Ab einem gewissen Alter ist es natürlich schmeichelhaft, für jünger gehalten zu werden. Nur: Zu jung darf es auch nicht sein.
Kürzlich habe ich eine neue Kreditkarte bestellt. In meinem Alter - 56 - wird vor allem beim Verreisen eins immer wichtiger: die Auslandskrankenversicherung.
Wer schon vor Abflug ein Zwicken im Kreuz verspürt, der kennt die Angst: Was, wenn ich hexenschussig versuche, am Strand aufzustehen? Der drohende Verlust jeder Menschenwürde ist da schon programmiert.
Und was, wenn der Wirbel nicht mehr an die für ihn vorgesehene Position von alleine zurückspringen will? Dann steht man schief da im Ausland und wünscht sich eine Behandlung.
Die neue Kreditkarte verspricht die Kombination einer Auslandskrankenversicherung und Geld aus dem Automaten.
Kurz nach der Beantragung bei meiner Bank erreichte mich ein Brief vom Bankberater Herrn T.. "Liebe Susanne, wir freuen uns, dass Du Dich für eine Kreditkarte der XXX-Bank entschieden hast." Hoppla, hab' ich mir gedacht, bin ich jetzt bei Ikea? Zwangsduzen jetzt auch beim Kreditinstitut?
Ich las weiter: "Bitte lass uns für die abschließende Kartenbestellung die Bankausfertigung von Deinen Eltern unterschrieben wieder zukommen."
Ich rief dann Herrn T. an. Einen ausgesprochen netten Menschen. Im letzten Telefonat hatten wir uns auch kurz über die Altersmalaisen unterhalten, über Weitsichtigkeit etwa. Wir waren Geschwister im Geiste.
So wusste ich nicht so ganz, was ich von dem Brief halten sollte. Ein Bankberater mit wirklich exzellentem Humor? Oder ein einfaches, technisches Versehen in der Abteilung "automatisierte Standardbriefe"?
Es war natürlich letzteres. Trotzdem habe ich den Brief meiner Mutter vorgelegt. Sie meinte, sie beantrage jetzt Kindergeld für mich.
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