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Erneuerung der Staatsstraße 2790
Hammelburger Berg: Baustelle sorgt für Ängste
Die Staatsstraße 2790 am Hammelburger Berg bei Bad Brückenau ist Baustelle und voll gesperrt
Die Staatsstraße 2790 am Hammelburger Berg bei Bad Brückenau ist Baustelle und voll gesperrt. Derzeit wird die alte Fahrbahn abgefräst. // Steffen Standke
Die Staatsstraße 2790 am Hammelburger Berg bei Bad Brückenau ist Baustelle und voll gesperrt
Hier kommen nur Busse und der Rettungsdienst durch. Die Ausweichstrecke durch den Wald ist für gewöhnliche Autofahrer gesperrt, hier die Schranke am Bad Brückenauer Teil de Buchrasens. // Steffen Standke
Buchrasen – Seit Beginn der Woche ist die Straße zwischen Bad Brückenau und Buchrasen dicht und Baustelle. Inhaber anliegender Firmen verstehen das. Sie kritisieren aber auch das Staatliche Bauamt Schweinfurt.

Der Motor dreht hoch. Mit Knacken und Knirschen frisst sich die Fräswalze durch den alten Asphalt der Fahrbahn. Schicht um Schicht trägt sie ab. Es riecht etwas ölig. Am Hammelburger Berg, der Staatsstraße 2790 zwischen Bad Brückenau und Buchrasen, hat die eigentliche Erneuerung des Straßenkörpers begonnen - unter Vollsperrung. Eine Maßnahme, die nicht jedem gefällt.

Die Staatsstraße 2790 am Hammelburger Berg bei Bad Brückenau ist Baustelle und voll gesperrt
Die Staatsstraße 2790 am Hammelburger Berg bei Bad Brückenau ist Baustelle und voll gesperrt. Zurzeit wird die alte Fahrbahn abgefräst. // Steffen Standke

Seit Montag, 19. Februar, sind die Sperrungen zwischen Ortsschild Bad Brückenau und Kreuzung zum Industriegebiet Buchrasen in Kraft. Seit Mittwoch laufen die Fräsarbeiten.

Sie wirken beeindruckend. Stück um Stück trägt die Fräswalze auf einer Fahrbahnbreite den Asphalt ab, zerkleinert ihn. Über einen langen Ausleger spuckt die Maschine das Material auf einen davorstehenden LKW mit nach oben offenen Container.

Mehrere LKW stehen zum Abtransport des Asphalts bereit

Alle paar Sekunden hupt der Fräsen-Fahrer, damit der Lenker des LKW ein, zwei Meter vorfährt. Zum einen, damit er selbst mit seiner Maschine vorrücken kann, um neues Straßenmaterial abzutragen. Und zum anderen, damit sich das Material besser im Container verteilt.

Ein längeres Hupen ertönt. Es sagt dem LKW-Fahrer: "Deine Ladefläche ist voll; du kannst losfahren." Weiter oben stehen weitere Laster zum Abtransport der alten Straßenauflage bereit. Die Fräse fährt rückwärts mehrere Hundert Meter, um nach dem beschriebenen Prinzip an der gegenüberliegenden Fahrbahn zu nagen.

Fahrbahn soll Mitte nächster Woche verschwunden sein

20 schwere Baufahrzeuge sind "im Umlauf", heißt es von der Baustelle. Das lässt sich wörtlich nehmen. Denn die Laster fahren vom Buchrasen aus in die Baustelle ein, nehmen den zerkleinerten Asphalt auf und fahren "unten" bei Bad Brückenau wieder heraus. Nach dem Entladen stellen sie sich "oben" wieder an.

Bis Mitte nächster Woche dürfte so der mehrlagige Asphalt komplett abgetragen sein, ehe es an den Unterbau geht. Die Entwässerungsbahnen neben der Fahrbahn sind bereits entfernt und abgeholt worden.

Schüßler befürchtet wirtschaftlich schwierige Monate

Für Karlheinz Schüßler von der Tankstelle Hartmann oberhalb der Baustelle hat die von vielen Autofahrern ersehnte Erneuerung einen bitteren  Beigeschmack. Schon am 15. Februar hatte er - auch im Namen seines Teams - in einem Facebook-Beitrag gestanden, dass er "mit etwas Angst auf die nächsten Monate" schaut. Durch die Baustelle sei sein Betrieb ab dem Tag der Sperrung (19. Februar) "mehr als eingeschränkt".

Karlheinz Schüßler von der Tankstelle Hartmann in Oberleichtersbach würde den Kraftstoff lieber billiger verkaufen. Das darf er nicht selbst bestimmen.
Karlheinz Schüßler von der Tankstelle Hartmann in Oberleichtersbach fürchtet, dass die Baustelle am Hammelburger Berg sein Geschäft gefährdet. // Steffen Standke

Die Belegschaft sei circa 40 Menschen stark "und das soll auch so bleiben", schreibt Schüßler und ergänzt: "Ich befürchte, es wird schwierig, die nächsten Monate die Gehälter und Darlehen zu bedienen." Das Einzige, was ihn etwas beruhige sei, "dass ich bis jetzt zusammen mit euch alles geschafft habe. Auch diese Zeit wird vorbeigehen, und irgendetwas Positives werden wir auch aus dieser Sache mitnehmen."

