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Interview mit Matthias Soeder
Kissinger Autor: In neuem Werk trifft Realität auf Fiktion
Der Bad Kissinger Schriftsteller Matthias Soeder bei der Arbeit an seiner historischen Trilogie „Tinte und Schwert“
Der Bad Kissinger Schriftsteller Matthias Soeder bei der Arbeit an seiner historischen Trilogie „Tinte und Schwert“ // Franz Ockel
Bad Kissingen – Der Bad Kissinger Autor Matthias Soeder spricht über seinen neuen Roman. Er handelt von menschlichen Konflikten im historischen Rahmen. Warum ihm ein Bezug zu seiner Heimat wichtig ist.

Nach 35 Jahren als Pilot, zuletzt elf Jahre als Kapitän eines Jumbo-Frachtcarriers weltweit unterwegs, begann der in Ramsthal geborene und seit 2019 in Bad Kissingen lebende Matthias Soeder (63) vor zehn Jahren seine zweite Karriere als Schriftsteller.

Mit „Herzschlag der Gewalt“ veröffentlichte er 2017 sein Debüt, vier Jahre später folgte mit dem zweibändigen Roman „Herzschlag der Gewalt“ ein weiterer Psychothriller. Am Dienstag, 10. Februar 2026, erscheint nun mit „Verwandlung“, dem ersten Band seiner Trilogie „Tinte und Schwert“, ein historischer Roman aus der Zeit des Dreißigjährigen Kriegs. Über seinen Genre-Wechsel und den neuen Roman sprach Matthias Soeder mit der Redaktion.

Titelbild des Romans „Verwandlung“, dem ersten Band der Trilogie „Tinte und Schwert“ von Matthias Soeder
Titelbild des Romans „Verwandlung“, dem ersten Band der Trilogie „Tinte und Schwert“ von Matthias Soeder // Feuertanz-Verlag

Herr Soeder, vom Psychothriller zum historischen Roman. Warum haben Sie das Genre gewechselt?

Das Schreiben historischer Stoffe fesselt mich noch mehr. Es verbindet drei meiner Leidenschaften: die Beschreibung von Menschen in Extremsituationen, die frühe Neuzeit und die Verbindung von Fiktion mit historisch belegter Realität. Auch in „Tinte und Schwert“ geht es um menschliche Konflikte – nur in historischem Rahmen.

Wovon handelt denn der erste Band „Verwandlung“?

Zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges sind zwei junge Menschen aus unterschiedlichen Gründen dem Irrsinn der Zeit ausgeliefert. Jacob, ein Priesteranwärter, und Anna, eine angehende Hebamme, klug und unbeugsam, geraten zwischen religiösen Wahn und militärische Willkür.

Mein Roman führt sie in eine moralische Sackgasse und zeigt, dass Menschen fähig sind, in größter Not über sich selbst hinauszuwachsen. Es geht um Schuld, Machtmissbrauch und Rache. Um zu überleben, müssen Jacob und Anna sich verwandeln, erkennen aber auch den Preis, den diese Verwandlung fordert.

Historisches Gebäude im Kurpark von Bad Kissingen

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Wie kamen Sie auf den Titel „Tinte und Schwert“?

Ich wollte mit möglichst wenigen, einprägsamen Worten den Geist der Geschichte zum Ausdruck bringen. Tinte steht für die Macht des geschriebenen Wortes – eine Macht, damals so groß, dass zwei junge Menschen es damit gegen eine ganze Armee aufnehmen konnten. Schwert steht für Kampf und Konflikt und verweist auf den historischen Hintergrund meiner Geschichte.

Was fasziniert Sie an der Epoche des Dreißigjährigen Kriegs?

Der geografische Bezug meiner Heimat ist unmittelbar, der zeitliche erschreckend nah: Wir leben auf blutigem Boden, denn 400 Jahre sind, historisch gesehen, nicht viel. Das Hochstift Würzburg und das Hochstift Bamberg gehörten zu den Epizentren der Hexenverfolgung. Die Epoche des Dreißigjährigen Kriegs ist zudem so widersprüchlich und gnadenlos, dass man sie für maßlos übertrieben hielte, gäbe es nicht Dokumente, die den Wahnsinn jener Zeit belegen.

Wann haben Sie mit der Recherche für Ihre Trilogie begonnen?

Ein historischer Roman, der sich eng an die Realität hält, ist deutlich aufwendiger als freie Fiktion. Aber genau dies reizt mich. Schon vor dem ersten Satz habe ich zwei Jahre lang recherchiert. Mit dem ersten Band „Verwandlung“ begann ich im Sommer 2023, doch die Recherche ging und geht immer noch weiter. Viele Details haben sich erst während des Schreibens geschärft.

Sie sind sogar Mitglied im Verein „Kurbairisches Dragoneregiment Johann Wolf“ geworden?

Ja, denn der Verein betreibt experimentelle Geschichtsforschung und stellt den Alltag des Dreißigjährigen Krieges möglichst authentisch nach mit selbst gefertigter Ausrüstung, Waffen und Kleidung sowie der Alltags-, Lager- und Gefechtspraxis. Ich wollte diese Zeit nicht nur theoretisch, sondern auch körperlich erfassen: Als Musketier stehe ich mit dieser Gruppe mitten im Dreck, im Pulverdampf, in Kälte und Nässe und in den praktischen Problemen jener Epoche.

Dies veränderte meinen Blick deutlich. Meine Erfahrungen fließen direkt ins Schreiben ein. So erzähle ich die Schlacht am Weißen Berg bei Prag, die erste große militärische Auseinandersetzung im Dreißigjährigen Krieg am 8. November 1620, aus der Perspektive eines einfachen Musketiers – unmittelbar, körperlich und erfahrungsnah.

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Ihre Hauptfigur ist ein junger Mann aus der Region Würzburg. Warum war Ihnen dieser heimatliche Bezug wichtig?

Die mir seit meiner Kindheit vertraute Landschaft verbinde ich mit deren realer Geschichte: Leibeigenschaft, Weinbau, ein zwischen zwei Herrschaften geteiltes Dorf. Würzburg war das geistliche und politische Machtzentrum der Region. Meine eigene Heimat als Grundlage ermöglicht mir einen noch engeren Bezug zur Geschichte. Das steigert die Authentizität des Romans. Ich erkläre nicht die Geschichte, sondern nutze historische Fakten zu Hexenglauben, Alltag und militärischer Praxis als Fundament der Handlung.

„Verwandlung“ ist der erste Band Ihrer Trilogie. Wann folgen denn die anderen beiden Bände?

Der zweite Band „Verzweiflung“ ist inhaltlich fast abgeschlossen und liegt für das Lektorat bereit. Nach Plan soll er im Spätherbst erscheinen. Der dritte Band „Vergeltung“ ist als Plot ausgearbeitet. Dessen Erscheinen ist vom Feuertanz-Verlag für Sommer 2027 eingeplant.

Veranstaltungshinweis: Freitag, 12. Juni, 19 Uhr, Solereservoir, Salinenstraße 8; Autor Matthias Soeder spricht über seine Trilogie „Tinte und Schwert“, Auszüge aus dem ersten Band „Verwandlung“ liest Sigismund von Dobschütz

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