Die Höchstadter Wolfgang und Daniela Köberlein verbringen derzeit ihren Urlaub in Castlebar, der Partnerstadt Höchstadts bei ihrem Freund Mick Baynes. Am Sonntagabend schrieben sie dieser Zeitung: „Castlebar befindet sich im Ausnahmezustand und durch die Straßen zieht ein nicht endender Corso.“
Der Grund: Am Sonntag, 26. Juli, fanden die All Ireland Finals im Gaelic Football im Dubliner Croke Park Stadion statt – das Endspiel. Und die Mannschaft des County Mayo hat nach 75 Jahren den Sieg über Kerry und damit den Siegerpokal namens „Sam“ errungen.
Ganz Mayo hat schon tagelang, wenn nicht gar einige Wochen lang, auf dieses Ereignis hingefiebert: Alles lief in grün-roten T-Shirts oder mit grün-roten Fahnen herum, Autos waren grün-rot angemalt. Das Finals-Fieber ging um. Auch die Realschule Höchstadt fieberte mit und schickte ein Video an ihre Partnerschule, das Davitt College in Castlebar.
75 Jahre ohne Sieg sind eine lange Zeit. Aber hinter diesem letzten Sieg vor 75 Jahren steckt eine Geschichte: Mayo war verflucht.Kurz zum Gaelic Football: Hier geht es darum, den Ball im gegnerischen Tor unterzubringen. Das zählt drei Punkte. Geht der Ball über die Querlatte zwischen den – theoretisch bis in den Himmel – verlängerten Pfosten, gibt es einen Punkt. Torrichter in weißen Fleischerkitteln wachen mit Argusaugen über die Flugbahn und signalisieren einen Punktgewinn mit Fähnchen. Der Ball darf mit der Hand gespielt, muss jedoch mit dem Fuß vom Boden aufgenommen werden. Über die Behandlung der Gegenspieler gibt es strenge Vorschriften, was unwissende Zuschauer kaum für möglich halten.
Vor 75 Jahren, im September 1951, hat Mayo die gesamtirische Meisterschaft gewonnen. Auf ihrem Triumphzug in einem offenen Lastwagen zurück nach Mayo kam das Team in Foxford vorbei. In der dortigen Kirche fand gerade eine Totenmesse statt. Die Spieler hielten jedoch nicht an, um dem Verstorbenen ihren Respekt zu erweisen, wie es den irischen Gepflogenheiten entsprochen hätte, sondern fuhren jubelnd, johlend und Guinness trinkend weiter. Das erboste den damaligen Pfarrer so sehr, dass er einen Fluch über Mayos Fußballer verhängte: Solange ein Spieler der Mannschaft von 1951 am Leben sei, solle Mayo nie wieder ein Finale gewinnen.
Und so kam es auch: Mayo stand seitdem mehr als zehnmal im Endspiel, hat es aber nie gewonnen. Einmal verlor die Mannschaft durch zwei späte Eigentore – was beim gälischen Fußball höchst selten vorkommt.
Vom Team von 1951 lebte nur noch Paddy Prendergast. Als sein Mannschaftskamerad Pádraig Carney 2019 gestorben war, zog Prendergast als letzter Lebender mit seiner Frau vorsichtshalber in die Grafschaft Kerry im Südwesten. Beim Rivalen fühlte er sich sicher, denn die Menschen in Kerry wollten ihn – und den Fluch – natürlich am Leben erhalten.
Nach der elften Finals-Niederlage ist Prendergast untergetaucht. Angeblich sollte ein Killerkommando aus Mayo unterwegs gewesen sein. Zwischenzeitlich ist Prendergast in Frieden entschlafen.
Und siehe da: Mayo hat das Team der Grafschaft Kerry besiegt, der Fluch ist gebrochen!
Das Ehepaar Köberlein freut sich mit den Siegern. Höchstadts Bürgermeister Alexander Schulz hat seinem Bürgermeisterkollegen Ger Deere sofort Glückwünsche geschickt, ebenso wie Lehrerin Tanya Fisher-Lehmann von der Realschule ihrer Kollegin Maria Carey vom Davitt College.









