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Kommentar
Long Covid: Systeme hinken Entwicklung hinterher
Steffen Standke
Steffen Standke // FT
Bad Brückenau – Der Fall Jochen Vogel zeigt: Sowohl die medizinische Struktur als auch die rechtlichen Regeln müssen angepasst werden - auch wenn das hohe Kosten verursachen dürfte.

Das Verwaltungsgericht in Würzburg hat nach Recht und Gesetz entschieden und Jochen Vogels Klage auf Anerkennung seiner folgenreichen Infektion mit Covid-19 als Dienstunfall abgewiesen. Aber ist diese Entscheidung gerecht? Ich sage: Nein.

Das Gesetz erkennt unumwunden an, dass medizinisches und pflegerisches Personal im Dienst einem besonderen Risiko ausgesetzt ist, an Corona und im schlimmsten Fall an Long Covid zu erkranken. Dies galt besonders in der Hochphase der Pandemie von 2020 bis Anfang 2022. Auch alle anderen Menschen - darunter Berufsgruppen mit teilweise viel Kontakt mit anderen Menschen wie Lehrer, Kindergärtnerinnen, aber auch Bürgermeister - mussten sich damals mit Maske, Impfung oder durch Kontaktvermeidung vor einer Ansteckung schützen.

Corona hat Schrecken in Gesellschaft verloren

Das war damals gut und richtig, aber wie ist die Situation heute? Kaum jemand trägt noch öffentlich Maske; wenige Menschen testen sich auf Corona, wenn sie Erkältungssymptome wie Husten, Schnupfen, Kopf- und Gliederschmerzen verspüren. Das Virus - so scheint es - hat seinen Schrecken verloren und die meisten wollen sich nicht mehr damit beschäftigen.

Ein gefährliches Spiel. Denn die Zahl derjenigen, die auch nach milden Krankheitsverläufen Symptome von Long Covid wie Müdigkeit und Erschöpfung nach geringer körperlicher und geistiger Belastung, Konzentrationsstörungen und ähnliches entwickeln, steigt. Wie oft habe ich zuletzt gehört: "Ich komme nach einer Erkältung nicht mehr richtig hoch." oder "Irgendwas hockt noch in mir drin."

Immer mehr Long-Covid-Kranke

Das Schlimme ist: Weder unser Gesundheits- noch unser Rechtssystem ist an die neue Situation angepasst. Long Covid ist wegen der diffusen Symptome kaum nachweisbar und (noch) nicht mit Medikamenten behandelbar. Bis zur Diagnose dauert es ewig, weil man Monate auf Termine bei Fachärzten wie Kardiologe, Pneumologe oder Neurologe warten muss. Gleiches gilt für die noch spärlich übers Land verteilten Long-Covid-Zentren an den Kliniken.

Mehr Berufsgruppen einbeziehen

Aber nicht nur das Gesundheitssystem gehört auf Long Covid bezogen ausgebaut. Rein rechtlich müssten mehr Berufsgruppen, vor allem aus dem öffentlichen Dienst, die Möglichkeit erhalten, eine Corona-Infektion als "Dienstunfall" geltend zu machen. Auch wenn die Krankenkassen das nicht freut, weil die Behandlungskosten damit explodieren dürften. Vielleicht kann der Fall Jochen Vogel dazu beitragen, das Thema mehr in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken.

 

 

 

   

 

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