„Wie gut ist Ihr Wohnort an den öffentlichen Nahverkehr angebunden?“ Die 1565 Teilnehmer des Heimat-Monitors gaben darauf eine klare Antwort: Der ÖPNV ist für viele eine Katastrophe. „Das größte Problem ist meiner Meinung nach die absolut fehlende Anbindung an Bus und Bahn“, schreibt ein Maßbacher. Die Forderung ans Landratsamt: Einen Bürgerbus als Ergänzung zum regulären Nahverkehr – organisiert vom Landkreis. In Bayreuth scheint das zu funktionieren. Auch in Hammelburg und Münnerstadt gibt es den Bürgerbus, aber nicht vom Landkreis.
Mit 3,66 Punkten landet der ÖPNV in der Einzelbewertung auf dem letzten Platz, weit unter dem Durchschnitt der restlichen Kategorien. Zum Vergleich: Die Lebensqualität im Landkreis erhält 7,58 Punkte, die Lärmbelästigung durch den Verkehr wurde mit durchschnittlich 6,16 Punkten bewertet. Durch alle Kommunen hinweg unterstreichen freie Nennungen wie „Die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr ist gleich null.“ oder „Der öffentliche Verkehr ist so schlimm, wenn man kein Auto hat, ist man erledigt.“ die Unzufriedenheit der Bürger noch.
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Erfolgreiches Modell in Bayreuth
In Bayreuth scheint es besser zu laufen. „Bürgerbusse im Landkreis Bayreuth gibt es seit über 30 Jahren. Das Angebot wird gut angenommen“, sagt Max Frankenberger vom Landratsamt Bayreuth. Der Landkreis sei durch zersiedelte Gemeinden geprägt, in denen nur die Kernorte mit Einkaufsmöglichkeiten und Ärzten ausgestattet seien. „Problematisch ist es für nicht mehr ganz so mobile Bevölkerungsgruppen sich zu versorgen. Durch den regulären ÖPNV ist diese Aufgabe nicht zu bewältigen“, weiß er.
Auch hier gibt es erfolgreiche Bürgerbus-Modelle – wie in Hammelburg. Dort unterstützt die Stadt mit Fuchsstadt und Elfershausen seit über 14 Jahren den Bürgerbus. Betrieben wird er vom Verein Bürgerbus Hammelburg – nicht von der Stadt. „Der ÖPNV hat einfach nicht das geleistet, was man erwartet hat“, begründet der Vorsitzende des Vereins, Andreas Elsässer, die Anschaffung eines Bürgerbusses.
Durch ehrenamtliche Fahrer werde ein Linienverkehr zwischen allen zu Hammelburg, Elfershausen und Fuchsstadt gehörenden Ortsteilen ermöglicht. Trotz der Ergänzung zum regulären Linienverkehr liegen die drei Ortschaften bei den Umfrage-Ergebnissen weit hinter den beiden Spitzenreitern in der Kategorie ÖPNV.
Zufriedener mit Bahnanbindung
Bad Kissingen und Oerlenbach sind mit einem Durchschnitt von 6,01 und 6,35 Punkten die Sieger der Nahverkehrsfrage. Vor allem die Stadtbusse scheinen die Bad Kissinger etwas zu besänftigen, so zufrieden wie die Oerlenbacher sind sie aber nicht. Und: Hauptsächlich Orte mit einer direkten Anbindung zur Bahn schneiden bei der Frage nach der Bewertung des öffentlichen Nahverkehrs gut ab. Deshalb wohl auch die guten Ergebnisse in Oerlenbach.
Ähnlich ist die Situation in Euerdorf. Auch dort gibt es einen Bahnhof im Ort. Es zeigt sich: Mit knapp 4,91 Punkten liegen auch sie im oberen Drittel. Mit dem Bürgerbus hat Bürgermeister Peter Bergel vor drei Jahren schlechte Erfahrung gemacht. „Die Gemeinde Euerdorf wollte erst einmal testen, ob er überhaupt angenommen würde. Die Fahrgastzahlen ließen sich an einer Hand abzählen.“
Keinen Bürgerbus im Landkreis
Auch für den Landkreis ist der Bürgerbus keine Option. Der Landkreis Bad Kissingen habe in seinem Wirkungskreis Planungen zur Sicherung und zur Verbesserung des ÖPNV gemäß den Anforderungen des Bayerischen ÖPNV Gesetzes umzusetzen, so Anja Vorndran, Pressesprecherin des Landratsamtes. Eines der zentralen Steuerungsinstrumente sei der Nahverkehrsplan, der einen Rahmen für die Entwicklung des ÖPNV über die nächsten Jahre bilde.
Durch die Rahmenkonzeption werde der ÖPNV im Landkreis wesentlich, „auch durch die Einführung der Bedarfsverkehre (On-Demand-Verkehre), weiterentwickelt und attraktiver gestaltet“. Deshalb würden aktuell keine Überlegungen zum landkreisweiten Einsatz von Bürgerbussen angestellt.
Sinnvolle Alternative
Dass die Busse gut angenommen werden, zeigt sich in Hammelburg. Der Vorsitzende des Vereins ist zufrieden. „Vor Corona hatten wir an die 5000 Mitfahrer im Jahr“, erzählt Elsässer. Und auch bei den Nutzern scheint das Projekt anzukommen.
Ein Leser aus Untererthal schreibt: „Da ich die letzten Wochen verletzungsbedingt äußerst eingeschränkt in meiner Mobilität war, habe ich festgestellt, wie erschreckend schlecht die Busanbindung im ländlichen Bereich ist. Einziger positiver Lichtblick war der Bürgerbus. Das hat wirklich hervorragend funktioniert und ist eine sinnvolle Alternative.“
Steigerung der Lebensqualität
Trotzdem sind die Umfrage-Ergebnisse der Stadt Hammelburg schlecht. Hier scheinen selbst die Bahn und der Bürgerbus die schlechte Anbindung des ÖPNV nicht ausgleichen zu können. Mit 3,81 Punkten landen die Hammelburger nur ganz knapp über dem Durchschnitt.
Den regulären Nahverkehr kann der Bürgerbus nicht ersetzten, für manche ist er aber eine Alternative. Etwa für Hermann Hepp: „Es ist ideal, dass es sowas gibt.“ Hepp wohnt im Lager Hammelburg. Drei bis vier Mal in der Woche kommt er für Arzttermine oder zum Einkaufen in die Stadt. Den Lagerberg hinunter läuft er meist, den Rückweg schaffe er aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr. Ein eigenes Auto hat er nicht, außer den Schulbussen gebe es keinen öffentlichen Personenverkehr. Ohne den Bürgerbus wäre seine Lebensqualität erheblich eingeschränkt.
Infos zum Bürgerbus in Hammelburg
Unter der Woche fährt der Hammelburger Bürgerbus am Vormittag um 8.30 Uhr sowie 11.00 Uhr. Am Nachmittag werden um 13.30 Uhr und um 16.00 Uhr wieder Fahrten durchgeführt. Bestellungen können spätestens zwei Tage im Voraus unter der Bürgerbusnummer 0151 5072 5134 entgegengenommen werden. Die Kosten pro Fahrt: Zwei Euro.
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