„Wir sollten die schönen, kraftschöpfenden Momente nutzen, um Energie für die belastenden Dinge des Lebens zu schöpfen.“ Mit dieser Erkenntnis verlässt Diakon Maik Richter nach fünf Jahren seelsorgerischen Wirkens die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Bad Kissingen. Mit einem würdevollen Gottesdienst wurde er in der Erlöserkirche entpflichtet, damit er am 1. April bei der Rummelsberger Brüderschaft im Nürnberger Land eine neue Aufgabe als neuer Brüderhausleiter beginnen kann.
Mit einem Gottesdienst zur Verabschiedung wurde Diakon Maik Richter durch Dekan Oliver Bruckmann und im Beisein von kirchlichen sowie weltlichen Würdenträgern entpflichtet, so dass er das neue Amt übernehmen kann. Geleitet wurde der feierliche Palmsonntags-Gottesdienst von Pfarrerin Jaqueline Barraud-Volk, Pfarrerin Dorothea Greder und Pfarrer Thomas Volk. Unterstützt wurde der Gottesdienst durch Carl-Philipp Hintz und Diakon Thomas Ortlepp bei den Lesungen, musikalisch untermalt durch Kirchenmusikdirektor Jörg Wöltche mit Roman Riedel und Reinhold Roth.
„Wir sind traurig, dass du gehst“
Pfarrerin Barraud-Volk betonte die Wertschätzung für den scheidenden Diakon als Verantwortlichen für die Gäste- und Tourismusseelsorge sowie die Seniorenheimseelsorge und Seniorenarbeit und bekannte: „Wir sind traurig, dass du gehst“, auch weil nun eine Vakanz auf der, für Bad Kissingen sinnvollen Position sein werde.
In der Predigt gestand Maik Richter: „Es ist ein komisches Gefühl, zum letzten Mal auf dieser Kanzel zu stehen und zu ihnen zu sprechen.“ Leitfaden seiner Predigt war der Bibeltext „Alles hat seine Zeit“, der scheinbar ein Patentrezept für ein gelingendes Leben sei, „wenn wir alles zur richtigen Zeit tun“. Im Prediger 3,1-14-Text seien aber auch Begriffe wie „töten“ oder „hassen“ genannt, die weniger zu einem gelingenden Leben passen, sondern eher Lebensbeobachtungen seien und den Menschen in Gegensätzen darstelle: Gewinnen – verlieren, behalten – wegwerfen, weinen – lachen oder schweigen – reden.
Gestalten, wo es möglich ist
Für Maik Richter sind diese Gegenüberstellungen scheinbar Beispiele dafür, dass die Menschheit sich abmühe und trotzdem keinen Schritt vorankomme. Für ihn sind sie jedoch ein Abbild der Lebenswirklichkeit und eine Aufforderung zugleich, das Schöne zu genießen und nicht zu grübeln über das, was wir nicht ändern können – sein Fazit: „Wir sollten gestalten, wo es uns möglich ist.“ Daraus ergebe sich der Bezug zu Gottes Ewigkeit, „die uns als Sehnsucht ins Herz gelegt wurde“. Gerade im Bereich der Seniorenheimseelsorge war er auch ein „Begleiter auf dem letzten Weg“ und gerade die Erlebnisse mit Sterbenden hätten das eigene Bewusstsein geschärft und die Erkenntnis vermittelt: „Man soll nicht an Dingen festhalten, die vergehen.“
Im Rahmen der liturgischen Entpflichtung ging Dekan Oliver Bruckmann vom evangelisch-lutherischen Dekanat Schweinfurt auf die Bad Kissinger Stationen von Diakon Maik Richter ein, der im Jahr 2021 mit zwei halben Stellen in der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde startete. Mit seiner Zuständigkeit für die Seniorenseelsorge und die „Kurseelsorge“, sei Maik Richter ein „Glücksfall für Bad Kissingen“ gewesen, wobei ihm neben den Gottesdiensten die „Arbeit für die Seele“ der anvertrauten Menschen besonders wichtig gewesen sei. Als „integrativer Netzwerker“ habe er sich aber nicht nur in der Seelsorge verdient gemacht, sondern auch durch sein überörtliches Wirken im Dekanatsbezirk Schweinfurt oder beim Förderverein der Staatsbad Philharmonie, wo er Verantwortung in schwieriger Zeit übernahm. Für die anstehenden Aufgaben wünschte Dekan Bruckmann „Gottes reichen Segen“.
Gelassen und bodenständig
Der umfangreiche Reigen der Grußworte begann mit Oberbürgermeister Dirk Vogel, der ebenfalls das Engagement im Förderverein lobte. „Wir brauchen mehr Maik Richter, nicht nur in Bad Kissingen“, lobte Vogel Richters authentische Art. Martina Greubel, Seniorenbeauftragte der Stadt, lobte ihn als „Mutmacher und wertvollen Ansprechpartner“, der nicht nur die Senioren-Weihnachtsfeiern bereicherte. Für die Staatsbad GmbH dankte Timor Tully für die engagierte Arbeit Richters, die nicht messbar, aber spürbar gewesen sei, und für die Zuversicht, die in vielen Gesprächen vermittelt wurde. Für die ökumenische Kurseelsorge bedankten sich Petra Müller und Susanne Köhler für die vertrauensvolle und effektive Zusammenarbeit und lobten Richters Gelassenheit und seine Bodenständigkeit.
Weitere Grußreden kamen von Kirchenrat Karsten Schaller, der Maik Richter als „wandelnde Heilquelle“ würdigte, von Petra Schnitzler für den Fachbeirat Altenheimseelsorge, die die verlässliche Präsenz im Beirat lobte, und von Christine Wissing als Verantwortliche für die Parkwohnstift-Gottesdienste. Lob für Richters Teamarbeit in Bad Kissingen kam von Renate Käser, die die Landessynode vertrat, und Pfarrer Wolfgang Weich würdigte Richters Engagement in den ihm anvertrauten Gruppen.
















