Der Morgen ist wolkenverhangen, der viele Regen der vergangenen Nacht steht noch auf der Wiese. Auf dem weitläufigen Gelände vor dem historischen Turnierbau in Bad Kissingen sind weiße Zelte aufgebaut. Alles ist bereit für Besucherinnen und Besucher, bisher sind es nicht viele, es ist noch zu früh. Nur Helferinnen und Helfer laufen umher, viele tragen Gummistiefel. Es ist ruhig auf dem Turniergelände vor der ersten Prüfung, nur auf dem Abreiteplatz ist schon einiges los. Die zuständige Tierärztin Barbara Dietz steht am Rand des Vierecks. Sie ist zur Stelle, sollte sich ein Tier verletzen, gleichzeitig ist sie auch mitverantwortlich für den Schutz der Tiere. Sie hat ein Auge auf alle, die antreten, vor allem sollte es später in der Prüfung nicht so laufen wie geplant.
Noch einiges zu tun im Pferdesport
Dass der Schutz der Tiere wichtig ist, zeigen die Vorfälle im Spitzensport. Der letzte erst vor kurzem: Es war ein Video aufgetaucht. Zu sehen die Britin Charlotte Dujardin, die in einer Trainingseinheit ein Pferd wiederholt peitscht. Sie tritt nun nicht bei Olympia an. Ob es bisher auch Fehlverhalten auf dem Rakoczy-Turnier gegeben hat? "Nein, es steht immer ein Richter oder eine Richterin am Abreiteplatz und auch ich als Tierärztin schaue mit hin. Bisher sind alle vorbildlich mit ihren Pferden umgegangen."
Nachdenklich blickt Dietz auf den Abreiteplatz: "Auch die Menge an scharfen Gebissen wird weniger." Welche Ausrüstung das Pferd, vor allem im Maul, trägt, bestimmt, wie viel Druck ausgeübt werden kann. Ein scharfes Gebiss kann dem Pferd Schmerzen bereiten, bietet aber mehr Kontrolle. "Die Leute gehen sanfter mit ihren Tieren um als früher. Trotzdem ist es gut, dass die Öffentlichkeit so kritisch auf den Reitsport schaut. Denn was früher normal war, ist einfach nicht mehr in Ordnung. Es muss sich immer noch einiges ändern im Reitsport."
Fast wie ein Verbrecher
Turnierrichter Siggi Haaf sucht sich für das Gespräch den Rand des Abreiteplatzes aus. Noch ist er entspannt. Später aber wird seine Bewertung bestimmen, wer mit einer Schleife nach Hause geht. Jetzt lehnt er sich übers Geländer des Platzes. Während er redet, beobachtet er die Pferde. Wie er den Vorfall um Charlotte Dujardin sieht? "Sie hat einen einmaligen Ausfall gehabt und wird so etwas bestimmt nie wieder machen. Überhaupt sind die Regularien fast schon zu streng. Nach jedem Ritt bei Olympia wird jedes Pferd sofort untersucht, man hat schon fast das Gefühl, der Reiter ist ein Verbrecher und wird abgeholt.“
Auf dem Abreiteplatz werden die Pferde langsam warm. Der Beginn der Prüfung rückt näher. Ein Pferd muss die Nase sehr nah an der Brust tragen. Wenn der Abstand zu eng ist, fällt dem Pferd das Atmen schwer. Bekommt das Pferd noch Luft? Haaf verteidigt die Teilnehmenden: "Alle wissen hier, was sie tun."
Der erste Teilnehmer reitet auf den Springplatz ein. Auf dem Abreiteplatz darf das Pferd von vorhin die Nase jetzt weiter vorne tragen. Inzwischen bestaunen reitbegeisterte Kinder die Szenerie, die ersten Eiskugeln werden verteilt.
Eine Reiterin lobt ihr Pferd - trotz Abwurfs
So viel Zeit wie in das Warmreiten fließt, so schnell geht es dann im eigentlichen Parcour. Etwas über eine Minute brauchen die Pferde, um alle Hindernisse zu überwinden. Inzwischen scheint die Sonne, auch der Wind hat angezogen und manche der Zelte flattern ein wenig. Ein paar der Pferde sind irritiert. Mehrere absolvieren trotzdem fehlerfreie Runden, dazwischen immer wieder Abwürfe. Ein Pferd verweigert, als die Reiterin das Hindernis erneut anreitet, schlägt sie dem Pferd mehrmals mit der Gerte auf die Schulter. Das Pferd springt, schmeißt aber auch danach noch mehrmals Stangen von den Hindernissen.
Auch das Pferd der nächsten Reiterin verweigert vor dem letzten Sprung. Diese Athletin dagegen lobt das Pferd und reitet nochmal an das Hindernis. Diesmal ist der Sprung kein Problem.
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