Es war ein Nachmittag voller Herzlichkeit und Dankbarkeit. Mit viel Kreativität, Humor und noch mehr Gefühl verabschiedete die Schulgemeinschaft der Grundschule Oberleichtersbach ihre Lehrerin Christiane Nicola-Heger in den wohlverdienten Ruhestand. Dass ihr dieser Abschied alles andere als leichtfallen würde, war vom ersten bis zum letzten Moment spürbar - ebenso wie die große Wertschätzung, die ihr von Kindern, ihren Kolleginnen, Wegbegleitern sowie ihrer Familie entgegengebracht wurde.
Für einen heiteren Auftakt sorgte Kollegin Irena Szag. „Liebe Christiane, wenn du nun in den Ruhestand gehst, hast du ganz viel Zeit“, begann sie und fragte die Kinder, was sie denn eigentlich mit so viel freier Zeit anfangen würden. Die Antworten waren fantasievoll: nach Malle fliegen, nach Berlin fahren, ins Schwimmbad gehen oder einfach viel Urlaub machen.
Nach diesem Einstieg nahm Rektorin Sabine Oschmann-Hockgeiger Christiane Nicola-Heger mit auf eine ganz besondere Reise. Gemeinsam mit Kollegin Kirsten Gerbig ließ sie mit zwei langen Holzstäben einen Abschiedszug entstehen und reihte die scheidende Lehrerin in ihre Mitte ein.
Ruhestandskoffer gefüllt
Ihre Reise führte sie nach Berlin, London, Rom und Paris, wobei an jeder Station Schülerinnen und Schüler mit Fragen warteten, anhand derer sie ihr Reiseziel erraten musste. Zur Belohnung gab es landestypische Spezialitäten, mit denen ihr „Ruhestandskoffer“ gefüllt wurde. Alle Kinder sangen im Chor das passende Lied „Mit dem ICE, oder TGV, oder vielleicht sogar mit dem Eurostar...“
In ihrer Laudatio blickte die Rektorin auf den beruflichen Weg von Christiane Nicola-Heger zurück - von Riedenberg über Bad Brückenau, Schondra und Burkardroth bis nach Oberleichtersbach. Sie würdigte eine Lehrerin, die weit mehr vermittelt habe als Buchstaben und Zahlen. Mit Geduld, Herzlichkeit, Verlässlichkeit und einem offenen Ohr habe sie Generationen von Kindern geprägt und auch das Kollegium mit ihrer Erfahrung, ihrer Hilfsbereitschaft und ihrer warmherzigen Art bereichert.
Persönliche Worte
Sehr persönlich wurde ihre Ansprache, als sie aus einem Büchlein zitierte, das sie vor einigen Jahren von einem Schüler geschenkt bekommen hatte: „Liebenswert sind Menschen, die sich für Anliegen und die Bedürfnisse ihrer Mitmenschen öffnen. Die anderen das Gefühl geben, wichtig und wertvoll zu sein. Die ihre Mitmenschen erfreuen und aufmuntern. Die bereit sind, ihre Zeit an andere zu verschenken. Die Gemeinschaft fördern und dabei mithelfen, dass keiner draußen stehen muss. Liebe Christiane, eine bessere Beschreibung finde ich nicht für dein Wirken hier in der Schule in den Jahren deines Schaffens.“
Ihre Eigenschaften
Ein besonderer Moment folgte, als sich zahlreiche Weggefährten - darunter ehemalige Kolleginnen und Kollegen, Pfarrer Armin Haas, Pfarrer Nils Höhnerlage, der amtierende und der ehemalige Bürgermeister, Vertreter der Schulkindbetreuung und des Elternbeirats sowie das aktuelle Kollegium - mit Zetteln vor Christiane Nicola-Heger aufstellten, auf denen Buchstaben zu lesen waren. Aus diesen Buchstaben setzte sich ihr Name „Christiane Heger“ zusammen - so, wie die Kinder ihre Lehrerin nannten.
Auf der Rückseite jedes Zettels verbarg sich eine Eigenschaft, die sie als Mensch auszeichnet: charmant, herzlich, rücksichtsvoll, inspirierend, sympathisch, treu, intelligent, aufmerksam, natürlich, empathisch, hilfsbereit, ehrlich, großzügig und engagiert. Das letzte Schild trug schließlich nur ein Wort: „Ruhestand“.
Sichtlich bewegt trat auch Christiane Nicola-Heger selbst nach vorne. „Es fällt mir wirklich sehr schwer. Das alles ist für mich sehr emotional“, bekannte sie. Sie dankte ihren Kolleginnen und den Kindern für die liebevoll gestaltete Feier und allen Gästen dafür, dass sie sich Zeit genommen hatten, diesen besonderen Tag mit ihr zu verbringen. Dann sprach sie den wohl eindrucksvollsten Satz des Nachmittags: „Ich war verdammt gern Lehrerin!“
Für eine ganz besondere Überraschung sorgten zahlreiche ihrer ehemaligen Schülerinnen und Schüler aus der Grundschule Oberleichtersbach. Mit Sonnenblumen in den Händen kamen sie in die Turnhalle, um ihre ehemalige Lehrerin zu verabschieden. Möglich gemacht hatte das Rektorin Sabine Oschmann-Hockgeiger, die diesen besonderen Besuch im Vorfeld mit den Schulleitungen der weiterführenden Schulen abgestimmt hatte.
Pädagogin mit Herz
Den emotionalen Schlusspunkt setzten die Kinder. Mit dem Segenslied „Gott sei um dich herum“ verabschiedeten sie ihre Lehrerin musikalisch in den neuen Lebensabschnitt. Sie wünschten ihr Gesundheit, erfüllte Träume, Zeit für die Familie und Gottes Begleitung auf allen Wegen. Christiane Nicola-Heger war die Rührung deutlich anzusehen.
Zurück blieb das Gefühl, dass mit Christiane Nicola-Heger nicht einfach eine Lehrerin verabschiedet wurde, sondern eine Pädagogin, die mit Herz und Engagement Generationen von Kindern begleitet hat.









