Kulmbach
Märchenhaft und melodiös
Chris de Burgh trat am Sonntagabend auf der Plassenburg ohne Band auf. Sein Solo-Programm berührte die vielen Besucher.Stefan Herbert Fuchs
Chris de Burgh trat am Sonntagabend auf der Plassenburg ohne Band auf. Sein Solo-Programm berührte die vielen Besucher.Stefan Herbert Fuchs // 
Kulmbach

Kaum ein international Star hat in den zurückliegenden so oft in der Region konzertiert wie Chris de Burgh. Trotzdem sind alles seine Shows stets gut besucht. Am Sonntagabend bei den Plassenburg-Open-Airs konnte man dem Phänomen Chris de Burgh einmal mehr nachspüren. Knapp zweieinhalb Stunden gute Unterhaltung, ein exzellenter Musiker, wundervolle Melodien und Welthits aus mehreren Jahrzehnten zum Mitsingen.

2023 war er zuletzt auf der Plassenburg. Allen, die damals dabei waren, wird die rund 40-minütige Unterbrechung aufgrund eines heftigen Gewittersturms noch lebhaft in Erinnerung sein. Doch Chris de Burgh hat den damaligen Abend nicht nur gerettet, er hat ihn dank seiner unbeschreiblichen Bühnenpräsenz zu einem der denkwürdigsten Konzerte aller Zeiten auf der Burg gemacht.

Erinnerungen an 2023

Und er hat immer noch lebhafte Erinnerungen daran, wie er diesmal gleich in seiner Begrüßung verkündete. Am Sonntag blieb glücklicherweise alles ruhig, obwohl er gleich als dritten Song seinen Hit „Waiting for the hurricane“ aufs Programm gesetzt hatte.

Kaum ein Künstler schafft es, so wie er, sein Publikum mit angenehm entspannten Melodien und seiner einzigartigen und unverwechselbaren Stimme zu berühren. Auch wenn er ab und zu vor allem über die melancholischen Seiten des Lebens singt, sieht er in der Welt hauptsächlich das Schöne und Lebenswerte.

Mit seinen Geschichten von der Liebe und gegen Krieg und Unterdrückung ist Chris de Burgh so etwas wie ein moderner Troubadour. Seine oft mystischen und märchenhaften Storys haben alle mit Fantasien und realem Geschehen zu tun und mit besonderen Orten und Ereignissen. Als er namentlich Saudi Arabien und den Iran wegen der Unterdrückung von Frauen anprangert, gibt es großen Applaus.

Halbplayback bei vielen Hits

In Kulmbach tritt Chris de Burg solo auf, keine Band, die einen riesigen Sound auf die Bühne zaubern könnte, nur er, der Troubadour, seine Gitarre und ein E-Piano. Das heißt, die Songs erklingen so, wie er sie sich erdacht hatte. Und das sind eine ganze Menge, über 330 Lieder hat Chris de Burgh im Laufe seiner Karriere schon geschrieben. Ehrlicherweise muss man aber auch sagen, das bei vielen Titeln Halbplayback zum Einsatz kam. Band, Orchester, Chöre kamen vom Band, Chris de Burgh sang live dazu. Der Stimmung tat das keinen Abbruch.

Gleich am Anfang nimmt er sich selbst kräftig auf die Schippe und liest angebliche Fragen aus dem Publikum vor: „Lebt er noch?“, heißt es da, oder „Kann der überhaupt noch singen?“ Zugegeben, Christ de Burgh lebt schon auch von seinem legendären Ruf. Doch singen kann er. Bei seinen neueren Liedern dominieren klassische, bei älteren Liedern rockige Elemente. Die romantischen Balladen, mit denen er bekannt wurde, die spielt er alle.

Bei den älteren Stücken beweist der Meister des gefühlvollen Folkrocks, dass der Wandel der Zeit an dem mittlerweile 77-Jährigen scheinbar spurlos vorübergeht. „52 Jahre im Musik-Business, und ich bin immer noch da“, sagt er nicht ohne Stolz.

Und tatsächlich: Echte Pop-Klassiker wie „Don’t pay the ferryman“ oder wahre Hymnen wie „High on emotion” könnten nicht frischer klingen. Aber auch inzwischen zu Klassikern avancierte gefühlvolle Titel wie „Lady in red“ oder „Sailing away” die ihn in den 80er Jahren weltweit an die Spitze der Charts gebracht haben, bestätigen seinen Ruf als ungekrönter König des modernen Schmuse-Pop. Am Ende fanden sich viele vor der Bühne wieder, feierten und fotografierten den Star.

Pressefotos begrenzt

Letzteres blieb professionellen Pressefotografen verwehrt. Sie mussten nach den ersten drei Songs die Kameras wegpacken.

Geboren in Argentinien

Seit 1975 spielte sich der als Christopher John Davidson geborene Softrocker in die Herzen seiner Fans. Die bisherigen Alben des Popstars ohne Skandale verkauften sich weltweit inzwischen rund 50 Millionen Mal. Chris de Burgh konnte über 200 Gold- und Platinauszeichnungen entgegennehmen und gewann über 50 Awards.

Nach dem Konzert drückte er seinen Argentiniern fürs WM-Endspiel die Daumen. „Mein Herz schlägt für Argentinien“, sagte er, denn, man glaubt es kaum, der irische Barde wurde tatsächlich 1948 im argentinischen Venado Tuerto geboren.

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