Die Stadt will ihren rund 150 Vereinen mit einer Großveranstaltung an zwei Tagen im Mai 2023 eine neue Plattform bieten, hieß es unlängst im städtischen Ausschuss für Kultur, Bildung, Familie und Soziales. Am Rande erwähnt wurde dort, dass aus den Bad Kissinger Gesundheitstagen im Mai 2023 Gesundheitswochen werden sollen. Auch die Nacht des Sports soll es in alter Form nicht mehr geben, hieß es, denn verdiente Sportlerinnen und Sportler werden 2023 bei den Vereinstagen geehrt. Wie kam das bei den Verantwortlichen von Gesundheitstagen und Nacht des Sports an? Wir fragten nach.
Schwierige Phase der Corona-Pandemie
„Nein, ich war in die Pläne der Stadt nicht eingebunden“, sagt Laboklin-Chefin Elisabeth Müller nach der Ausschusssitzung im Gespräch mit dieser Redaktion. Bekanntlich hatte Müller, nach Auflösung des Fördervereins Gesundheitszentrum, die Organisation der Gesundheitstage drei Jahre lang bis zur Veranstaltung im Jahr 2022 privatwirtschaftlich getragen – und das über die schwierige Phase der Corona-Pandemie hinweg.
Mit dieser Interimslösung habe sie der Stadt die Chance geben wollen, 2023 an die früheren Erfolge dieser Gesundheitsmesse anzuknüpfen. Ihrer Ansicht nach könne man die Gesundheitstage nämlich, wenn nicht gerade das Coronavirus grassiert, mit einer „schwarzen Null“ betreiben. Man muss dann freilich in Vorleistung gehen und das unternehmerische Risiko tragen, macht Müller klar.
Viele Nachfragen von Händlern
Eine Person muss die Veranstaltung in die Hand nehmen, sagt die Laboklin-Chefin und verweist auf Projektleiterin Elisabeth Dichtl, die die Gesundheitstage neun Jahre lang intensiv vorbereitete und dann auch betreute. Dass dazu eine Personalstelle notwendig ist, darüber sei man sich bei der Stadt Bad Kissingen offenbar nicht klar gewesen. Denn schon vor längerer Zeit hatte man, laut Müller, vonseiten der Stadtverwaltung nachgefragt, ob ein Vier-Stunden-Kontingent pro Woche eventuell für die Vorbereitungen ausreichen würden.
Bereits vor eineinhalb Jahren habe sie klar gesagt, dass sie die Gesundheitsmesse nur vorübergehend machen wird. „Aber es ist nur unverbindlich zurück kommuniziert worden“, sagt Müller in Bezug auf die Stadt Bad Kissingen. Unterdes sei sie immer wieder von Händlern gefragt worden, ob sie für die nächste Gesundheitsmesse einen Stand buchen könnten.
Das ist „sehr schade“
Müller ist überzeugt: „Man hätte die Messe 2023 wieder zur Blüte bringen können.“ Dass die Gesundheitstage gestorben sind, findet die Unternehmerin „sehr schade“, weil eben zahlreiche Händler von auswärts hierherkamen und Bad Kissingen nach der Messe sozusagen „mitnahmen“, also auch Werbung für die Stadt machen konnten. Außerdem seien vor einiger Zeit, auf Wunsch der Stadt, Veranstaltungen zur Messe „aufgepeppt“ worden, weil eine Verjüngung des Publikums gewünscht worden war. Und das sei auch gelungen. Müller: „Wir haben die Braut aufgehübscht. Wenn sie nun nicht geheiratet wird, kann man nichts machen.“
Nach des Sports vorbei?
Die Nacht des Sports muss nicht unbedingt sterben, bloß weil die Stadt Bad Kissingen die Sportlerehrungen jetzt an den Vereinstagen machen will, sagt TSV-Vorsitzender Michael Nachemia im Gespräch mit dieser Redaktion. Ja, er sei vonseiten der Stadt über die Vereinstage informiert worden. „Eine Erneuerung für die Vereine ist notwendig, alle sprechen ja auch von der berühmten Zeitenwende.“ Erst 2019 hatte der TSV die Nacht des Sports neu konzipiert – mit Erfolg, sagt Nachemia. Während der Corona-Phase gab es aber weiter die sehr erfolgreiche Boxnacht. „Sie lief und läuft bestens", freut sich der Vorsitzende.
Dennoch hat Nachemia immer noch im Kopf, eine weitere Show-Veranstaltung für den TSV zu erfinden. Warum nicht doch wieder eine Nacht des Sports, die sich rein auf Show-Elemente beschränkt und die das Publikum am Stück genießen kann? Idee und Finanzierung müssten halt auf neue Beine gestellt werden, sagt er.
Veranstaltung im Freibad?
Schon 2021, als die Nacht des Sports wegen Corona ausfiel, habe er darüber nachgedacht, im Sommer eine Veranstaltung im Freibad zu machen, bei der sich verschiedene Abteilungen des TSV – allen voran natürlich die Schwimmabteilung – präsentieren würden. Auch die Fechtabteilung hätte in Aktion gehen können.
Die geplanten Vereinstage 2023 sieht der TSV-Vorsitzende mit gespaltenen Gefühlen: „Wo ist der Benefit für alle Vereine, wo ist die Zielrichtung?“, fragt er sich. Andererseits könne man diese Veranstaltung auch als „Brainstorming“ für die Zukunft begreifen: Weil die Vereine zeigen könnten, was sie alles haben. Viele Menschen wissen ja nicht, welche Abteilungen so ein Verein hat, sagt Nachemia. In Bezug auf den TSV könnte dies bedeuten, dass sich 2023 beispielsweise die Mitglieder der Sambo-, der Fecht- und der Judoabteilung auch mal größer nach außen zeigen könnten. Er persönlich wünscht sich, dass es weitergeht mit den Vereinen, das diese nicht an der Zeitenwende sterben.
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