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Ticketkauf
Neuer Verkehrsverbund in Mainfranken sorgt gleich für Unmut
An den Fahrkartenautomaten der Deutschen Bahn am Bahnhof Bad Neustadt (Lkr. Rhön-Grabfeld) findet man jetzt auch das Logo des neuen Verkehrsverbunds NVM.
An den Fahrkartenautomaten der Deutschen Bahn am Bahnhof Bad Neustadt (Lkr. Rhön-Grabfeld) findet man jetzt auch das Logo des neuen Verkehrsverbunds NVM. // Michael Endres
Signet des Fränkischen Tags von Michael Endres
Würzburg – Nicht überall bekommt man die Tickets des neuen Verkehrsverbundes NVM – und auch nicht jedes Angebot. Bei Kundinnen und Kunden gibt es viel Verwirrung und Frust.

Seit dem 1. Januar 2025 gibt es den neuen Verkehrsverbund Nahverkehr Mainfranken, kurz NVM. Was für die Region zwischen Main, Rhön und Haßbergen vieles vereinfachen soll, sorgt zu Beginn bei vielen Reisenden für Verwirrung und Unmut. Wer ein Ticket kauft, muss gut aufpassen, wo er es kauft. Sonst wird es schnell teurer als nötig.

Mit der Erfurter Bahn können Kunden von Bad Neustadt bis Schweinfurt Mitte fahren.
Mit der Erfurter Bahn können Kunden von Bad Neustadt bis Schweinfurt Mitte fahren. // Michael Endres

Beispiel: Wer vom Bahnhof in Bad Neustadt (Lkr. Rhön-Grabfeld) den Zug nach Schweinfurt Mitte nehmen möchte, zahlt per NVM-App 10,80 Euro. Denselben Preis bekommen Reisende auch am DB-Fahrkartenautomaten am Bahnhof angezeigt, der jetzt neben dem DB-Logo auch das des NVM trägt. Doch wer aus Gewohnheit die Fahrt über die Webseite bahn.de oder die App DB-Navigator der Deutsche Bahn bucht, bekommt als Preis 32 Euro für ein Bayern-Ticket angezeigt.

Verbundticket kaufen: Nicht überall ist das möglich

Warum ist das so? Der Nahverkehrsverbund habe bereits eine Anfrage an die Deutsche Bahn gestellt, um die NVM-Tickets über den DB-Navigator anbieten zu können, erklärt Sprecherin Alexandra Fernandez de la Cruz. Eine Rückmeldung stehe noch aus. „Dies ist jedoch auch eine Kostenfrage, gerade im Hinblick auf die weiterhin steigenden Verkaufszahlen des Deutschlandtickets.“ Die Integration eines Verbundtarifs in den DB-Navigator sei „mit nicht unerheblichen Einmalkosten und laufenden Kosten verbunden“, sagt die Sprecherin.

Die Bahn selbst zeigt aktuell auf ihrer Webseite bei der Angebotsauswahl den Hinweis „Momentan stehen noch nicht alle Angebote unserer Tarifpartner zur Verfügung“ an. Ein Problem, das es schon bei Tickets des bisherigen Verkehrsunternehmens-Verbund Mainfranken (VVM) gegeben hatte.

So äußert sich die Deutsche Bahn zu den Verbundtickets

Bei einer Einigung mit dem neuen mainfränkischen Verkehrsverbund könnten NVM-Tickets „frühestens ab Sommer 2025“ in der Bahn-App buchbar sein, hieß es von der Bahn im August 2024. Jetzt teilt eine Bahn-Sprecherin auf Anfrage mit: „Die DB ist mit dem Verkauf des NVM-Tarifs über ihre digitalen Vertriebskanäle (DB-Navigator und bahn.de) noch nicht beauftragt. Aktuell führen wir Gespräche mit dem Nahverkehr Mainfranken über eine mögliche Beauftragung.“

