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Kabarettherbst in Kissingen
Dave Davis: Konfetti, Kalauer, kluge Gedanken
Kurtheater Bad Kissingen
Dave Davis im Kurtheater von Bad Kissingen. // Klaus Werner
Bad Kissingen – Dave Davis wirbelt mit schwarzem Humor durch das Kurtheater – und plötzlich wird es still.

„Werdet Terroristen der Lebensfreude!“ – lautete der augenzwinkernde Appell von Comedian Dave Davis bei seiner unterhaltsamen Premiere auf der Bühne des Kissinger Kurtheaters. Die rheinländische Frohnatur präsentierte sich beim Kabarettherbst als charmanter Plauderer, als witziger Geschichtenerzähler, der mit unbeschwerter Selbstverständlichkeit seinen schwarzen Humor präsentierte und dabei die rund 250 Besucher auf das Beste unterhielt.

Dave Davis ist ein Köln-Bonner Comedian, der die Abgrenzung zum Kabarettisten nicht im inhaltlichen, sondern eher im sprachlichen sieht: „Der Comedian macht es wegen dem Geld, der Kabarettist wegen des Geldes.“ Diese Definition ist bei ihm eher ironisch-unterhaltsam gemeint wie vieles andere in seinem Programm „Konfetti für alle“, denn dahinter steckt ein „Comedy-Hirn“, das mit Spaß an der Sache und einer Portion Schlitzohrigkeit die Alltäglichkeiten auf den Kopf stellt.

Kontakt mit dem Publikum

Sein Bühnen-Kapital ist seine Offenheit, die sich in der Körpersprache, der Mimik und vor allem in der Ansprache des Publikums zeigt, wobei seine sprachliche Gewandtheit ebenso überzeugt wie die stimmigen Wechsel vom rheinländischen Dialekt ins humorig Bayrische. Beispiel: Was sagt ein Bayer, der auf dem Flughafen Tel Aviv seinen Pass sucht und findet: „Da hamas.“

Seine Nähe zum Publikum zeigte sich nicht nur daran, dass er fast immer am Bühnenrand agierte, sondern auch daran, dass er im unmittelbaren Kontakt mit seinen Gästen stand. Amadeus aus der ersten Reihe musste als Ansprechpartner und Stichwortgeber ebenso herhalten wie Peter, Stefan oder Claudia, die bereitwillig über Alter und Beruf Auskunft gaben. Dabei war es nicht das übliche Warm-up mit dem Publikum, sondern für Dave Davis ist es wichtig, „mein Publikum zu kennen, um bedarfsgerecht zu arbeiten“.

Dave Davis: „Migrationshintergrund ohne Migrationserfahrung“

Bedarfsgerecht waren für ihn zwei Themen, die sich durch den zweieinhalbstündigen Abend zogen. Einerseits war es sein Herkunftsland Uganda. Er habe einen „Migrationshintergrund ohne Migrationserfahrung“, da er in Deutschland geboren ist, wie er sagte. Er könne damit unverdächtig das „grün hinter den Ohren“ in „braun hinter den Ohren“ umwandeln – ergänzt mit einem Lächeln und dem Zusatz: „Das kann ich der AfD anbieten.“

Das andere Thema war sein aktuelles Single-Dasein, also einer Zeit ohne „Tagesabschlussgefährtin“ und der damit verbundenen „Männergruppe“.

Aus diesem Mix choreographierte der sympathische Comedian einen unterhaltsamen Abend, wenn er zum Beispiel von seinem „Stamm-Baum“ in Uganda sprach und dabei den vorurteilsbehafteten Afrika-Slang in gebrochenen Deutsch nachahmte. Heraus kamen Opas Ratschläge, der als Schamane über Weisheit verfügt und mit Sätzen wie „Jammern ist die niedrigste Frucht am Baum“ mal den deutschen Zeitgeist definiert oder mit dem Satz „Hochzeit oder Hinrichtung – beides das gleiche, eines geht nur schneller“ für Lacher sorgte.

Scherzhafter Blick aufs Single-Dasein

Das Single-Dasein – so der rheinländische Humor-Virtuose – müsse man philosophisch betrachten, denn „das Bett ist halb voll“. Was ihn allerdings von unseriösen Dating-Apps abhält.

Auch hier ließ er die Gäste an seinen Erfahrungen in Dessau mit „Menschen mit Grenzhintergrund ohne Grenzerfahrung“ teilhaben. Neben seinen Anmerkungen zum Schmunzeln gab es hier auch Stellen mit Tiefgang, wenn Davis von der Frau als „natural born opfer“ sprach und dabei neben der sexuellen Belästigung auch die Manipulation durch Werbung oder die sozialen Medien mit dünnen, KI-generierten Vorzeige-Modellen anprangerte.

Überlegenheit der Frauen: Jede Antwort ist falsch

Er lobte die Überlegenheit der Frauen gegenüber den „zweifach verkabelten Gehirnen“ der Männer, die sich in den sogenannten „Limbo-Fragen“ widerspiegeln: „Bin ich zu dick? – mit jeder Antwort ist man unten durch.“

Auch wenn man den Eindruck gewinnen konnte, dass Dave Davis den Abend auf belangloses Witzemachen beschränkt, so steckten hinter seinen humorvollen Anmerkungen doch gesellschaftskritische Beobachtungen. Mal zeigte er es mit ein Kalauer zur Transsexualität und Frauenwahrnehmung, wenn Achim zu Gisela wird und sein Wunsch, als Frau wahrgenommen zu werden vom Arbeitgeber mit „20 Prozent Gehaltsabzug“ beantwortet wird. Mal ist es die Feststellung, dass Deutschland eines der reichsten Länder der Welt ist, was er mit einem angefügten „Noch!“ in Frage stellt und ergänzt: „Wenn ein Deutscher einen Bestattungswagen sieht, ruft er: Taxi!“

Quittiert wurden seine humorvollen, seine musikalischen und seine nachdenklichen Anmerkungen mit herzhaftem Gelächter und mit begeistertem Applaus.

Nur bei einer lebensphilosophischen Weisheit war es still im Kurtheater: „Mit der Geburt hast du alles, was du für ein erfülltes Leben brauchst – nutze es!“

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