Bei der Jahreshauptversammlung von 1000 Jahre Kronach ging eine Ära zu Ende. Der Vereinsgründer und bislang einzige Vorsitzende des Vereins, Altbürgermeister Manfred Raum, trat nicht mehr zur Wiederwahl an. Sein bisheriger Stellvertreter Dirk Eilers wurde zum neuen Vorsitzenden gewählt.
Die Jahreshauptversammlung in der Synagoge eröffnete Bezirksheimatpfleger Günter Dippold mit einem spannenden Referat über den Wandel Kronachs zur Zeit von Lucas Cranach. Als er Kronach verließ, wurden in sechs Stadtkirchen rund 60 Messen in der Woche gelesen.
Nach Wittenberg, wo er ab 1505 als Maler des sächsischen Kurfürsten Friedrich des Weisen angestellt war, folgten Cranach mindestens zehn junge Kronacher, die in die damals neue Hauptstadt des Kurfürstentums Sachsens zum Studieren gingen. Auch die Tatsache, dass nach der Reformation mindestens bis 1597 beide Konfessionen in Kronach mehr oder minder ungestört nebeneinander existierten, konnte der Bezirksheimatpfleger mit Hilfe von Quellen darlegen.
Dippold stand auch den Neuwahlen des Vereins vor, der einen neue Vorstand hat: Dirk Eilers wurde zum Vorsitzenden gewählt, Lore Walker zu seiner Stellvertreterin. Als Schatzmeisterin fungiert Edith Karl, die Schriftführung bleibt weiterhin bei Angelika Martin. Zu Beisitzern wurden Manfred Blinzler, Odette Eisenträger-Sarter und Sabine Pietz gewählt.
Zwei Arbeitskreise gibt es derzeit im Verein, dem einen für Veröffentlichungen steht Udo Gellner vor, der andere Arbeitskreis, der sich mit den vom Verein bestückten Ausstellungsräumen „CranachWelten“ beschäftigt, wird von Ehrenmitglied Manfred Raum geleitet.
In seiner Laudatio auf den langjährigen Vorsitzenden lobte Dirk Eilers die außerordentlichen Leistungen, die Manfred Raum für den Verein erbrachte. Ursprünglich zur Vitalisierung der historischen Szene im Hinblick auf das tausendjährige Stadtjubiläum 2003 gegründet, ging aus dem Verein nicht nur das Kronacher Stadtspektakel hervor.
Auch zahlreiche Publikationen – vorangebracht von Manfred Raum – zur Kronacher Stadtgeschichte brachte der Verein heraus. Neben wissenschaftlichen Schriften wie das Historische Stadtlesebuch veröffentlichte der Verein auch Erzählungen über Kronach sowie Kinderbücher und Krimis. Fester Bestandteil in der Lektüre zur Stadtgeschichte ist auch die Zeitschrift „Cranach“ geworden, deren Leitung bis zur demnächst erscheinenden 60. Ausgabe ebenso bei Manfred Raum lag.
Einen außergewöhnlichen Höhepunkt in der Vereinsgeschichte stellte der Erwerb des späten Cranach-Werks „Christus und die Samariterin am Jakobsbrunnen“ dar, das als Leihgabe des Vereins seitdem den Besuch des Cranach-Saals der Fränkischen Galerie bereichert. Seit 2019 ist der Verein auch als Aussteller aktiv: Die Cranach Welten in der Amtsgerichtsstraße 7 geben einen beeindruckenden Einblick in das breite Spektrum von Dingen, bei denen Cranach posthum bis zum heutigen Tage Pate stand: Briefmarken, Biergläser, Telefonkarten, ein Kaffeeservice und bis hin zu einem Fernseher zeigen entweder Bilder von Cranach, sein Signet, ihn selbst oder Produkte, die mit dem berühmtesten Sohn der Stadt zu tun haben.
Diese Ausstellung, die immer freitags bis sonntags zwischen 15 und 17 Uhr kostenlos zu besichtigen ist, hat Raum gestaltet und die ausgestellten Objekte gesammelt. Sie zeigt die vielfältige Wirkkraft des in Kronach 1472 geborenen Künstlers.
Dirk Eilers









