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Pünktlichkeit vorm Fernseher
Was sich die Jugend heute nicht mehr vorstellen kann
Angemerkt von Susanne Will
Angemerkt von Susanne Will // Saale-Zeitung
Münnerstadt – Was ich vermisse: Früher begann der Feierabend Punkt 20.15 Uhr.

Wir von der Saale-Zeitung wissen ja um die Altersstruktur der allermeisten unserer Leserinnen und Leser. Sagen wir mal so: Sie haben die Pubertät schon hinter sich. Und sie hatten mal ziemlich lange ein ganz anderes Fernsehverhalten.

Kennen Sie noch das Gefühl? Es ist Sonntagabend, Sie sind mit Freunden essen, plötzlich beginnen alle zu drängeln. Jeder will der erste sein, der zahlt, der erste am Auto, der erste zu Hause. Daheim dann schnell Schuhe aus, Jacke auf den Sessel, es ist ultraknapp, noch Zeit, sich ein Bier einzuschenken? Nein, das steht im Keller, Chance vertan, Fernseher an, Erleichterung: Tataaaa - Tataaaa - Ta - Ta - Tataaaaatatataaaa - Tatort! 20.15 Uhr und 20 Sekunden! Gerade noch so geschafft!

Das Lagerfeuer loderte pünktlich um 20.15 Uhr, wer zu spät kam, hatte Pech - und nichts ist schlimmer, als die ersten fünf Minuten zu verpassen.

In Zeiten von Streamingdiensten oder Mediathek gehört dieser wichtige Kompass, nämlich Pünktlichkeit vor dem Fernseher, leider der Vergangenheit an. In Zeiten, in denen man Filme zu jeder x-beliebigen Zeit anschauen, anhalten und sogar zurückspulen kann, geht uns was Wichtiges verloren. Nämlich: Das Gefühl, wann es wirklich Zeit ist für den Feierabend.

Früher war das immer um 20.15 Uhr, dann gab es "einen Film" - und nicht 17 Folgen einer 28-teiligen Staffel, bei der wir spätestens nach der vierten schon nicht mehr durchblicken.  Und davor, natürlich, die Tagesschau. 

Selbstverständlich streame ich und genieße es, den Tatort anhalten zu können, weil die Blase drückt oder doch jemand angerufen hat.  Aber bei einem bleibe ich sowas von 80er: Die Tagesschau kommt um 20 Uhr. Immer. Punkt. 

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