Eine Woche ohne Smartphone. Für die einen kein Problem, für viele andere eine schwierige Prüfung. Zu welchen ich zähle, das wollte ich in einem Selbstversuch herausfinden.
Das Handy ist aus dem Leben der meisten Menschen nicht mehr wegzudenken. Vom Banking bis zum Telefonieren vereint der Gegenstand alle möglichen Funktionen ineinander. Nicht Weniges davon ist für uns heute komplett normal.
Dabei denken wir oft gar nicht mehr darüber nach, dass es früher für bestimmte Funktionen eigene Geräte gab. Etwas, das mich gleich zu Beginn vor ein Hindernis stellte.
Bitte aufstehen
Vor dem Experiment habe ich vorrangig über Sachen wie Banking, Musik und Social Media nachgedacht. Was mir anfangs nicht in den Sinn kam, war etwas eigentlich Banales und dennoch Essenzielles. Denn: Kein Handy bedeutete auch keinen morgendlichen Alarm.
Um dieses Problem zu umgehen, gab es nur einen realistischen Lösungsansatz – ein Wecker musste her. Gibt es sowas überhaupt noch? Ein kurzer Blick ins Netz – ja, gibt es noch. Wie es der Zufall wollte, gab es wenig später in einem Drogeriemarkt ein entsprechendes Angebot. Eigentlich wollte ich nicht extra Geld ausgeben, allerdings: Niemand aus meinem Bekanntenkreis besaß ein solches Relikt aus vergangener Zeit. Was man nicht alles tut.
Mit dem Wecker im Inventar konnte das Experiment starten.
Push-Nachrichten aus Ihrer Region
Alte Angewohnheiten
Menschen, die ihr Handy schon mal vergessen oder sogar verloren haben, kennen den Reflex vielleicht: Man greift aus reiner Gewohnheit immer mal wieder zur Hosentasche – nur um dann ins Leere zu tasten. Gerade am ersten Tag erging es mir mehrmals so. Egal, ob es einfach nur darum ging, die Uhrzeit zu prüfen, oder kurz zu schauen, was es Neues auf Instagram gibt. Schnell wurde klar, wie sehr man an das Handy gewöhnt ist.
Stellenweise wurde ich auch tatsächlich etwas nervös – verpasse ich irgendwas? Geht ein Anruf oder eine Nachricht ins Leere, deren Inhalt vielleicht wichtig gewesen wäre? Gerade am ersten Tag verspürte ich deswegen immer wieder denselben Drang: für einen winzigen Moment das Handy wieder herauszukramen. Doch dann wäre das Experiment natürlich gescheitert. Ablenkung wurde deswegen auch für die folgenden Tage zum Credo.
Musik ist nicht gleich Musik
Sport erwies sich als eine Aktivität, bei der das Handy nicht wirklich fehlte – dachte ich zumindest. Ich bin einer dieser Fitnessstudiogänger, die immer ihre eigene Musik hören. Menschen, die bereits mehr als ein Studio von innen gesehen haben, können sich vielleicht vorstellen, warum. Musik gibt es zwar immer, aber diplomatisch ausgedrückt: Geschmäcker sind verschieden.
Das Smartphone während der Pausen nicht aktiv zu nutzen, war am Ende tatsächlich nicht das Problem. Aber da das Handy gleichzeitig als MP3-Player diente, war dies eine weitere Sache, auf die es zu verzichten galt. Abhilfe gab es hier keine, weswegen ich mich den aktuellen Charts ausgesetzt sah. Ob dann gar keine Musik besser gewesen wäre, bleibt eine offene Frage.
Kontakt gegen Null
Wie hält man in der modernen Zeit Kontakt zu Menschen aus einer anderen Stadt – ohne Smartphone? Ich hätte Briefe verschicken können, aber mit einer Antwort wäre wahrscheinlich erst nach dem Experiment zu rechnen gewesen. Glücklicherweise treffe ich mich ab und zu online mit guten Freunden, um den Abend mit einem Computerspiel ausklingen zu lassen. So konnte ich immerhin mit ein paar Menschen in Verbindung bleiben.
Beim Rest ging der Kontakt wenig überraschend auf Null runter. Das klingt jetzt dramatischer, als es letztlich war, immerhin handelte es sich nur um eine Woche. Und mal nicht erreichbar zu sein, hatte auch durchaus seinen Charme.
Angst, etwas zu verpassen
Das Gefühl, etwas nicht mitzubekommen, bezog sich nicht nur auf Anrufe und Nachrichten. Auch Social Media war dabei ein Faktor, der sich im Verlauf allerdings als durchaus positiv darstellte. Es gibt die sogenannte „Fear of Missing Out” (Fomo), also die Angst, etwas zu verpassen. Das Scrollen durch die sozialen Netzwerke kann das Gefühl auslösen, das eigentliche Leben zu verpassen. Während wir Bilder von tollen Partys oder Urlauben sehen, bereuen viele, nicht auch dort zu sein.
Was ich in den nächsten Tagen erfuhr, war jedoch das genaue Gegenteil – die Joy of Missing Out. Ein Gegenkonzept, mit dem man den bewussten Verzicht auf soziale Medien bezeichnet. Damit soll die persönliche Lebensqualität gesteigert werden, indem man nicht ständig das Gefühl hat, etwas zu verpassen.
Und tatsächlich: Nicht durchgehend mit den großartigen und gestellten Fotos des Bekanntenkreises konfrontiert zu werden, hatte durchaus etwas Befreiendes. Es nahm Druck aus dem eigenen Alltag, da man nicht das Gefühl hatte, sein Leben sei im Vergleich langweilig.
Gewöhnung ist alles
Wie sagt man so schön: Der Mensch kann sich an alles gewöhnen. Ab dem dritten Tag habe ich zwar immer noch vereinzelt zum nicht vorhandenen Handy gegriffen, aber deutlich weniger. Auch die Sorge, etwas zu verpassen, war längst nicht mehr so intensiv – erreicht mich halt keiner, na und? Hätte ich in dieser Zeit tatsächlich einen wichtigen Anruf erwartet, wäre das aber wahrscheinlich wieder anders gewesen.
Mit Tag vier habe ich allgemein immer weniger an das Smartphone gedacht. Nur ab und an gab es Momente, in denen ich gerne mal eine Nachricht verschickt hätte – etwas, das bis zum Ende so blieb. So war ich am Ende des Experiments dennoch froh, als ich verkünden konnte: Ich bin wieder da und habe jetzt sogar einen Wecker.















