Wer in den vergangenen Monaten an einer der elektronischen Info-Stelen in den Bad Kissinger Kuranlagen nach Informationen suchte, stand vielleicht etwas irritiert, in jedem Fall aber vergeblich vor dem Bildschirm. Schon seit Dezember bleiben alle Touchscreens schwarz. Die Staatsbad GmbH musste damals das ganze System abschalten.
„Die Info-Stelen funktionieren“, versichert Theresa Preisendörfer, Pressesprecherin der Staatsbad GmbH auf Nachfrage dieser Zeitung. „Sie wurden jedoch aufgrund wiederholter Informationssicherheitsvorfälle außer Betrieb genommen.“ Was war geschehen? „Es wurden der Öffentlichkeit verschiedene Inhalte zugänglich gemacht“, die weder von der Staatsbad GmbH selbst stammten, noch von ihr vor Veröffentlichung genehmigt waren.
Gegen das Werteverständnis
Schlimmer noch! Es waren Inhalte auf den Info-Stelen zugänglich, „die nicht mit dem Werteverständnis des Unternehmens und der Gesellschafter vereinbar sind“. Um welche Inhalte es sich konkret gehandelt hatte, wollte die Staatsbad nicht sagen – nur so viel: Inhalte, die mit dem Werteverständnis des Unternehmens nicht vereinbar sind, „können zum Beispiel in Zusammenhang mit Ethik, Weltanschauung, Alter oder Sexualität stehen“.
Wie es zu diesen unerlaubten Veröffentlichungen kommen konnte, ist bisher nicht bekannt. So kann auch nicht bestätigt werden, ob es einen Hacker-Angriff gegeben hat, bei dem sich ein Dritter unerlaubt über das Internet ins System der Staatsbad GmbH eingeloggt hat, oder ob es sich um eine bisher unbekannte technische Lücke im Betriebssystems handelt, so dass der Nutzer ungewollt über nicht identifizierte Links auf fremde Websites umgeleitet wird.
Kurdirektorin schließt firmeninternen Missbrauch aus
Firmeninternen Missbrauch schließt Kurdirektorin Sylvie Thormann auf Nachfrage der Redaktion in jedem Fall aus. „Das Risiko für die gesamte Netzwerktechnik der Staatsbad GmbH wurde als kritisch eingestuft“, heißt es weiter in der schriftlichen Antwort des Unternehmens, weshalb das digitale Informationssystem im Dezember sofort abgeschaltet wurde.
„Die Fehlerbehebung ist nicht trivial und Bedarf technischer Anpassungen“, entschuldigt sich das Unternehmen für den inzwischen mehrmonatigen Ausfall seines Informationssystems. Aktuell sei man intensiv dabei, Möglichkeiten zum Weiterbetrieb der Info-Stelen in den Kuranlagen zu prüfen.
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