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Sprengung – mit Video
Die Thalaubachtalbrücke bei Eichenzell ist Geschichte
Thalaubachtalbrücke gesprengt
Thalaubachtalbrücke gesprengt // Karl Kovacs
Eichenzell/Thalau – Ein lauter Knall, kurz darauf ein weiterer, und die alte Thalaubachtalbrücke auf der A7 ist verschwunden. So war es bei der Sprengung am Sonntag.
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Kurz vor 9 Uhr ist es bei Döllbach ruhig. Etwas mehr Verkehr als normalerweise fährt über die B27, die Motten im Kreis Bad Kissingen und Döllbach im Kreis Fulda verbindet. Auf der A7 darüber rollt der Verkehr noch wie immer. Das ändert sich in Kürze aber.

Die ersten Verantwortlichen der Autobahn GmbH und der Firma Bickhardt Bau sowie Schaulustige und Pressevertreter kommen auf dem Feld vor der Thalaubachtalbrücke an. Dort, rund 300 Meter von der Brücke entfernt, hat man freien Blick aufs Geschehen.

Aber auch einige Hundert Meter weiter, bei Döllbach, nimmt der Verkehr deutlich zu. Auf einer Anhöhe hat die Feuerwehr Döllbach das Public Viewing zur Brückensprengung organisiert. Immer mehr Autos fahren auf die Wiese, die zu einem Parkplatz umfunktioniert wurde. Aus der Ferne sind immer mehr Menschen zu erkennen. Auch auf anderen erhöhten Orten rund um die Brücke finden sich immer mehr Schaulustige ein. Am Ende müssen es mehrere Tausend sein.

Es ist 10 Uhr. Zeit für einige Informationen zur bevorstehenden Sprengung. „Wir freuen uns, dass so viele da sind, um einem Ereignis beizuwohnen, das man in Deutschland nicht so häufig sieht“, sagt Cord Lüesse, Direktor der Niederlassung Nordwest der Autobahn GmbH. Die Thalaubachtalbrücke von 1968 besteht aus zwei Teilbauwerken. Nach 58 Jahren im Dienst und immer mehr Verkehr mit immer schwereren Fahrzeugen ist die Brücke in die Jahre gekommen. Deshalb wird sie ersetzt. Die erste Brückenhälfte ist seit August 2025 fertig und in Betrieb, die zweite soll bis Ende 2027 fertig sein.

Thalaubachtalbrücke gesprengt
Thalaubachtalbrücke gesprengt // Karl Kovacs

„Für die Sprengung sind 100 Kilogramm Sprengstoff und 1200 Zünder notwendig“, erklärt Viktor Toderenschuk von Bickhardt Bau. Kein Wunder, schließlich müssen unter anderem jeweils 2000 Tonnen Stahl und Beton zu Fall gebracht werden.

Auf dem Feld für geladene Gäste und beim Public Viewing kommen immer mehr Menschen an. Kinder und Erwachsene beobachten die aufsteigenden Drohnen und den Hubschrauber, der über der Brücke kreist. Es liegt Spannung in der Luft.

Tiere werden vergrämt

10.55 Uhr: Plötzlich steigt Rauch auf. Sekunden später ist ein tiefer Knall zu hören. Er geht durch Mark und Bein. Und die Brücke? Sie steht noch. „Das war der Vergrämungsknall, damit sich Tiere in Sicherheit bringen können“, sagt ein Mitarbeiter der Autobahn GmbH.

Einige Minuten später ertönt der erste, längere Signalton. Er steht für „Achtung Sprengung“. Kurz darauf zwei kürzere Töne. Die Sprengung steht kurz bevor.

Die nächsten Sekunden fühlen sich für die Zuschauerinnen und Zuschauer an wie eine Ewigkeit. Alle scheinen den Atem anzuhalten, Gespräche sind eingestellt.

Die Thalaubachtalbrücke ist gesprengt worden.
Die Thalaubachtalbrücke ist gesprengt worden. // Karl Kovacs

Boom, Knack. Der hintere, östliche Brückenteil beginnt zu fallen. Drei Sekunden später: Boom, Knack. Der westliche Teil stürzt ein. Eine Staubwolke bildet und breitet sich aus. Als hätte es den Vergrämungsknall nicht gehört: Ein aufgeschrecktes Häschen rennt in Windeseile übers Feld und bringt sich in Sicherheit. Applaus brandet auf, die Zuschauer sind ganz schön beeindruckt. 

Die Rauschwaden verziehen sich recht schnell und legen den Blick frei auf die Überreste der alten Brücke. Wie geplant ist sie auf das 30 Meter breite und vier Meter hohe Fallbett gestürzt. „Wir sind sehr zufrieden, es hat alles toll geklappt“, sagt Moritz Gorny, Pressesprecher der Autobahn GmbH. 

Thalaubachtalbrücke gesprengt
Thalaubachtalbrücke gesprengt // Die Autobahn GmbH des Bundes

Die ersten Mitarbeiter machen sich auf den Weg. Sie prüfen, ob alles so gelaufen ist wie vorgesehen und ob die neue Brücke etwas abbekommen hat. Das ist nicht der Fall – und der Verkehr kann voraussichtlich ab 16 Uhr wieder über die A7 rollen. Anders sieht es auf der B297 darunter aus: Sie bleibt bis 2. April gesperrt. So lange dauert es, bis Tausende Tonnen Schutt abtransportiert sind.

