Endlich letzter Schultag! Endlich Ferien! Vorher gibt es für alle Schülerinnen und Schüler in Bayern noch Zeugnisse. Manch einem bereiten sie Bauchschmerzen. Doch Noten sind nicht alles.
Wir haben Menschen aus der Region Bad Kissingen gefragt, welche Zeugnisse sie früher mit nach Hause gebracht haben. So viel vorneweg: Das waren auch nicht immer gute Noten.
Abfrage in Geo nach Turnierspiel
Eishockey-Nationalspielerin Nina Christof ist in Hammelburg zur Schule gegangen, bevor sie 2017 an ein US-amerikanisches High-School-Internat wechselte. Gerade macht die 22-Jährige ihren Bachelor in Informatik.
Anfang des Jahres schaffte sie es mit der deutschen Nationalmannschaft der Frauen ins Viertelfinale der Olympischen Winter-Spiele. Nina Christof kann sich noch gut an das Gefühl am letzten Schultag erinnern: „Ich war stolz, das Schuljahr geschafft zu haben, weil ich oft nicht so gute Noten hatte.“
Bei einer mündlichen Abfrage in Geografie war es auch mal eine Sechs. „Es war ein Montag und das Wochenende davor war ich auf Turnier mit der Nationalmannschaft. Ich dachte nicht, dass ich abgefragt werde.“ In der 6. Klasse sei sie wegen Latein fast durchgefallen, ein Jahr später habe sie eine Drei geschafft: „Ich war so happy und stolz!“
Die Profisportlerin findet, Noten sagen nichts über die Persönlichkeit aus. Ihr Rat an Schulkinder: „Du bist nicht Deine schlechte Note. Solange man sein Bestes gegeben hat, kann niemand was dagegen sagen.“
Mit sich zufrieden sein
Karl Kovacs, seit 2024 Redaktionsleiter der Saale-Zeitung, ist besonders das Zeugnis aus der 8. Klasse in Erinnerung geblieben. „Ich hatte drei Fünfer in Mathe, Bio und Musik, konnte sie aber mit drei Zweiern ausgleichen und bin nicht sitzen geblieben“, schmunzelt der 45-Jährige.
Tatsächlich wurde er von Lehrern als unterfordert beschrieben, weil ihm Englisch so leichtgefallen ist. „Ab der 9. Klasse kam dann die Erkenntnis, dass ich was tun muss, um gut bis zum Abi durchzukommen.“
Gute Noten seien eine schöne Bestätigung, aber nicht alles. „Wichtig ist, dass man an sich arbeitet und selbst zufrieden mit sich ist.“
Mathe Fünf, Englisch Eins
Kissinger-Sommer-Intendant Alexander Steinbeis sagt, er sei einseitig begabt gewesen. „In Deutsch und Sprachen war ich gut, in Mathe schlecht.“ Entsprechend erlebte er jedes Jahr den letzten Schultag in freudiger Nervosität.
In Mathe stand auch mal eine Fünf im Zeugnis, in Englisch und anderen Fächern aber eine Eins. „Insgesamt war ich bis zur Oberstufe mittelmäßig, aber kein schlechter Schüler. In der 8. Klasse ist dann ein Knopf aufgegangen und ich habe gemerkt, dass es sich lohnt, von Anfang an aufzupassen“, erinnert sich der 52-Jährige.
Bis dahin ging er südlich von München in Grundschule und Gymnasium, danach zog er mit seiner Familie nach Großbritannien und machte sein Abitur in Kent.
„Bleibt bei euch und lasst euch nicht aus dem Konzept bringen“, will Alexander Steinbeis den heutigen Schulkindern mitgeben. „Überlegt euch, was sind eure Stärken und konzentriert euch darauf.“
Lernen will gelernt sein
Als Älteste von sechs Kinder war Gunhild Seitz froh, dass ihre Eltern sich über jedes Zeugnis gefreut haben, „denn ich war nie so gut wie meine Schwestern.“ Heute ist sie Konrektorin an der Henneberg-Grundschule Garitz und seit 36 Jahren Lehrerin.
Die schlechteste Note in einem Zeugnis war trotzdem nur eine Vier – in Mathe in der 9. Klasse. „Das war mitten in der Pubertät, da habe ich lieber Karl May unter der Schulbank gelesen“, lacht die 56-Jährige.
Ab der 11. Klasse kam der Ehrgeiz. „Da habe ich von sehr guten Mitschülern das Lernen gelernt und wie man die eigenen Lernunterlagen strukturiert.“
Freunde sind wichtig
Genau vor 30 Jahren hat Landrat Mario Götz seinen Abschluss an der Realschule in Bad Kissingen gemacht. Bei ihm war schnell klar, dass er gut mit Zahlen kann. „Mathe und Informatik haben gepasst. Deutsch war nicht so mein Lieblingsfach und in Musik hatte ich eine Vier.“
Geholfen hat ihm in der Schulzeit der gute Zusammenhalt in der Klasse. „Wir haben gemeinsam gelernt, uns gegenseitig geholfen und unterstützt.“ Er empfiehlt, bei schlechten Noten mit Freunden oder Eltern darüber zu reden und sich nicht entmutigen zu lassen.
„Zudem ist unser Bildungssystem so durchlässig, dass jeder entsprechend der Stärken seinen Weg findet.“ Was der 46-Jährige den Schulkindern mitgeben möchte: „Genießt die Sommerferien! Ihr habt sie euch verdient.“



















