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Kissinger Sommer
Kiso-Konzert: Nach zwei Akkorden war alles klar
Das siebenköpfige Ensemble, die Capellisti, mit Margaret Hunter (Sopran) und Masashi Tauji (Tenor) überzeugten beim Kissinger Sommer.
Das siebenköpfige Ensemble, die Capellisti, mit Margaret Hunter (Sopran) und Masashi Tauji (Tenor) überzeugten beim Kissinger Sommer. // Gerhild Ahnert
Bad Kissingen – Die Capella de la Torre ist ein eingespieltes Bläserensemble, das das Publikum nicht enttäuschte. Zum Einsatz kamen auch Instrumente, die man nicht oft hört.

Es war ein interessanter Vergleich, den der Kissinger Sommer da angeboten hatte: Anna Prohaska mit Il giardino armonico und Katharina Bäuml mit ihrer Capella de la Torre. Es wurden interessante Beobachtungen möglich durch die Musik aus zwei Epochen: die „Capellisti“ mit einem rein italienischen Programm aus der Frührenaissance, aus der Zeit eines Sandro Boticelli und seiner Nachbarn, die „Giardinisti“ mit einem italienisch-deutschen Programm aus der Barockzeit mit historischen (Kleopatra) und mythischen (Dido) Gestalten.

Der Vergleich beginnt beim Klang. Il giardino armonico ist ein Streicherensemble mit Continuo, die Capella de la Torre ein Bläserensemble. Wer sie an den Ohren Revue passieren lässt, dem fällt vielleicht ein, dass der Klang der sachgemäß gespielten Barockviolinen und Violen mit entsprechender Besaitung ein spröder, nicht von romantischem Vibrato verschleierter Klang ist, der eine Distanz braucht, in der sich die Arbeitsgeräusche reduzieren.

Witziger Klang

Die Holzbläser der Capella de la Torre können einen sehr weichen, warmen tragfähigen, sogar auch witzigen Klang (Bass-Dulzian) erzeugen, der den Sicherheitsabstand nicht braucht. Und wie schön eine Schalmei oder ein Pommer klingen können, hatte man fast schon vergessen. Die Musik ist in ihrer Entwicklung zum Barock hin komplizierter geworden, aber nicht unbedingt schwieriger, weil manches floskelhaft ist. Sie ist intellektueller geworden, wie die Giardinisti zeigten. Aber sie erfordert für die Erzeugung von Emotionalität auch mehr an Spielorganisation und Bogenmanagement.

Das gilt aber auch für die Texte. Die Lieder, die die Capella im Programm hatte, kannten die Menschen rund um Boticelli. Die wurden, wenn man vielleicht von den kirchlichen oder Gebetsliedern wie Josquin Desprez „In te Domine speravi“ oder Bartolomeo Tromboncinos „Vergine bella“ absieht, in den Gassen allein oder gemeinsam gesungen. Mit den besungenen Lieben und Nöten und Alltagsfreuden konnte sich jeder identifizieren. Und in so ein Programm lässt sich auch leicht eine Bergamasca oder Chaconne oder ein anderes Tanzlied einstreuen.

20-Punkte-Programm

Im Barock sind die Helden von einst in die Oper gezogen, sind auf Distanz zum Volk gegangen. Kleopatra, Cesare, Rinaldo, Dido oder Agrippina sind wahrlich keine Identifikationsfiguren mehr. Sie müssen ihr Publikum erst knacken. Das mussten die Capellisti nicht. Man fragte sich eher, wie das Konzert mit seinem 20-Punkte-Programm so rechtzeitig fertig werden würde, damit man nicht zu spät zum Schlusskonzert in den Rossini-Saal und vor allem zu der vorher einzunehmenden Verpflegung kommt.

Mit Klarheit musizieren

Aber die Angst war unbegründet. Zum einen neigen Frührenaissancewerke nicht zum Ausufern – und man muss im Ernstfall auch nicht jede Wiederholung spielen. Vor allem aber hatte Katharina Bäuml so gut und verhältnismäßig nahtlos organisiert, dass nicht nur spontaner Zwischenbeifall, sondern auch ihre kurze, launige Moderation den Zeitplan nicht in Gefahr brachten.

Es überraschte immer wieder, mit welcher Klarheit dieses siebenköpfige Ensemble musizierte: in der Mitte das Continuo mit Orgelpositiv (Johannes Berger), Knickhalslaute (Johannes Vogt) und Percussion mit Schellentrommel, Landsknechttrommel, Kastagnetten und mehr (Peter Bauer) und, sie einrahmend, Schalmei (Katharina Bäuml), Altpommer (Hildegard Wippermann), Posaune (Falko Munkwitz) und Bassdulzian (Regina Hahnke). Man merkte schnell, dass die sieben Leute sich seit 18 Jahren kennen und dass ihr gemeinsames Musizieren ihnen noch Spaß macht und Spielräume lässt.

Stimmen passten perfekt

Es war erstaunlich, was da an Klangfarben und Rhythmisierungen der nicht immer ganz einfachen, zum Teil von den Komponisten absichtsvoll verschleierten, Strukturen möglich war. Aber man muss auch sagen, dass die beiden Stimmen von Margaret Hunter (Sopran) und Masashi Tauji (Tenor) bestens zu dem Originalklangkonzept passten. Sie machten sich nicht zu Opernsängern, die durch Lautstärke herauskommen wollen, sondern fügten sich, durchaus auch durchsetzungsfähig, in den Gesamtklang ein. Und in ihren zweistimmigen Passagen hörten sie ganz genau aufeinander in der Artikulation und Agogik.

 

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