Bad Kissingen
– Rea Garvey (52) spricht zwischen seinen gefühlvollen Liedern über Menschlichkeit und Liebe. Und er holt nicht nur eine kleine Prinzessin zu sich auf die Bühne.
Rea Garvey hat sieben Schwestern. Fast möchte man glauben, er sei damals, als Kind, zu Hause in Irland, kaum zu Wort gekommen. Als hätte er immer noch Nachholbedarf, redet der 52-Jährige auf seinen Konzerten viel. Sehr viel. Und das ist schön. Man hört dem Mann mit der mutigen Vokuhila-Frisur einfach gerne zu – beim Reden, wie beim Singen.
Beim Bad Kissinger Flugplatz Open Air wollen ihn 2400 Leute reden und singen hören und geben ihm das zurück, was er ihnen gibt: Liebe.
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„Habt ihr Liebe mitgebracht?“ Raymond Michael Garvey, wie der Popsänger wirklich heißt, fragt seine Fans artig. Schüchtern beinahe. Er ist nicht der spitzbübische Charmeur wie sein Landsmann Ronan Keating, der auf den Tag genau ein Jahr zuvor in Bad Kissingen, damals noch im Kurpark, insbesondere den weiblichen Teil des Publikums um den Finger gewickelt hat.
Er spricht von einer anderen Liebe. Von Wärme. Von Menschlichkeit. „Wer etwas haben will, muss zuerst etwas geben“, sagt er. Zwischen „Is it love?“ und „Kiss me“.
Rea Garvey beim Bad Kissingen Open Air 2025
Liebeslieder. Die singt Garvey ohnehin am liebsten. Schenkt sie seiner Frau Josephine. Die er in Deutschland kennengelernt hat und hier hängengeblieben ist. Im Hessischen. „Die Band und ich sind viel auf Tour. Wir treffen Menschen. Manche sind in sich glücklich, manche verloren, andere sind auf der Suche.“
Wie er selbst, als er 1998 aus dem County Kerry im ländlichen Südwesten der grünen Insel nach Deutschland gekommen ist. Ganz allein. „Ich habe jemanden gefunden, die Liebe gefunden. Ich bin jetzt mit meiner Frau 25 Jahre zusammen und habe sofort gewusst: Das ist für immer.“
So schön war es bei Rea Garvey in Bad Kissingen. // FOTOGALERIE
Silvia Gralla
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Silvia Gralla
Ein leuchtendes Schild und ein Nicki-Pulli für Garvey
Das wollen die Fans hören. Und natürlich „Supergirl“, den Superhit seiner früheren Band Reamonn. Auch wenn diese Ode an die Frau erst später am Abend kommt. Als Zugabe. Bis dahin gibt es zwei Stunden Popsongs, die sich ihrer Simplizität nicht schämen müssen. Rea Garveys Musik ist vertonte Sympathie.
Der Ire sorgt für eine unfassbar liebevolle Stimmung, der sich niemand entziehen kann. Was, bitte, soll daran verkehrt sein? Denken sich auch die vier Sanitäterinnen und Sanitäter, die einen Ringelreihen tanzen. Etwas abseits des Publikums.
In dem ein Plakat mit Lämpchen dran heraussticht. „Rea, i like your music“, liest Garvey vor. Vielleicht auch, weil da ein Sternchen statt der üblichen Herzchen gemalt ist, fragt er nach. Holt das Mädchen, welches das Schild hochhält, auf die Bühne. Sophia hat gebastelt, zur „Verstärkung“ kommt Paula mit. Der Sänger fragt: „Sophia, bist du eine Prinzessin daheim?“ Sie: „Jooooaaaa.“ Er: „Merkt man.“
Rund 2400 Menschen besuchen am Freitag 29.08.25 das Flugplatz Open Air mit Rea Garvey in Bad Kissingen. // Silvia Gralla
Garveys Bühnengespräche wirken authentisch, nicht so routiniert wie allerweil üblich. Er gibt der Kleinen, die berichtet, eine Stunde gemalt zu haben, mit auf den Weg, künftig etwas mehr auf den Putz zu hauen: „Ich hätte gesagt: zwei Tage.“
Auch Emma hat gewerkelt: einen Nicki-Pulli. Auch sie darf nach oben klettern. „Daheim trage ich sowas“, beichtet Garvey. Will noch wissen, wo sie, ihre Mama Katja und der restliche Anhang herkommen. „Rannungen? Ah, seid ihr alle vier da.“ Für das bisschen Ironie gibt’s als Entschädigung „Tonight“.
Der Ire ist begeistert von den vielen Palmen in der Kurstadt
Und hinterher mit „Halo“ die aktuelle Single und den Titel-Track seines sechsten Albums als Solo-Künstler. Die vier Buchstaben zieren auch die Bühnenkulisse, allesamt als Kreise angeordnet und satt in Neonlicht getunkt. Das bis hinüber zum 1922 erbauten und gerade erst sanierten Turniergebäude reicht und die gesamte Kulisse in den Saale-Auen wie aus einem Traum ausschauen lässt.
Rund 2400 Menschen besuchen am Freitag 29.08.25 das Flugplatz Open Air mit Rea Garvey in Bad Kissingen. // Silvia Gralla
Als das Publikum bei „Yeah, yeah, yeah“ mitsingen soll, verschlägt es Garvey jedoch die Sprache. „Was ist denn das?“ – so quittiert er das zaghafte Mund auf, Mund zu. „Okay, wir sind in einer Kurstadt.“ Er versucht es noch einmal. „Musik muss von Herzen kommen“ – und tatsächlich, jetzt singen alle mit. Garvey ist zufrieden. Auch, weil ihn die vielen Palmen („Wo habt ihr die denn her?“) an seine Kindheit erinnern: Da habe er den einzigen Wettbewerb seines Lebens gewonnen – mit dem Ausschneiden und Bemalen einer Palme.
Dass „Take this heart“ trotz einiger Irish-Folk-Notizen arg nach James Blunts „Bonfire Heart“ klingt, macht der riesige Strauß mit grünen Ballonherzen lässig wett. Garvey trägt ihn selbst durch die Menge, verteilt und verspricht: „Vielleicht komme ich mal zur Kur hierher.“ Fürs Erste lässt er noch das gefühlvolle „Oh my Love“ und das rockige „Wild Love“ da – und finale „Can‘t stand the Silence“. Der Song ist Programm.
Zum Publikum gehörten auch viele Zaungäste. Rund um das Konzertgelände waren mehrere Hundert Menschen, die das Konzert mitverfolgten. Sie hatten sich zum Teil Picknickdecken und Klappstühlen und ihre Getränke mitgebracht.