Die Deutsche Bahn wolle „grundsätzlich allen Reisenden einen möglichst einfachen und schnellen Zugang zum ÖPNV ermöglichen“. Ob und wie die Bahn die Fahrscheine eines Verbundes verkaufen dürfe, hänge vom jeweiligen Verkehrsvertrag ab, so die Sprecherin: „Die DB verkauft Fahrscheine in ihren Vertriebskanälen, für die sie der jeweilige Verbund beauftragt hat.“

Mainfranken-Ticket kann nur in der NVM-App gekauft werden

Noch undurchsichtiger wird das Ganze, wenn man das Startangebot nutzen will: das „Mainfranken-Ticket“, eine digitale Tageskarte, die in den ersten neun Monate zum Einführungspreis von 9 Euro Solo oder 27 Euro für Gruppen bis zu fünf Personen erhältlich ist. Erwerben können Reisende das Aktionsticket ausschließlich über die App des Verkehrsverbunds. Beim DB-Navigator, auf bahn.de oder am Automaten am Bahnhof wird die vergünstigte Tageskarte nicht angeboten, beim Fahrer im Bus kann man sie auch nicht kaufen. Am Bad Neustadter Bahnhof gibt es am Fahrscheinautomaten zwar Tageskarten – aber die für eine Person kostet hier 19 Euro.

Beim Start-Angebot „Mainfranken-Ticket“ handle es sich „um eine Aktion zur Förderung und Bewerbung unserer NVM-Ticket-App“, heißt es beim Verkehrsverbund. „Wie auch bei anderen regionalen Sonderangeboten wird es nicht immer möglich sein, z.B. zeitlich befristete Aktionen an allen Automaten und Verkaufsstellen oder im DB-Navigator zu vertreiben.“

Gibt es bis 30.9.2025 im neuen Verkehrsverbund: das Tagesticket für 9 Euro. Aber Achtung, das gibt es nur in der NVM-App und direkt aufs eigene Smartphone.
Gibt es bis 30.9.2025 im neuen Verkehrsverbund: das Tagesticket für 9 Euro. Aber Achtung, das gibt es nur in der NVM-App und direkt aufs eigene Smartphone. // Horst Breunig

Laut NVM-Sprecherin Fernandez de la Cruz wird das „Mainfranken-Ticket“ auch so beworben: ausschließlich digital in der Verbund-App erhältlich. In den ersten Tagen habe man circa 200 Käufe sowie 4000 Downloads der App verzeichnet.

Viele Kundinnen und Kunden werden sich also umgewöhnen und künftig ihr Verbundticket über die NVM-App buchen müssen, wenn sie mit dem garantiert günstigsten Fahrschein in Mainfranken unterwegs sein wollen. Doch wie Leserinnen und Leser dieser Redaktion berichten, funktioniere auch per App der Fahrscheinkauf nicht immer. Es gebe Abstürze oder Fehler der NVM-App während des Bezahlvorgangs.

Ticket kann nicht weitergeleitet werden

„Aktuell kommt es in seltenen Fällen zu längeren Ladezeiten bei der Auswahl der Zahlungsart, die App stürzt aber nicht ab“, teilt der NVM dazu mit. Der Entwickler der App arbeite mit dem Zahlungsdienstleister an der Lösung des Problems. „Weitere technische Probleme sind uns derzeit nicht bekannt.“

Wer aktuell Probleme mit der App hat und das Mainfranken-Ticket für neun Euro kaufen will, kommt also nicht weiter. Die Möglichkeit, dass das Ticket von einer anderen Person gekauft und dann digital weitergeschickt wird, besteht nicht. Denn wie für das Deutschlandticket gilt: „Es ist nur auf dem Handy des jeweiligen Nutzers sichtbar und kann nicht weitergeleitet werden“, teilt die NVM mit. „Dies ist aus Sicherheitsgründen bewusst so eingerichtet.“

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