Morgens um sieben ist die Welt nicht mehr in Ordnung. Ab da beschäftige ich mich mit der Weltlage, meist, bis mir die Augen zufallen. Ja, das hängt mit meinem Job zusammen, als Journalistin solltest du so einigermaßen auf dem Laufenden sein, was außerhalb der vier Wände passiert.
Nur: Im Stundentakt ändert sich die Welt gerade. Was gerade noch als unverrückbar, als sicher galt, ist nun nichts mehr wert.
Ich lese dpa, taz.de, bild.de, sueddeutsche.de, zeit.de, spiegel.de, dazu Facebook, WhatsApp, X, wenn es ganz schlimm wird.
Hass, Hetze, Niedertracht, Abwertung
Was sich in mein kleines Hirn schleicht: nur noch schlechte Nachrichten. Beunruhigende Nachrichten. Ängstigende Nachrichten. Hass. Hetze. Beleidigungen. Niedertracht. Abwertung.
Da ich in meinem Inneren weiß, dass diese Welt keine schlechte ist, versuchte ich, dagegen zu steuern. Deshalb klickte ich mich kürzlich absichtlich bei Facebook durch Welpenvideos. Oder wie sich in einem Video zwei kleine, englische Buben im Garten beim Limotrinken so totlachen, dass mir selbst die Tränen herunterliefen. Wie Katzen Hunde austricksen und Frauen ihre Männer veräppeln – Pausen im täglichen Irrsinn.
Bis sich unter die Katzenvideos das eines Pinguins gemischt hat, dessen Kopf in einer Plastikflasche steckte. Ach ja, da war sie wieder, die irre gewordene Welt samt Umweltverschmutzung und Klimawandel. Hatte ich zwischen Trump und Krieg schon kurz vergessen.
Was also soll ich tun? Schokolade essen und den Serotonin-Spiegel heben? Widerspricht meiner Dauerdiät. Nachrichtenverweigerung? Kann ich mir nicht leisten. Was machen Sie denn, um durchzuatmen? Schreiben Sie es mir: Susanne.Will@Saale-Zeitung.de












