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Kissinger Sommer 2026
Lisa Batiashvili and Friends: Interpretation aus einem Guss
Lisa Batiashvili and Friends
Lisa Batiashvili and Friends waren zu Gast beim Kissinger Sommer 2026. // Julia Milberger
Bad Kissingen – Die Geigerin Lisa Batiashvili war für ihren zweiten Auftritt beim Kissinger Sommer wieder fit

Leider hatte die Geigerin Lisa Batiashvili ihr erstes Konzert im Jubiläumsfestival aus gesundheitlichen Gründen absagen müssen. Da hatte sie mit dem BBC Symphony Orchestra und Sakari Oramo das 1. Violinkonzert von Magnus Lindberg spielen sollen und wollen. Schade. Aber für ihren zweiten Auftritt war sie wieder fit, dieses Mal unter dem Label: „Lisa Batiashvili & Friends“.

Das waren im Rossini-Saal die Pianistin Nino Gvetadze und das Schumann-Quartett – nicht benannt nach dem gleichnamigen Komponisten, sondern aus eigener Kraft: Erik Schumann (1. Violine), Ken Schumann (2. Violine) und Mark Schumann (Violoncello), drei Brüder, die sich nach der Hausmusik entschlossen haben zusammenzubleiben. Der Viola-Posten allerdings scheint in dem Quartett der Schleudersitz zu sein. Nach Ayako Goto, Liisa Randalu und Veit Hertenstein ist seit diesem Jahr Matthew McDowell der vierte Bratschist, der zwischen der 2. Violine und dem Violoncello Platz genommen hat.

Vom Duo bis zum Konzert

Die Besetzung ermöglichte ein abwechslungsreiches Programm vom Duo bis zum Konzert. Lisa Batiashvili und Nino Gvetadze spielten die Sonate für Klavier und Violine Nr. 1 d-Moll op. 75 von Camille Saint-Saëns. Ein spannender Auftakt, weil Saint-Saëns als Kammermusikproduzent zumindest in Deutschland relativ unbekannt ist. Aber auch, weil sich Saint-Saëns in seiner Kammermusik, aber besonders in der 1. Sonate, als ein gnadenloser Tonsetzer zeigt, der von seinen Interpreten eine enorme Virtuosität verlangt, die aber nicht in den Vordergrund treten darf.

Sie schienen die Sonate schon öfter gemeinsam aufgeführt zu haben, denn sie verstanden sich blind. Zum einen in der völlig unauffälligen Spielweise ohne große Gestik – ein paar schnelle Blicke genügten. Aber auch in den Klangvorstellungen.

Nino Gvetadze spielte mit einem klaren, trockenen Anschlag, der ihr Platz für Differenzierungen der Klangfarben ließ. Und Lisa Batiashvili ist nun mal eine fabelhafte Technikerin mit den geringsten „Arbeitsgeräuschen“ etwa beim Saiten- oder Lagenwechsel, die ein vollkommen bruchloses, unverkratztes Legato spielen kann. Die Klarheit der Beiden kam der spätromantischen Sonate und ihren traditionellen Strukturen entgegen in der Darstellung und Bearbeitung der Themen, in der Gestaltung von Kontrasten und in der agogischen Umsetzung. Das war eine mitreißende Interpretation aus einem Guss.

Kurz und komprimiert

Dann kam das Schumann-Quartett zu Wort mit Ludwig van Beethovens Streichquartett Nr. 11 f-Moll op. 95 mit dem Beinamen „Quartetto serioso“. Es ist eines von Beethovens komprimiertesten Quartette, das eine gewisse Härte ausstrahlt. Das Schumann-Quartett wurde Beethoven mit seiner Interpretation sehr gut gerecht: Der erste Eindruck war der von Zielstrebigkeit. Die vier Herren wussten ganz genau, was sie taten, und das bekam dem Vortrieb der Musik gut. Der zweite Eindruck: Sie konnten Möglichkeiten für Überraschungen aufspüren und diese dann auch umsetzen. Wie im ersten Satz, der mit einem energischen Thema beginnt, aber plötzlich gestoppt wird. Es wird von der 1. Violine mit einer versöhnlichen Melodie beantwortet. Der Konflikt und die Spannung aus der Situation ließen sich bis zu dem leisen Schluss verfolgen.

Melancholisches Finale

Im Kontrast dazu stand der zweite Satz mit einer weich musizierten Fuge und schönen, etwas lakonischen Dialogen der Stimmen. Das unruhige marschartige Scherzo mit seinem federnden Galopp, in dem das Thema schön weitergereicht wurde, leitete über zu einem melancholischen Finale, das mit einer heiteren, schnellen, wirkungsvollen Coda endete.

Und schließlich das Konzert D-Dur für Violine, Klavier und Streichquartett op. 21 von Ernest Chausson. Es ist ein seltsames Gebilde, das da entstanden ist. Zum einen, weil man sich fragt, warum Chausson kein Orchesterkonzert geschrieben hat. Aber die Idee ist wohl dem Bestreben geschuldet, mit der Kammermusik orchestrale Wirkung zu erzielen. Dann stellt sich die Frage, ob das Ganze nicht ein Konzert für Violine und Klavierquintett ist. UndDie Solovioline setzt sich nicht ab von der Begleitung, weil das auch nur Einzelkämpfer sind.

Es wurde eine spannende Angelegenheit. Lisa Batiashvili konnte sich gut gegen den Rest behaupten. Auch klanglich gab’s keine Probleme mit der Unterscheidung. Das Klavier war „Mitglied“ des Streichquartett, schlug sich auch manchmal auf die Seite der Solovioline und brachte sich als Vermittler ein.

Mit reizvollem Schluss

Nachdem dieses Werk orchestral gedacht war, wurde es so gespielt: mit vielen Dialogen und Themenübergaben, konfrontativ, aber nicht aggressiv und mit einem guten Gespür für eine mitreißende Agogik, mit einem Hauptthema, das in allen Sätzen erkennbar wurde, und mit einem reizvollen Schuss Wagnerscher Chromatik.

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