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Neuer Bad Kissingen-Podcast
Ben Kiesel quatscht über Macher, Aufbruch und Heimatgefühl
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Ben Kiesel produziert gerade die zweite Staffel seines Bad Kissingen-Podcasts "EspressoTalk - kurz. stark. ehrlich." // Benedikt Borst
Bad Kissingen
Bad Kissingen – Politisch aktiv, Vereinsmensch, beruflich umtriebig und redet gern mit Menschen, das ist Ben Kiesel. In seinem neuen Bad Kissingen-Podcast legt er Wert auf positive Typen.

Ben Kiesel (42) ist ein engagierter Allrounder. Beruflich ist er in der Öffentlichkeitsarbeit im Bad Kissinger Rathaus tätig, nebenberuflich betreibt er eine Werbeagentur und arbeitet als Fotograf. In seiner Freizeit ist er in vielen Vereinen aktiv, etwa beim TSV Bad Kissingen und ist das jüngste Mitglied in der Geschichte im lokalen Lions Club. Politisch engagiert er sich für die DBK. Aufgewachsen in Reiterswiesen, ist er seit seiner Kindheit Mitglied dort im TSV, war im Schützenverein aktiv und eine Zeit lang Schiedsrichter.

Im Interview spricht er über sein neues Projekt: den Bad Kissingen-Podcast „EspressoTalk - kurz. stark. ehrlich.“. Warum ihm eine positive Ausrichtung wichtiger ist, als über die Stadt zu meckern; wie sich seine eigene Beziehung zu Bad Kissingen gewandelt hat; wo er Aufbruchsstimmung beobachtet. Und: wie ihn der Verlust seiner Familie beschäftigt. Zu finden ist der „EspressoTalk“ auf Youtube und Spotify.

Frage: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, den Podcast zu machen?
BEN KIESEL: Letztes Jahr auf einer Hochzeit habe ich eine Person getroffen, die mir so positiv aufgefallen ist, dass ich die Idee hatte: Mit der musst du dich unterhalten. Über ihr Leben und wie sie so positiv durchs Leben geht. Wir sind oft von negativen Themen umgeben – dabei gibt es eigentlich so viel Schönes, über das man sprechen kann. Dann dachte ich mir: Warum nicht einen Videopodcast mit genau solchen Menschen machen?

Würden Sie es als Heimat-Podcast bezeichnen?
KIESEL: In erster Linie geht es um Leute, die hier in der näheren Umgebung aktiv sind, die etwas aus ihrem Leben machen und die ich als positiv wahrnehme. Die zentralen Themen sind: Zurückkommen, im Leben ankommen und oft auch Bad Kissingen (wieder)entdecken und hier etwas bewegen. Ich mag Menschen, die vorwärtsgehen und mit Mut in die Zukunft blicken. Denn genau das bringt Bad Kissingen voran.

Wieso ist Ihnen diese positive Ausrichtung wichtig?
KIESEL: Ich kriege in meinem Beruf genug negative Kommentare mit– für viele ist es deutlich einfacher, etwas schlechtzureden, als positiv zu bleiben. Ich will weg davon, dass man immer alles so negativ sieht. Ich wollte den Fokus auf das Positive richten. Tatsächlich ist die Realität oft viel positiver, als wir denken.

Würden Sie sich selbst als positiven Menschen beschreiben?
KIESEL: Ich bin sehr gelassen. Das hängt mit dem zusammen, was ich erlebt habe. Meine ganze Familie ist innerhalb von wenigen Jahren weggestorben, Mutter, Oma, Opa, Vater. Das war der Punkt, an dem ich mir gedacht habe, ich muss das Negative aus meinem Leben ausblenden. Das war ein Schutzmechanismus, um nicht komplett den Mut zu verlieren. Ab dem Punkt habe ich nach vorn geschaut, auf die Zukunft und das Positive.