Vom Staatlichen Bauamt Schweinfurt enttäuscht

Als äußerst enttäuschend empfand der Bad Brückenauer einen Infotermin Anfang Februar mit einem Vertreter des Staatlichen Bauamtes Schweinfurt. Beschämend sei gewesen, mit welcher Arroganz dort den Geschäftsleuten aus Bad Brückenau und Oberleichtersbach entgegengetreten worden sei. "Wenn im Vorfeld schon einmal ein Dialog stattgefunden hätte, wäre die Maßnahme mit Sicherheit anders gelaufen; jetzt müssen wir sehen, wie wir alle damit klarkommen."

Wenige Tage nach Beginn der Vollsperrung sieht Karlheinz Schüßler seine Befürchtungen eintreten. Der Unternehmer verbucht ein Umsatzminus von mehr als 50 Prozent - und zwar beim Tank-, als auch dem Lebensmittel- und Bewirtungsgeschäft gleichermaßen. Habe er früher täglich 2200 bis 2400 "durchlaufende Kunden" gehabt, an Spitzentagen sogar 2800, sei es jetzt vielleicht die Hälfte. Neben Durchreisenden fehlen vor allem Bad Brückenauer Besucher.

Letzte Option: Belegschaft reduzieren

Karlheinz Schüßler hält die Baumaßnahme an sich für "zwingend notwendig". Auch die Vollsperrung versteht der 50-Jährige. Er sagt aber, dass man den Bau hätte anders ausschreiben können, um ihn zu verkürzen. "Das ist eine wichtige Straße; da muss man was machen, dass es schnell geht." Doch für Vorschlage wie einen Zweischichtbetrieb oder dass zwei Bautrupps quasi von oben und unten aufeinander zu arbeiten, sei der Vertreter des Staatlichen Bauamtes nicht offen gewesen.

Ob und wie er das Defizit im laufenden Betrieb auffängt, weiß der Firmeninhaber noch nicht. Auf seinen Facebook-Post habe er "tolle Kommentare" und Willensbekundungen erhalten, seinen Betrieb weiter zu unterstützen. Ob das in großem Maßstab eintritt: Schüßler ist skeptisch. "Das Schlimmste, was ich machen müsste, wäre, die Belegschaft zu reduzieren.", blickt er auf das für ihn letzte Mittel. 

Mehr gefahrene Kilometer und höhere Mautkosten

Bereiten Karlheinz Schüßler Verluste Kopfzerbrechen, sind es bei Harald Schüßler die Mehrkosten. Der Spediteur, ebenfalls aus dem Gewerbegebiet Buchrasen, muss wegen der Sperrung mit seinen LKW weitere Strecken in Kauf nehmen - die zudem teils mautpflichtig sind. Statt bisher sechs fahren seine Leute 15 Kilometer, nur um nach Bad Brückenau zu gelangen. Das Teilstück auf der B286 kostet Maut - 35 Cent für jeden der neun Kilometer. Diese werden durch ein satellitengestütztes Gerät im jeweiligen LKW erfasst.

Bei täglich rund 30 Fahrten summieren sich die Kosten, sagt Schüßler. Bis zum voraussichtlichen Ende der Baustelle im September/Oktober rechnet der Spediteur " mit einem guten fünfstelligen Eurobetrag zusätzlich". Geld, das ihm für künftige Investitionen, zum Beispiel in umweltfreundlichere Fahrzeuge, fehlt.

Erhöhtes Verkehrsaufkommen in Breitenbach und Mitgenfeld

Aufgestoßen ist Harald Schüßler nach eigenen Angaben die Art und Weise, wie in der Infoveranstaltung erklärt wurde, dass kein Bau unter Teilsperrung möglich ist. Eine Route, die die Fahrt nach Bad Brückenau und zur A7 kürzer gemacht hätten - über Breitenbach und Mitgenfeld - sei den LKW-Fahrern genommen worden. Dort dürfen keine Fahrzeuge über 7,5 Tonnen Gewicht durch - es sei denn, sie liefern etwas in die Orte an.

Die Staatsstraße 2790 am Hammelburger Berg bei Bad Brückenau ist Baustelle und voll gesperrt
Schilder - wie hier in Oberleichtersbach - weisen darauf hin, dass die Ortsdurchfahrten von Breitenbach und Mitgenfeld für Fahrzeuge über 7,5 Tonnen Gewicht gesperrt sind. Sie werden über Unterleichtersbach, Einraffshof und Schondra Richtung Schildeck umgeleitet. // Steffen Standke

In Breitenbach nimmt Anwohner Günter Heil ein in etwa verdoppeltes Aufkommen an Pkw wahr. Vereinzelt würden auch LKW die Ortsdurchfahrt - obwohl sie das nicht dürfen, sondern die Umleitung über Schondra, Einraffshof und Unterleichtersbach nehmen sollen. "Momentan ist es noch erträglich", findet Heil. 

 

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