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Ein Wagnis mit Erfolg
Chorgesang in Perfektion
Kantorei Herz-Jesu
Stadtkantor Burkhard Ascherl hat mit seiner Kantorei Herz-Jesu den „Elias“ einstudiert. Beim Konzert hatten die Bad Kissinger Verstärkung voom Chor Da Capo aus Tafers in der Westschweiz. Obwohl die Chöre kaum gemeinsam proben konnten, überzeugten die Sängerinnen und Sänger beim Auftritt im Max-Littmann-Saal. // Thomas Ahnert
Bad Kissingen – Stadtkantor Burkhard Ascherl hat sich an Mendelssohn-Bartholdys „Elias“ gewagt. Die Chöre aus Bad Kissingen und Tafers sowie die Solisten überzeugten beim gemeinsamen Singen.

Wer Felix Mendelssohn-Bartholdys „Elias“ aufführen will, macht das nicht aus einer Laune heraus, sondern der muss wissen, worauf er sich einlässt. Und er braucht Mut.

Denn alles an diesem Oratorium in zwei Teilen ist groß und fordernd, nicht nur musikalisch, sondern auch organisatorisch, logistisch. Und er muss sehr viel Energie in Vorbereitungen und vor allem Proben investieren.

Verstärkung an Bord

Stadtkantor Burkhard Ascherl  hatte sich ein Herz gefasst und hatte die Sache in Angriff genommen. Mit seiner Kantorei Herz-Jesu hatte er das Werk einstudiert und sich dabei auch Verstärkung von dem Chor Da Capo aus Tafers in der Westschweiz geholt.

Geschätzte 75 Sängerinnen und Sänger versammelten sich so auf dem Podium des Max-Littmann-Saals. Die Solisten waren Julia Borchert (Sopran), Susanne Krumbiegel (Alt), Stephan Scherpe (Tenor) und Daniel Blumenschein (Bass), sowie, als zusätzliche Stimme in dem Terzett „Hebe deine Augen auf zu den Bergen“ Brigitte Ascherl (Sopran) und in dem Quartett für vier Frauenstimmen „Heilig, heilig, heilig“ darüber hinaus Celine Kubisch (Alt). Den Orchesterpart hatten die Thüringer Symphoniker Saalfeld-Rudolstadt übernommen.

Starke szenische und musikalische Elemente

Der „Elias“ gilt als eines der größten Oratorien der Romantik, was ihm von manchen Kritikern den Vorwurf einer zu starken Opernhaftigkeit eingebracht hat, denn es hat starke szenische und musikalische Elemente. Bei dem viele Jahre früher entstandenen Oratorium „Paulus“ war der Einfluss von Johann Sebastian Bach auf den jungen Mendelssohn formal und stilistisch noch deutlich zu hören. Jetzt hatte er sich deutlich davon emanzipiert, was sich schon daran zeigt, dass der Stoff für den „Elias“ aus der alttestamentarischen – aber trotzdem teilweise historisch belegbaren – Zeit stammt.

Das Oratorium konnte kein christliches Glaubensbekenntnis werden, weil es um 800 vor Christus im Nordreich Israel noch nicht einmal offiziell den jüdischen Glauben gab – und den christlichen erst recht nicht. Was Mendelssohn schaffen wollte, war das Bild eines Menschen und Propheten, der mit Leidenschaft, aber auch Selbstzweifeln dafür kämpfte, dass das Volk an seinen Gott Jahwe glaubt.

Als Druckmittel prophezeite er eine von Jahwe geschickte längere Trockenheit, die tatsächlich auch eintrat. Damit machte er sich natürlich Feinde – nicht so sehr den König Ahab, sondern dessen Gemahlin, die Königin Isebel, eine karthagische Prinzessin, die den Baalskult in die Ehe und ins Land eingebracht hatte.