Woher kommt die starke Identifikation mit Bad Kissingen?
KIESEL: Ich war über zehn Jahre weg, in Gießen an der Uni. Meine damalige Freundin ist nach dem Abitur dort hingezogen und ich bin hinterher. Nach dem Zivildienst in einem sozialen Brennpunkt in Gießen folgten ein BWL-Studium und drei Jahre als wissenschaftlicher Mitarbeiter. Eigentlich wollte ich nie mehr zurück und das nächste Ziel war für mich Frankfurt. 2016 bin ich zurückgekommen, um meinen Opa zu unterstützen, weil er plötzlich niemanden mehr hatte. Am Ende ist er gestorben und für mich war dann die Frage, was machst du jetzt? Meine Frau ist aus Kleinbrach und dort wohnen wir jetzt.

Durch die Rückkehr haben Sie angefangen, sich anders mit der Stadt auseinanderzusetzen?
KIESEL: Ja. Ich denke, dass das bei vielen so ist. Du musst erst einmal weg, um zu erkennen, dass deine Stadt gar nicht so schlecht ist. Du hast hier immer alles gehabt, warst es gewohnt und konntest es gar nicht wertschätzen. Das, was wir hier haben, ist für eine Stadt in der Größe etwas Besonderes. Ich war so der Typ in der Jugend: „Scheiß auf Kissingen“. Jetzt weiß ich, was hinter allem steckt, kenne die Gebäude und die Geschichte und genieße es auch, sonntags mit einem Eis im Rosengarten zu sitzen. Du hast alles hier, was du für ein normales Leben brauchst, ohne den Trubel in der Großstadt.

Für die neue Staffel haben Sie sich unter anderem mit Oberbürgermeister Dirk Vogel (SPD) unterhalten. KIESEL: Das war der längste Podcast bisher, wir sind bei einer Stunde herausgekommen. Er hat alles Mögliche gemacht in seinem Leben, war etwa in den USA im Kongress als Praktikant. Wir haben die Zukunft angesprochen und was er für Projekte angehen möchte. Das war ein Komplettabriss von der Jugend bis zur Wahl 2026. Er hat darüber gesprochen, dass er nur nach Bad Kissingen zurückgekehrt ist, weil er zum Oberbürgermeister gewählt wurde. Er wäre tatsächlich gar nicht mehr in die Politik gegangen, weil 2013 seine erste Bürgermeisterkandidatur nicht erfolgreich war. Der einzige Ort, wo er noch einmal politisch aktiv werden wollte, war die Heimat.

Mit welchen Gästen reden Sie in der zweiten Staffel?
KIESEL: Christian Pansi war ein Jugendfreund von mir aus Reiterswiesen. Ihn habe ich in Hamburg in einem Fünf-Sterne-Hotel besucht, wo er arbeitet. Er redet mit mir über den Weg ins Hotel und welchen Bad Kissingen Bezug er noch hat. Pfarrer Gerd Greier wird kommen und ich spreche mit Lars Streiberger, Staatsanwalt aus Fulda und historische Persönlichkeit beim Rakoczy-Fest. Ich habe ihn zweimal an Rakoczy begleitet und er ist mir mit seiner Freundlichkeit in Erinnerung geblieben. Aber ganz besonders freue ich mich auf den Gast, der damals bei der Hochzeit den Impuls für diesen Videopodcast gab.

Im Moment ist in Bad Kissingen eine Aufbruchstimmung zu bemerken, es geht etwas. Sehen Sie das auch so? KIESEL: Das ist auch mein Gefühl. Ich kann sehr positiv in die Zukunft für Bad Kissingen schauen. Vieles ist positiver gestimmt im Vergleich zu früher, egal ob im Rathaus, in der Wirtschaft oder in Vereinen. Wir haben das Steigenberger Areal wieder besetzt, das Schweizerhaus ist verkauft und im ehemaligen Sanatorium Fronius passiert auch was. Die wirtschaftliche Lage in Deutschland ist gerade nicht so gut gestimmt, in Bad Kissingen scheint das aktuell anders zu sein.

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