Mitten im Rakoczy-Fest bittet traditionell am Samstagabend Fürst Férenc Rákóczi II. zum Tanz. Für Timo Baier (61) war es in diesem Jahr der 25. Auftritt als Namensgeber des Rakoczy-Festes. Die Aufregung der Anfangsjahre sei zwar einer gewissen Routine gewichen, berichtet er, trotzdem fülle er die Rolle sehr gerne aus: „Wenn ich keinen Spaß hätte, würde ich es nicht machen.“
Klicken Sie sich durch die schönsten Bilder vom Festball:
Der Rakoczy-Ball lockte in diesem Jahr nach offiziellen Angaben 415 Gäste an, deutlich mehr als in den Vorjahren. Das lag auch daran, dass heuer erstmals seit Jahrzehnten im Juni keine Rosenball stattfand. Somit war der Rakoczy-Ball der einzige Ball des Jahres.
Timo Baier ist nach eigenen Worten bereits seit Jahren auf der Suche nach einem Nachfolger. „Wenn wir jemanden finden, der passt, dann ziehe ich mich gerne zurück“, sagt der 61-Jährige. Was ist das Anforderungsprofil? „Eine gewisse Körpergröße“ gehöre dazu, den ungarischen Freiheitskämpfer darzustellen, zudem solle er nahbar sein und vor allem Spaß am Feiern haben. Denn die vielen Termine könne nur durchstehen, wer Geselligkeit schätze.
Das waren die Vorgänger
Vor ihm seien Franz Laudenbach zehn Jahre und Fritz Angerer drei Jahre in die Rolle des ungarischen Fürsten Férenc Rákóczi II. geschlüpft. Übrigens die einzige dargestellte historische Persönlichkeit, die selbst nie in Bad Kissingen weilte. Gekürt wurden die Darsteller damals laut Baier ausschließlich von Hubertus Wehner, dem Leiter der Kurgärtnerei.
Wehner sei im Jahr 2002 auf Timo Baier aufmerksam geworden, weil ihm Ähnlichkeit mit dem Rákóczi-Denkmal von Imre Varga in Bad Kissingen nachgesagt wurde: „Die Figur ist mit wallendem Haar und Bart dargestellt, wie viel Ähnlichkeit das zur historischen Persönlichkeit hat, ist fraglich.“ Mittlerweile besetze ein Gremium aus Mitgliedern des Fördervereins und Vertretern der Staatsbad GmbH die Rollen der offiziellen historischen Persönlichkeiten.
Für Geschichts- und Kostüminteressierte
Der Rakoczy-Ball hat sich in den vergangenen Jahren auch immer mehr zum Kostümball entwickelt, der Geschichts- und Modeinteressierte aus ganz Deutschland und darüber hinaus anzieht. Viele Kostüme sind dabei historischen Vorbildern täuschend ähnlich nachempfunden, andere sind phantasievolle Eigen-Kreationen. Bewundern lassen können alle Ballgäste ihre Garderobe bei der Gläser-Polonaise durch Kurgarten und Wandelhalle. Tausende Schaulustige fotografieren und filmen die historischen Persönlichkeiten und das illustre Gefolge.
Zu Beginn des Balles gibt es traditionell einen Abriss der Geschichte des Weltbades: Die 21 Darsteller von Minnesänger, Kaiser-Paar, Zar, Königen, Künstlern und Wissenschaftlern werden einzeln vorgestellt. An der Seite von Fürst Férenc Rákóczi II. eröffnete Quellenkönigin Lea Söder souverän den diesjährigen Ball und gratulierte Timo Baier zu seinem Jubiläum. Die Quellenkönigin wird jedes Jahr neu bestimmt und symbolisiert die Heilquellen der Stadt. Beide gemeinsam führten die Gläser-Polonaise an. Mit dabei war auch die Gruppe „Rondo Historica“.
Salon-Orchester der Staatsbad Philharmonie und Gloria Sextett
Durchs Programm führte Marcus Lipsius als Hofmarschall. Die Vorstellung der historischen Persönlichkeiten wurde in diesem Jahr auf rund 40 Minuten verkürzt, um den Ballgästen viel Zeit zum Tanzen zu ermöglichen. Choreograph Tino Paunack von „Tinos Dance World“ hielt im Hintergrund die Fäden in der Hand. Für die passende Tanzmusik sorgten das Salon-Orchester der Staatsbad Philharmonie Kissingen und die Band „Gloria Sextett“. Mehrere Dutzend Besucherinnen und Besucher verfolgten den Ball in diesem Jahr vom Balkon aus.
Für Daniel Bahn, Kämmerer der Stadt Bad Kissingen und Geschäftsführer der Staatsbad GmbH, war es in diesem Jahr der erste offizielle Festball. „Wir sind sehr zufrieden, der Abend war sehr gut besucht und die Stimmung herausragend“, lautet seine Bilanz. Die zahlreichen Akteure hätten eine wunderbare Mischung aus lebendiger Geschichtsstunde und Raum zum Tanzen geschaffen.











































