Darunter befinden sich insbesondere Muster- und Verkaufskataloge der Bad Kissinger Möbelmanufaktur „Kugelmann & Pappenheimer“ sowie Romane aus mehreren örtlichen Buchhandlungen, die vor dem Ersten Weltkrieg jeweils mit einer Leihbücherei verbunden waren.
Die Schenkung ergänzt die Bestände des Stadtarchivs in idealer Weise. Stadtarchive bewahren nicht nur Dokumente der kommunalen Verwaltung, sondern sammeln ebenso Archivgut zur Geschichte ansässiger Betriebe sowie bedeutender Persönlichkeiten.
Umso erfreulicher ist es, dass diese Dokumente in der Bestatterfamilie Meder über Generationen hinweg wertgeschätzt und aufbewahrt wurden. Mit der Übergabe an das Stadtarchiv sind sie jetzt dauerhaft gesichert.
Möbelfirma „Kugelmann & Pappenheimer“
Von besonderem Interesse sind die Unterlagen zur Möbelfirma „Kugelmann & Pappenheimer“, die einst weit über Bad Kissingen hinaus tätig war. Karl (Carl) Pappenheimer, 1875 in Stuttgart geboren, kam 1903 in die Kurstadt und heiratete Flora Kugelmann aus einer angesehenen Kissinger Familie. Gemeinsam mit seinem Schwager Felix Kugelmann leitete er den Vertrieb der in Bad Kissingen gefertigten Möbel und Inneneinrichtungen.
Die Produktpalette reichte von reich geschnitzten Renaissancemöbeln bis zu französischen Stilmöbeln und wurde auch international vertrieben. Der Ausstellungsraum für Stilmöbel befand sich im Erdgeschoss des früheren Hotel Herzfeld in der Maxstraße 4 (heute Maxstraße 9), dem heutigen Bayerischen Hof.
Biografien spiegeln Brüche des 20. Jahrhunderts
Die Firma „Kugelmann & Pappenheimer“ wurde 1878 gegründet und lieferte in ihren Glanzzeiten Möbel auch ins Ausland. Das Unternehmen beschäftigte zehn Gesellen und sechs eigene Holzbildhauer. Felix Kugelmann leitete seit dem Ersten Weltkrieg die Möbelfirma.
Karl und Flora Pappenheimer wurden 1941 aus Berlin deportiert und 1942 im Vernichtungslager Kulmhof ermordet. Ihrer Tochter Ina gelang hingegen die Emigration in die USA. Auch die Familie Kugelmann war während der NS-Zeit zunehmenden Anfeindungen ausgesetzt und verließ Bad Kissingen Ende der 1930er‑Jahre. Felix und dessen Ehefrau Alice Kugelmann versuchten Ende 1938/Anfang 1939, das Haus in der Maxstraße zu verkaufen.
Überdies geben die übergebenen Bücher Einblick in das kulturelle Leben der Stadt vor dem Ersten Weltkrieg. Die damaligen Leihbüchereien waren wichtige Orte der Bildung und Unterhaltung und dokumentieren das Leseverhalten der Zeit.












