bei der Begrüßung der zahlreichen Gäste der Baustellenbesichtigung kurz und knapp auf den Punkt: „Der Wind braucht Sauwetter.“

Von Sonnenschein geprägt

Die bisherige Bauphase, nachdem das Fundament (Durchmesser: 25,5 Meter, Höhe: 2,90 Meter) ausgehärtet war, wurde von drei Wochen strahlendem Sonnenschein geprägt. Die Schwertransporte konnten reibungslos abgewickelt werden. Für die Firma Wust, Wind und Sonne eine Premiere, die Rotorblätter wurden erstmals mit einem sogenannten „Selbstfahrer“ durchgeführt (wir berichteten).

Stefan Paulus, Geschäftsführer von Wust, Wind und Sonne, war beim ersten Transport am 24. September dabei und ist die gesamte Strecke vom Zwischenlagerplatz in Großenseebach neben dem Transport mitgelaufen. Alles habe hervorragend geklappt, das Team sei auch immer schneller geworden.

Weisendorfs Bürgermeister Timo Wendel bedankte sich bei den Anwohnern für die Geduld und das Ertragen des nächtlichen Lärms und der Parkverbote entlang der Strecke. Andererseits beeindruckten ihn die Menschenmassen, die sich das Spektakel gerne anschauten. „Es war mehr los, als bei der Kerwa“, sagte Timo Wendel.

Paulus erklärte, dass in den nächsten Wochen die Stahlsegmente mit den Maschinenhäusern auch noch an den anderen beiden Windrädern montiert werden. Dann werden alle Flügel angebracht.

Durch die zügigen Bauarbeiten kann der Strom vielleicht schon zum Jahresende ins Netz eingespeist werden, meint Paulus. „Wir liegen vor dem Zeitplan.“ Der sieht eigentlich das Frühjahr 2027 als Fertigstellungstermin vor.

Die Kabel, verlegt von der Firma Föckersperger aus Münchaurach, liegen schon in der 19 Kilometer langen Trasse bis zum Umspannwerk Kastenweiher bei Erlangen.

Die drei Windräder vom Typ Vestas V172 haben eine Nennleistung von je 7,2 MW. Die Gesamthöhe der Windräder wird 261 Meter betragen. Wenn alles läuft, werden auch die Wege, die mit Schotter aufgefüllt wurden, wieder zurückgebaut. Nur für die betrieblich notwendige Zufahrt bleibt der Schotter auf regulärer Lastwagenbreite dauerhaft liegen. Auch um die Windräder herum wird die Renaturierung durchgeführt.

Was bleibt, sind Geräusche und Schattenwurf, ohne die es bei einem Windpark nicht geht. Die Landschaft wird zeitweise verändert wahrgenommen. Dabei halten sich die Betreiber an die gesetzlichen Grenzwerte.

240 Bürger aus der Region, vornehmlich aus Weisendorf, haben sich nach einem Bürgermodell am Windpark finanziell beteiligt. Für die Gemeinde wird der Windpark zu Gewerbesteuereinnahmen führen, die Gesellschafter dürfen eine Rendite erwarten und alle Bürger können den erzeugten Strom über den Anbieter von Wust, Wind und Sonne als Regio-Grünstrom zum Sonderpreis beziehen.

Darüber hinaus erlaubt das EEG-Gesetz eine Ausgleichszahlung an die betroffene Gemeinde in Höhe von 0,2 Cent pro eingespeister Kilowattstunde für Vereine und soziale Projekte. Erich Wust baut seit 20 Jahren Windanlagen. Für die Weisendorfer Anlage ist er froh, dass alle Entscheidungen und Genehmigungsverfahren zeitnah und reibungslos erfolgt sind. Die Anlage wurde zum Glück von der „Windkraft-Bremse“ aus Berlin verschont.

Der Netzausbau im Süden hinkt dem Norden der Republik hinterher. Für neue Anlagen gibt es die Sorge, dass die Entschädigung bei Netzengpässen gestrichen werden könnte. Dank der rechtzeitig abgeschlossenen Verträge hat der Bürgerwindpark Weisendorf einen strengen Bestandsschutz. Nach heutigem Rechtsstand.

Die Baustellenbesichtigung in Weisendorf war gut besucht.
Die Baustellenbesichtigung war gut besucht. // 
So sieht es im Inneren des Turms aus.
So sieht es im Inneren des Turms aus. // 
Inhalt teilen
  • kopiert!