„Wir haben die Saison heil über die Runden gebracht!“ – ein zufriedenstellendes Fazit zieht Dampferle-Chef Helmut Fischer am Ende der fünf Monate, in denen die beiden Boote „Kissingen“ und „Saline“ die 2,5 Kilometer lange Strecke zwischen den Anlegestellen im Rosengarten und am Gradierbau befuhren.
Mit dem Einwintern im ehemaligen „Café Neptun“ beginnen aber schon die Vorbereitungen auf das nächste Jahr: „Den Saisonstart an Ostern 2024 haben wir fest im Blick.“
Schon vor einigen Tagen endete die Saison für die Fahrgäste, aber nicht die Arbeit für die „Saale-Kapitäne“ Mario Dörr, seit 1997 bei der Saale-Schifffahrt, und Andreas Reith, der seit neun Jahren dabei ist. Beide sind nicht nur für den laufenden Schiffsbetrieb auf der Saale zuständig, für den sie eine Zulassung haben, sondern gleichzeitig auch Klempner und Schreiner und als Mechaniker verantwortlich für die beiden zuverlässigen Dieselmotoren.
1300 Betriebsstunden
Auf der „Kissingen“, die seit 1924 unterwegs ist, läuft ein 75 PS starker Volvo-Bender mit 2,4 Liter Hubraum; auf der „Saline, die vor etwas mehr als 50 Jahren angeschafft wurde, läuft noch der Original-Motor mit 43 PS und vier Liter Hubraum. Die beiden Schiffe mit zusammen 90 Sitzplätzen bewältigen im täglichen Wechsel die Route zum Gradierbau. Siebenmal pro Tag gehe es dann vom Rosengarten die Saale hoch.
Die Schiffe kommen zusammen auf etwa 1300 Betriebsstunden, auch wenn nach Corona das Angebot beschränkt wurde. Nach der letzten Fahrt der Saison ging es zurück in den Hafen, das heißt, die beiden Schiffe wurden an der Kaimauer fixiert, die im Bereich der Salinenpromenade liegt. Auf dem dortigen Grundstück liegen auch die Schienen, damit die Schiffe in ihr Winterquartier gefahren werden können – mithilfe eines historischen Eichler-Traktors und 14 Pferdestärken.
Was im laufenden Betrieb nicht geht
Dann ging es erstmal an die Arbeiten, die sich im laufenden Betrieb nicht erledigen lassen. Motoren und Getriebe werden überprüft, die Steuereinheit wird kontrolliert und die Sitze werden teils abgebaut, damit man an die „Bilge“ herankommen und Ausbesserungsarbeiten vornehmen kann. „Bilge?“ – „Das ist der Bereich zwischen Fußboden und Kiel“, so die Antwort der Fachleute, die auch betonen: „Die Schiffe gehen nicht ohne gründliche Überprüfung ins Winterlager. So sind sie für die nächste Situation vorbereitet.“
Gerade Corona habe gezeigt, dass ein solches Vorgehen mehr als sinnvoll sei, denn in den drei Jahren Stillstand – von 2020 bis 2022 – hätten sich mögliche Schäden noch verschlimmert. Dagegen werden die Arbeiten am Außenbereich der beiden Schiffe erst an Land gemacht. Säubern und Abdampfen stehen ebenso auf dem Programm, wie die Suche nach schadhaften Stellen.
„Die neuralgischen Punkte befinden sich an der Wasserlinie“, so Helmut Fischer, dessen Familie 1882 den Schifffahrtsbetrieb vom Gründer Carl von Paschwitz übernahm. Für Rostschäden unter Wasser fehle der Sauerstoff, was darüber liegt, trocknet, so Fischer. Doch auch Kratzer und Dellen müssen ausgebessert werden.
Biber sorgt für Treibholz
Ursachen hierfür können einerseits niedrige Wasserstände sein, was im aktuellen Jahr nicht der Fall war und bei einem Meter Tiefgang das geringe Übel ist, und andererseits das Treibholz. In der Verantwortung der Saaleschifffahrt GmbH liegt das Freihalten der Fahrrinne und hier sind Fischers Mitarbeiter des Öfteren gefordert, denn die Saaleufer sind Biber-Gebiet.
Für das Einsetzen der Schiffe in die Saale, wie auch das Anlanden am Ende der Saison ist ein Kran erforderlich. So steht an diesem nebligen Herbstmorgen ein rotes Ungetüm der beauftragten Kranfirma am Saaleufer, hat die Aufleger ausgefahren und macht sich bereit, die zehn Meter langen und zehn Tonnen schweren Schiffe an Land zu heben und diese mit einem sanften Schwenk auf die vorbereiteten Loren abzulassen. Was so einfach klingt, erfordert ein gefühlvolles Händchen beim Kranführer sowie sicheres Handling und eindeutige Kommandos bei den Helfern.
Gute Vorarbeit ist wichtig
Hand in Hand geht es bei den Abläufen. Die Gurte sind an einer Traverse befestigt, die exakt die Breite der Boote hat, damit diese beim Anheben nicht gequetscht werden. Zudem müssen die Gurte für die Tonnen schweren Boote unter Wasser an die richtigen Stellen manövriert werden, denn aufgrund der Dieselmotoren habe die Boote eine ungleichmäßige Gewichtsverteilung – außerdem dürfen die Gurte nicht verdreht sein.
Winterquartier im alten Café
So sind die richtigen Vorarbeiten der Garant dafür, dass die Boote angehoben werden können, wie riesige Spielzeuge in den Gurten hängen und mit Maschinenkraft über das Saaleufer schweben, bevor sie zielgenau auf den Loren abgesetzt werden. Auch das erfordert nochmals Augenmaß, denn der Bugbereich müsse genau in den Holzkeilen sitzen, während der Kiel des Hecks mittig platziert werden muss.
Daumen hoch und ein kräftiges „Passt scho“ signalisieren dem Kranführer die richtige Position. Nach zwei Stunden stehen die „Kissingen“ und die „Saline“ stabil auf den Schienen ins Winterquartier, dem ehemaligen Café Neptun, in dem der Charme des letzten Jahrhunderts dank des verblassenden Deckengemäldes noch sichtbar ist.
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