Eine prophetische Weissagung

Sie ist es, die das Volk dazu aufhetzt, Elias zu töten – vor allem, nachdem er offenbar mit Gebeten zu seinem Gott wieder für Regen gesorgt hatte.  Der flieht mit ein paar Anhängern, die die Verfolgung überlebt hatten, in die Wüste, um sich zu sammeln und von dort aus seine Jahweisierung fortzusetzen. Als er schließlich stirbt, wird er von Engeln in einem feurigen Wagen in den Himmel geholt. Aber natürlich kommt ganz zum Schluss doch noch eine messianische Weissagung – schließlich war Elias Prophet.

Viel Dramatik, viele Konflikte und viel szenisches Potenzial. Natürlich hätte man auch eine Oper daraus machen können.
Was eine Aufführung dieses Oratoriums für Chöre zu einer dankbaren Sache macht, ist der Umstand, dass er eigentlich die Hauptrolle spielt, dass er ständig gefordert ist, dass sich die Sängerinnen und Sänger nur selten einmal kurz hinsetzen können, sondern sich in Spannung halten müssen. In den Bach-Oratorien ist der Chor im Wesentlichen die allgemein kommentierende christliche Seele, die nur selten konkreten Einfluss auf den Fortgang nimmt, wie etwa bei dem mehrfachen Ruf: „Kreuzige, kreuzige ihn!“ Da gibt es natürlich eine Parallelstelle im „Elias“, an der das von der Königin Isebel aufgepeitschte Volk ruft: „Er muss sterben!“.

Aber hier übernimmt der Chor ja auch die Rollen des sündigen Volkes Israel, der Baalsanhänger, der himmlischen Heerscharen, der trauernden Beobachter oder der Seher. Das erfordert eine enorme Flexibilität und Spontaneität in der Charakterisierung.

Mit Energie und Zielstrebigkeit

Man kann der Chorgemeinschaft Bad Kissingen/Tafers nur ein ganz großes Kompliment machen, mit welcher Energie und Zielstrebigkeit sich das Ensemble durch die Notenberge wühlten. Das ist schon deshalb nicht einfach, weil die beiden Chöre sich im Vorfeld der Proben nicht aufeinander einsingen konnten und die Kommunikation nur zwischen den beiden Dirigenten Burkhard Ascherl und Benjámin Szilágyi (Tafers) laufen konnte.

Das endgültige Zusammensetzen war erst unmittelbar vor der Aufführung in einer Haupt- und Generalprobe möglich. Und dafür gab es erstaunlich wenig Reibungen. Aber sehr viele präzise Charakterisierungen und gestaltete Emotionen zwischen lyrisch und dramatisch aggressiv wie „Denn er hat seinen Engeln befohlen über dir“ im ersten und „Wehe ihm, er muss sterben! Warum darf er den Himmel verschließen?“ im zweiten Teil.

Was den Chören Spaß bereitet

Die ständigen Wechsel sind natürlich fordernd; aber gerade das kann gut vorbereiteten Chören auch Spaß machen. Und diesem Eindruck konnte man sich nicht entziehen. Zumal Mendelssohn hier sehr gut am Text entlang in die Stimmen hineinkomponiert hat.

Auch bei den Solisten musste es natürlich schon aus Gründen der Entfernung kurzfristig klappen. Und es klappte. Julia Borchert, Susanne Krumbiegel, Stephan Scherpe, Daniel Blumenschein, Brigitte Ascherl und Celine Kubisch sangen sehr konzentriert und genau, sehr emotional und präzise auch im Zusammenwirken. Und sie ließen sich nicht in die zweite Reihe verweisen, wenn sie mit beziehungsweise gegen den Chor oder das Orchester singen mussten.

Wo das Hornquartett zum Solisten wurde

Letzteres hatte den „Elias“ in der letzten Zeit wohl einige Male aufgeführt, denn es wirkte gut eingespielt und aufeinander bezogen. Das machte es Burkhard Ascherl natürlich leichter, sich stärker der Abteilung Gesang zu widmen. Die Pauken hätten manchmal vielleicht sogar ein bisschen lauter sein können. Aber das glich das ausgezeichnete Hornquartett aus, das manchmal zum Solisten wurde. Ist ja auch richtig. Schließlich spielt das Ganze ja in einem Königreich, und da darf man auch mal staatstragend spielen.

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