Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) ehrte langjährig treue Mitglieder für 60, 50 und 40 Jahre Loyalität zur Gewerkschaft. Dirk Schneider, stellvertretender Geschäftsführer im Bezirk Verdi Oberfranken-West, verwies auf die Verbesserungen von Lohn- und Arbeitsbedingungen in den vergangenen sechs Jahrzehnten, wozu auch die Jubilare, als Mitstreiter, beigetragen hätten.
Der von Bundeskanzler Friedrich Merz ausgerufenen These, „der Sozialstaat, wie wir ihn heute haben, ist mit dem, was wir volkswirtschaftlich leisten, nicht mehr finanzierbar“ erteilt die Gewerkschaft eine klare Absage: „Verdi hält Kurs“, so Schneider.
In seiner Festrede gratulierte der DGB-Regionsgeschäftsführer Oberfranken, Mathias Eckardt den Jubilaren. Er erinnerte an die für Deutschland historische Stunde, als die DDR- Grenze fiel. Vor 35 Jahren hätten auch viele Gewerkschafter Geschichte mitgeschrieben. Vor allem im öffentlichen Dienst waren Überstunden und unbürokratische Hilfen der Kollegen gefragt und in Solidarität wurden die Mehrbelastungen geleistet. Auch heute sind die Herausforderungen wieder gewaltig. „Die vielfältigen Krisen der vergangenen Jahre haben in unserer Gesellschaft und der Wirtschaft, die Rahmenbedingungen für politische Gestaltung fundamental verändert.“ Daraus entstehe auch im eigenen Land viel Unzufriedenheit, und das bereite nicht nur Sorgen, sondern sogar Angst. Angst sei aber noch nie ein guter Ratgeber gewesen, sondern mache anfällig für vermeintliche Heilsbringer und der politische, aber auch gesellschaftliche Ton werde rauer und unversöhnlich.
Vor diesem Hintergrund würden auch immer wieder Forderungen nach einer Beteiligung der Superreichen, etwa durch eine Erhöhung des Spitzensteuersatzes oder der Erbschaftssteuer als Unsinn abgetan. Davon lassen sich Gewerkschafter aber nicht beirren. Wer Reiche schonen will und den Sozialstaat zusammenkürzen möchte und beim Thema Rüstung ohne Schuldengrenze unbegrenzt agiert, dem sage Verdi deutlich: „Finger weg von unserem Sozialstaat!“
Schließlich erinnerte Eckardt an die Anfänge der Gewerkschaftsgeschichte. Damals herrschten unmenschliche Arbeitsbedingungen und ökonomische Ausbeutung. Heute sei es der technisch rasante Fortschritt und die Digitalisierung, was Sorge bereite. Es gehe darum, dass die wirtschaftliche Wertschöpfung nicht nur wenigen nutzt, sondern dass der gesellschaftliche Fortschritt allen zugutekommt.
DGB-Kreisvorsitzender Wolfgang Schmitt sprach den Jubilaren Lob und Dank aus. Jeder habe durch sein langjähriges Mitwirken bewiesen, dass Gewerkschaftsarbeit nicht allein in Verträgen, Paragrafen oder an Verhandlungstischen stattfindet, sondern im Herzen, mit Tatkraft und in gegenseitiger Unterstützung.
Mit fröhlicher Musik, aber auch nachdenklichen Texten führte Stefan Hofmann mit Gitarre und Gesang durch die Feierstunde.
Es wurden geehrt: Für 60 Jahre Treue: Heinrich Leitz, Teuschnitz, und Horst Zinner, Rothenkirchen. Für 50 Jahre Loyalität zur Verdi erhielt Jürgen Hirschel, Reichenbach, die Dankurkunde und ein Präsent.
Zwei Frauen konnten für 40 Jahre Treue geehrt werden: Doris Glück, Kronach, und Sabine Reissig, Wilhelmsthal.
Horst Zinner aus Rothenkirchen absolvierte erfolgreich von 1965 bis 1968 eine Lehre zum Elektroinstallateur bei der Firma Itting, Ludwigsstadt. 1971 wechselte er auf Empfehlung eines Freundes zur Telekom. Hier war er zunächst mit der Aufstellung von Telefonmasten- und dem Verlegen von Freileitungen beschäftigt. Später hat er Telefonanlagen aufgestellt und installiert. Im Jahr 2000 entschied er sich für den vorzeigen Ruhestand, da der Telekom- Konzern in Privatübernahme ging.
Die Gewerkschaft hatte leider in solch einem Falle, seiner Meinung nach, keinen Einfluss mehr und die Arbeitsbedingungen, die vom Privatunternehmen angeboten wurden, waren nicht annehmbar, bedauert Zinner eine Entwicklung, wie sie häufiger zu beobachten war und ist.
Karl-Heinz Hofmann









