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Angemerkt
Ein Brief an Nüdlingens Bürgermeister
Angemerkt von Susanne Will
Angemerkt von Susanne Will // Saale-Zeitung
Nüdlingen – In Nüdlingen wird ein Kunstwerk abgehängt, weil es zu viel Penis bietet. Warum das zum Lachen ist. Und auch ein bisschen zum Weinen

Lieber Bürgermeister Harald Hofmann,

Sie haben eine Entscheidung getroffen: Für die unversehrte Seele von Kinder, gegen die künstlerische Darstellung männlicher Geschlechtsorgane auf einem Weg, auf dem Kinder die hätten sehen können. Sie haben die Entscheidung getroffen, weil Sie es können - wie Sie sagen - und weil Sie der Bürgermeister sind. Sie haben Sie nicht getroffen, weil Sie Kunstsachverstand haben. 

Kunst ist nicht nur Stillleben

Und das ohne Diskussion. Die aber hätte der Sache sicherlich gut getan. Denn: Kunst ist nicht nur Stillleben. Kunst darf sich reiben, Kunst darf pointieren, zuspitzen und vor allem gibt es in der Kunst keine Grenzen. Und dann eben auch nicht in der Freiheit der Kunst.

Eine Diskussion mit den Kritikern der Ausstellung, wie viel man Kindern im Zeitalter des Internets zumuten kann, wäre hilfreich gewesen. Hier gemalte, bunte Pimmel, dort, nur einen Klick entfernt, schlimmste Pornos, unmenschliche Gewaltverbrechen oder grausige Kriegsszenen. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass ein Comic-Gehänge Kinder derart verstört, dass das Kunstwerk aus ihrem Blickfeld verschwinden muss. 

Die Künstlerin hat generös reagiert

Es war ja auch ein Erwachsener, der sich beschwert hat. Und - wie zu hören ist - waren es offenbar auch nicht mehr, die ein Penis-Gate fürchteten. Da hätte ich dann doch  die Größe erwartet, hinter der Entscheidung zu stehen, die Werke von Sabine Bach zu zeigen. Denn: Wer Bach und ihre Kunst bucht, der sollte doch wissen, was auf ihn zukommt. 

Die Künstlerin selbst hat generös reagiert. Ja, Zensur ist für sie unmöglich, aber es ginge ja nur um Nüdlingen. Und das ist in dem Zusammenhang dann gleichzusetzen mit Kleingeistigkeit und dörflichem Denken. Dass das hängenbleibt, wenn sie an Nüdlingen denkt, ist wirklich schade. Und wäre vermeidbar gewesen.

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