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Kissinger Sommer 2026
Gala-Konzert glänzend gerettet: Mirjam Mesak mehr als nur eine Vertreterin
Opern- und Operettengala beim Kissinger Sommer
Die Opern- und Operettengala mit dem Münchner Rundfunkorchester unter der Leitung des Dirigenten Mihhail Gerts. // Julia Milberger
Bad Kissingen – Und jetzt also wieder einmal eine Opern- und Operettengala beim Kissinger Sommer. Vor zehn Jahren brach diese Tradition ab. Jetzt lebte sie wieder auf.

Nun war das Münchner Rundfunkorchester wieder einmal da: Zum einen, weil zum Jubiläumsfestival Solisten und Klangkörper eingeladen waren, die an der Geschichte des Kissinger Sommers mitgeschrieben haben; zum anderen, weil sie für diese Art von Veranstaltung ganz einfach das richtige Orchester sind. Allerdings stand nicht Ivan Repušić, der Chef, am Pult, sondern Mihhael Gerts, ein Gastdirigent. Die Solisten waren Mirjam Mesak (Sopran) und Daniel Behle (Tenor). Annekatrin Hentschel moderierte für die Menschen an den Rundfunkgeräten.

Das Programm war mit gutem Bedacht und mit Blick auf das Motto zusammengestellt. Es war bestückt mit Komponisten, die irgendwann in ihrem Leben einmal in Bad Kissingen waren. Es waren keine kleinen Lichter der Oper und Operette, die da zur Kur an die Saale gekommen waren. Und das Programm war – im Gegensatz zu früher – nicht so auswuchernd, sondern angenehm kompakt und zeitlich bekömmlich: sechs Lieder und Arien und am Schluss ein Duett, dazu Orchesternummern, das war sehr kurzweilig, und man wusste am Ende noch, was man am Anfang gehört hatte.

Zur Eröffnung drängte sich Gioachino Rossinis berühmteste Ouvertüre zu „Wilhelm Tell“, jenes charakteristische Stück Musik, das die Violoncelli mit dem Sonnenaufgang eröffnen, das in die Schweizer Idylle führt, bis plötzlich die Trompeten mit einer dröhnenden Fanfare die Freiheitskämpfer auf ihren siegreichen Weg führt. Das war so mitreißend musiziert, dass es die ersten Bravos bereits nach der Ouvertüre gab. Für Bad Kissingen eher ungewöhnlich.

Ein erstaunliches Ergebnis

Der eine oder die andere mag bedauert haben, dass Vera-Lotte Boecker, die für die Sopranpartien eingeladen war, kurzfristig aus gesundheitlichen Gründen absagen musste. Für sie sprang noch kurzfristiger Mirjam Mesak, Ensemblemitglied der Münchner Staatsoper, ein. Und die konnte das Programm retten, weil sie in der kurzen Zeit mit nur zwei Proben (einmal mit Klavier, einmal mit Orchester) die Hälfte davon neu lernen konnte. Umso erstaunlicher das Ergebnis. Bei der Arie „Una voce poco fa“ aus Rossinis „Il barbiere di Siviglia“ merkte man sofort, dass sie keine Italienerin ist, denn sie sang absolut textverständlich. Mühelos gelang ihr der stilistische Umstieg zu Giacomo Meyerbeer und der Grande Opéra in „Robert le diable“. Die Cavatine „Robert, toi que j’aime“ gilt als Höhepunkt der französischen Grand Opéra. Und man verstand warum. Die enormen technischen Schwierigkeiten, die Meyerbeer hier eingebracht hat, meisterte Mirjam Mesak souverän mit absolut sicherer Intonation bei großen Intervallsprüngen und komplizierten Verzierungen. Aber man glaubte ihr auch ihre heftigen Appelle an Roberts Menschlichkeit, anrührend begleitet von einem Englischhorn.

Eines der schönsten Lieder von Richard Strauss

Eigentlich passte es vom Genre des Kunstliedes her nicht ins Programm, aber sicher hätte niemand darauf verzichten wollen: auf eines der schönsten Lieder von Richard Strauss: „Morgen“. Mirjam Mesak sang es so leise und intim, wie es die ideale Akustik des Saales hergab, mit großer Ruhe und Glaubwürdigkeit. Und die Streicher begleiteten genauso leise und kontrolliert – und verbindlicher, als es das Klavier kann. Ihr letzter Einzelbeitrag war Kontrast total: „Ich bin eine Frau, die weiß, was sie will“ von Oscar Straus. Köstlich hochnäsig, (oder arrogant), selbstbewusst bis zum Unerträglichen und eingebildet bis dorthinaus diktiert sie einem Reporter ein Interview in die Feder – und die Fragen gleich mit.

Daniel Behle startete seinen Solobeitrag mit der Opéra comique, mit „Madame blanche“ von François-Adrien Boieldieu, einer etwas verworrenen Geschichte um ein zum Verkauf stehendes Schloss, in dem es Gespenster geben soll. Nachts war er auch zugange in dem Lied „Es muss was Wunderbares sein, von dir geliebt zu werden“ aus Ralph Benatzkys Operette „Im Weißen Rößl“. Das schreibt der Zahlkellner Leopold in sein Tagebuch und denkt dabei an seine Chefin. Zum Schluss sangen die beiden (und tanzten ein bisschen) das Duett „Mein Liebeslied muss ein Walzer sein“ von Robert Stolz aus dem „Weißen Rößl“ und surften dabei auf dem Sechsachteltakt.

Warum das Publikum mitklatschte

Die Orchestersätze passten natürlich sehr gut dazu. Nach Rossinis „Tell“-Ouvertüre rahmten zwei Konzertwalzer von Alexander Glasunow die Pause ein, sehr elegant und farbig gesetzt und ebenso musiziert. Dann durfte Benatzkys Medley aus dem „Weißen Rößl“ nicht fehlen, das das Publikum zum Mitklatschen brachte.

Daniel Behle ist auch Komponist. Er sitzt gerade an seiner zweiten Operette „Schmetterling“, in der es – worum sonst? – um Gut und Böse gehen soll. Viel mehr ist nicht zu erfahren. Aber die Ouvertüre ist fertig und erlebte jetzt ihre Uraufführung. Der erste Eindruck war der der Zeitlosigkeit. Man spürt sofort den Geist der Operette, weil Behle die traditionellen Bausteine und Rhythmen verwendet. Aber sie ist spannend, weil er sie in eine moderne, entschlackte Klangsprache packt, die sie sehr gut genießbar macht, der man sich nicht entziehen kann. Man muss ganz einfach zuhören.

Kompliment für Dirigent

Bleibt nur eine Frage offen: War das Münchner Rundfunkorchester damals in seinen jährlichen Operngalas schon so fabelhaft wie dieses Mal? Die Frage ist nicht leicht zu beantworten, und ein Vergleich ist schwierig. Denn das Orchester hatte nur sehr selten das Glück, nicht von Johan M. Arnell dirigiert zu werden. Auch so kann man Mihhael Gerts ein dickes Kompliment machen.

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