Fensterbrettla
Oh Laubbläser, du rumorend' Ding aus der Hölle
Glosse aus Forchheim: das Fensterbrettla
Kurioses und Grenzwertiges aus Forchheim und der Fränkischen Schweiz: Die Glosse "Fensterbrettla" greift das Tagesgespräch auf.
Foto: Fränkischer Tag
F-Signet von Stephan Großmann Fränkischer Tag
– Es ist Herbst, des Menschen neues Feindbild lautet Laub. Die Lösung: Laubbläser. Furchtbar, findet unser Reporter. Ein Abgesang auf eine Maschine.

Sie sind wie ein nicht enden wollender Zahnarztbesuch, wie ein Zug, der einem vor der Nase wegfährt, wie das Gefühl, als trampelten einem alle vier Millionen Franken auf einmal auf den kleinen Zeh.

Nur beim Gedanken an sie erschaudere ich und mir kräuselt sich das spärliche Rückenhaar. Mein Puls steigt, wenn ich sie höre:  Laubbläser.

Laubbläser: Maschinen aus der Hölle

Drei Silben beschreiben das maschinengewordene menschliche Streben nach maximaler Ignoranz gegenüber der Natur und   einer um Ruhe bedachten Nachbarschaft.

Laut einer Mitteilung des Vereins Forchheim for Future können die dämonischen Dinger eine Lautstärke zwischen 80 und 110 Dezibel erreichen. Das ist so laut wie eine Kettensäge. Oder vielmehr wie eine Nervensäge, die sich  an meinem  Nervenkostüm abarbeitet.

Laubbläser sind im Herbst allgegenwärtig.
Laubbläser sind im Herbst allgegenwärtig.
Foto: Matthias Hoch

Forchheim for Future: Nehmt den Besen!

Einen Vorschlag zur Abhilfe liefert der Klimaschutz-Verein zum Glück gleich mit. Anders als die angebotene Alternative anmuten mag, hat sie nicht das geringste mit Hexerei zu tun: Statt sich des lautstarken Helferleins zu bedienen, darf der seines eigenen (oder des Nachbarn) Laubes Überdrüssige auch gerne einfach zum nächsten Besen greifen. Und fegen. Altmodisch. Entschleunigend. Ruhig. 

Vom Laube befreit sind Hof und Straße durch des Herbstes holden und belebenden Blick.

Osterspaziergang im Herbst frei nach Goethe

Frei nach Goethe tut der antriebslos Laubkehrende  nicht nur seinen Mitmenschen einen Gefallen, sondern auch sich selbst. Nur wer das Rascheln des Laubes unter den Füßen hören kann,  wird befriedigt aus dieser  Aufgabe  hervortreten.

Yippiejaja yippie yippie yeah!

Noch besser wäre es freilich, dem Laub einen klitzekleinen Rest  an Dasein zu erhalten. 

Den Igel freut’s, die Pflanzen freut’s, den Gärtner freut’s.  Hier ist er Mensch, hier darf er’s sein lassen.

 

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