Thalaubachtalbrücke gesprengt
Thalaubachtalbrücke gesprengt // Karl Kovacs

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Artikel vom 12. März:

Wegen der Sprengung der beiden alten Teilbauwerke der Thalaubachtalbrücke entlang der A7 im Landkreis Fulda (Hessen) müssen sich Pendler und Anwohner auf weitreichende Sperrungen und Umleitungen einstellen. Die Autobahn GmbH begründet die Maßnahmen mit Sicherheitsauflagen für die Sprengung und den anschließenden Rückbau. Das hat auch Auswirkungen auf den Verkehr im Landkreis Bad Kissingen. 

Wann wird gesprengt?

Der Sprengabbruch der beiden alten Teilbauwerke der A7-Thalaubachtalbrücke erfolgt am Sonntag, 15. März 2026, um 11 Uhr. Gesprengt wird unter Vollsperrung sowohl der A7 als auch der B279. Am 15. März ist zudem ein Sicherheitsradius von 300 Metern um die Talbrücke eingerichtet, in dem sich keine Personen aufhalten dürfen.

Wie die Sprengung abläuft

Die zwölf alten Brückenpfeiler erhalten sogenannte Sprengmäuler, damit sie beim Zünden einknicken und der Überbau senkrecht nach unten fällt. Dafür werden etwa 100 Kilogramm Sprengstoff und rund 1200 Zünder eingesetzt. Am Sprengtag beginnt der Ablauf gegen 8 Uhr mit Einweisung und Kontrollen; ab 10 Uhr gilt im 300-Meter-Sicherheitsradius ein Betretungsverbot und die A7 wird gesperrt.

Kurz vor 11 Uhr ertönen Warnsignale, um 11 Uhr erfolgt die Sprengung, bei der die beiden Teilbauwerke mit drei Sekunden Zeitversatz gezündet werden.

Diese Straßen sind gesperrt

B279: Von Montag, 2. März, bis voraussichtlich Mittwoch, 2. April, ist die Bundesstraße zwischen Eichenzell-Döllbach und Ebersburg-Thalau in beide Richtungen voll gesperrt.

A7: Am Sonntag wird die Autobahn zwischen dem Dreieck Fulda und der Anschlussstelle Bad Brückenau-Volkers von 10 bis voraussichtlich 16 Uhr in beiden Fahrtrichtungen gesperrt.

Rad- und Wirtschaftsweg: Der Weg zwischen Döllbach und Thalau ist bis Dienstag, 24. März, vollständig gesperrt.

So laufen die Umleitungen

Für die gesperrte B279 wird der Verkehr in Richtung Rhön ab Döllbach über die L2790/St2790 und die St3258/L3258 nach Thalau geführt. In Richtung Fulda geht es ab Schmalnau über Landesstraßen nach Welkers. 

Während der Vollsperrung der A7 am 15. März laufen die Bedarfsumleitungen über U52 und U65: In Fahrtrichtung Süd vom Dreieck Fulda über die A66 zur Anschlussstelle Fulda-Süd, weiter über die B279 durch Rothemann nach Döllbach und über die L2790/St2790 durch Motten, Kothen und Speicherz zur Anschlussstelle Bad Brückenau-Volkers. In Fahrtrichtung Nord gilt die Strecke umgekehrt. In den Orten herrscht absolutes Halteverbot.

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Warum die B279 so lange dicht ist

Die B279 verläuft unter den beiden zu sprengenden Teilbauwerken. Um die Straße zu schützen, wird ein bis zu 30 Meter breites und bis zu vier Meter hohes Fallbett aus Sand oder Recyclingmaterial aufgeschüttet. Auf dieses Fallbett stürzen die Brückenteile. Anschließend werden die rund 8000 Tonnen Stahl- und Betontrümmer im Bereich über der Bundesstraße zerlegt, sortiert und abtransportiert. Erst danach wird das Fallbett abgetragen – dafür ist eine Dauer von rund einem Monat bis etwa 2. April veranschlagt.

Projekt spart bis zu acht Monate

Gegenüber einem konventionellen Rückbau verkürzt sich die Bauzeit für den Ersatzneubau um sechs bis acht Monate, wie die Autobahn GmbH mitteilt. Statt Mitte 2028 soll die neue Thalaubachtalbrücke Ende 2027 fertig werden. 

Die ursprüngliche Brücke wurde 1968 errichtet und weist mit ihren zwei Überbauten mittlerweile Alterserscheinungen auf. 

Wie die Sprengung mitverfolgt werden kann

Die Feuerwehr Döllbach veranstaltet ein Public Viewing zur Sprengung an der K69 oberhalb von Döllbach. 

Ganz bequem von zu Hause aus können Interessierte die Sprengung hier auf dem Portal und auf unserer Facebook-Seite verfolgen. 

Projektdaten – Ersatzneubau der A7-Talbrücke Thalaubach

  • Länge: 312 Meter
  • Höhe: 38 Meter
  • Kosten Gesamtprojekt: etwa 115 Millionen Euro
  • Regenwasserbehandlungsanlagen: acht Millionen Euro

Frühere Sprengung in der Region

Die Sprengung der Thalaubachtalbrücke ist nicht die erste in der Region. Vor knapp 13 Jahren, im Juni 2013, wurde einige Kilometer weiter südlich die alte Sinntalbrücke auf der A7 bei Bad Brückenau-Römershag gesprengt. Das Ereignis verfolgten damals mehrere Tausend Menschen. 

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