Die Spielbank in Bad Kissingen feiert 2025 ihren 70. Geburtstag. Doch das Glücksspiel hat in Bad Kissingen eine weitaus längere Geschichte. In der Mitte des 18. Jahrhunderts und den Jahrzehnten danach erreichte das kommerzielle Glücksspiel unter staatlicher Aufsicht in ganz Europa seine Blüte. In Deutschland waren es gerade große Kurorte wie Baden-Baden, Bad Homburg, Wiesbaden und Bad Kissingen, in denen das Glücksspiel florierte und es risikofreudige Spieler anzog.
Bad Kissingens Welterbemanagerin Anna Maria Boll unterstreicht die historische Bedeutung: „Spielbanken und das Glücksspiel haben in den Kurstädten eine lange Tradition. Das Luitpold-Casino ist eines der Hauptelemente unserer Welterbestätte“, sagt sie. Historisch ging es in den Casinos nicht ausschließlich um Glücksspiel, sondern ganz allgemein um Spiele aller Art. Die Säle waren Versammlungsstätten für ein geselliges Miteinander, „die den Kurgästen eine willkommene Abwechslung und Freizeitbeschäftigung boten und bis heute bieten“.
Illustre Gäste in den Casinos der Badeorte
Dennoch sticht das Glücksspiel heraus, vielleicht aufgrund des Prunks sowie der Eleganz, vielleicht wegen der menschlichen Dramen, die es produziert: Zahlreiche Menschen erlebten in den Spielbanken die Höhen des Glücks, wenn sie gewannen und die Tiefen kalter Verzweiflung, wenn sie Hab und Gut verloren.
Rubinstein, Paganini, Jules Verne, Dostojewski: Von vielen Berühmtheiten der damaligen Zeit ist bekannt, dass sie sich dem Glücksspiel hingaben. Der russische Literat Dostojewski etwa hat einen ganz engen Bezug zum Glücksspiel in deutschen Kurorten. Er war mehrfach in den Spielhallen in Baden-Baden, Bad Homburg und Wiesbaden zu Gast, in denen er viel Geld verzockte und sich verschuldete. In seinen Romanen „Der Spieler“ und „Der Idiot“ thematisierte er diese Erlebnisse.
Falschspieler auch in Bad Kissingen
Für Bad Kissingen sind aus dieser Zeit ähnliche Geschichten mit prominenten Namen, die dem Glücksspiel verfallen waren und ihr Vermögen verzockten, nicht belegt. Was aber nicht heißt, dass es solche Geschichten nicht gab oder dass es an der Saale gesitteter oder harmloser zuging.
Belegt ist etwa, dass viele Falschspieler zugange waren, die auf unehrliche Weise ihr Glück machen wollten. Ab 1838 wurde vom Landgericht ein Polizeibeamter eingesetzt, der das Glücksspiel in Bad Kissingen überwachte. Ein Büchlein aus dem Jahr 1848 mit dem Titel „Umschau in deutschen Landen - Franken“ beschreibt, dass in Bad Kissingen eine Spielhölle besteht, in der sich die Spieler ruinieren, wenn gleich sie ein „freundlich und ein gar schönes Zimmer“ ist.
Die Anfänge des Glücksspiels in Bad Kissingen
Bereits 1746 finden sich laut Unterlagen im Stadtarchiv erste Hinweise darauf, dass in Bad Kissingen gespielt wurde. Fürstbischof Friedrich Karl von Schönborn teilte dem Stadtmagistrat damals mit, dass er ihm die Überschüsse aus Spielgeldern zuwenden wolle.
Am 28. Juni 1796 ließ der Fürstbischof von Würzburg, Adam Friedrich von Seinsheim, bekanntgeben, dass er im fürstlichen Kurort Bad Kissingen ausnahmsweise während der Kurzeit das Hazardspiel erlaubt. Bei Hazard handelt es sich um ein Würfelspiel, das im 17. und 18. Jahrhundert das Glücksspiel schlechthin war. Bad Kissingen hatte damit zum ersten Mal eine Glücksspielkonzession. Der Fürstbischof verfügte, dass der Betreiber nur fünf Prozent der Erträge behalten durfte, 95 Prozent gingen zur Hälfte an einen Beleuchtungsfonds für Bad Kissingen und an eine Armenkasse für Bad Kissingen und Aschach.
Spielsäle im Kurhaus und Arkadenbau
Der Casinobetrieb wurde 1800 auf 11 Uhr abends begrenzt, wobei er in Ausnahmen auch ausgedehnt werden durfte, wenn Bälle stattfanden. Spielstätte war das damalige Kurhaus von Balthasar Neumann, dem Vorgänger des späteren (Steigenberger-)Kurhaushotels. Ab 1830 gibt es schriftliche Belege dafür, dass im Kurhaus nicht nur hasardiert wurde, sondern dass die feine Kurgesellschaft dort auch Roulette, Pharao, Trente et Quarante und Billard spielte.
1838 nahm insbesondere das Hazardspiel derart zu, dass die Spielstätte in den von Friedrich von Gärtner fertiggestellten Arkadenbau verlegt wurde. Das Vergnügen währte jedoch nicht lang: König Maximilian II. verbot 1849 im ganzen Königreich Bayern das Glücksspiel – ein herber Schlag für die Bad Kissinger, die sich im Konkurrenzkampf mit anderen Weltbädern wie Baden-Baden, Homburg und Wiesbaden im Nachteil sahen und Gäste verloren.
Glücksspiel in Bayern 106 Jahre lang verboten
Die Casinopächter erhielten eine Entschädigung von 35.000 Gulden – viel Geld und ein Zeichen dafür, wie sehr sich das Glücksspiel rentierte. In den Jahren nach dem Verbot kämpften die Verantwortlichen aus Bad Kissingen in seitenlangen Briefen nach München um ihr Casino – vergeblich. Während sich andernorts rund um die Spielbanken ein luxuriöser Badebetrieb entwickelte, hinkte Bad Kissingen in Bezug darauf hinterher.
Offiziell hielt sich das Verbot 106 Jahre. Inoffiziell endete mit dem Verbot das Glücksspiel in Bad Kissingen nicht, sondern man spielte in geschlossenen Zirkeln weiter. Erst 1955 wurde das Glücksspiel in Bayern wieder erlaubt und Bad Kissingen erhielt erneut eine Konzession. Die Spielbank wurde zunächst privat betrieben und ist seit 1961 staatlich.
Casino seit 1968 im Luitpoldbad
Nach der Wiedereröffnung war das Casino im „Frühlingsgarten“, einem privaten Kurhaus, untergebracht. Seit 1968 hat es seine Heimat in den prunkvollen Gesellschaftssälen des Luitpoldbades. „Hier ist unser Kur-Erbe lebendig. Es ist die besondere Kombination aus historischem Gebäude und lebendigem Erbe, was das Casino für das Welterbe so besonders macht“, betont Welterbemanagerin Boll. Stilvoll spielen, wie im 19. Jahrhundert. Das geht dort auch im Jahr 2025.


















