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Bismarcks Basement
Franken trifft Balkan in Jazzklängen
Die Kombo Kilian, Kolonat und TonArt in Bismarcks Basement.
Die Kombo Kilian, Kolonat und TonArt in Bismarcks Basement. // Philipp Dippl
Kilian, Kolonat und TonArt bei der  langen Museumsnacht im Bismarck‘s Basement.
Kilian, Kolonat und TonArt bei der langen Museumsnacht im Bismarck‘s Basement. // Philipp Dippl
Bad Kissingen – Mission Frankenhymne: Ein Konzert zwischen Heimatliebe und Experimentierfreude eroberte die Herzen – und regt zum Nachdenken über Kulturvielfalt an.

Das Bismarck-Museum in der Oberen Saline feierte Museumsfest und Welterbetag, und die Verantwortlichen haben sich wieder einmal ein reichhaltiges Programm ausgedacht.

Zur langen Museumsnacht am Samstag wartete Bismarcks Basement, in dem traditionelle Jazzkonzerte stattfinden, mit einem ganz besonderen, sehr speziellen Schmankerl auf. Die Kombo Kilian, Kolonat und TonArt lud zu einer Reise durch die unterfränkische Wirtshausmusik, mit Harmonien des Jazz und den Gewürzen des Balkans ein. Welch eine unmögliche Kombination an unterschiedlichsten, unvereinbaren Einflüssen, mag man sich da beim Lesen der Beschreibung denken. Doch bei der Truppe unter der Leitung des eloquenten Kilian Moritz muss und darf vieles mit einem Augenzwinkern gesehen werden.

Kilian, Kolonat und TonArt bei der  langen Museumsnacht im Bismarck‘s Basement.
Kilian, Kolonat und TonArt bei der langen Museumsnacht im Bismarck‘s Basement. // Philipp Dippl

So ist der Bandname nicht nur ein scherzhafter Verweis auf Kilian Moritz selbst, sondern zielt natürlich auf die drei Frankenapostel Kilian, Kolonat und Totnan ab, die gegen Ende des 7. Jahrhunderts mit missionarischem Auftrag aus Irland nach Franken gekommen waren. Und so ist auch das Konzertprogramm an diesem Abend eine Reise zwischen der traditionellen fränkischen Volksmusik und diversen musikalischen Einflüssen.

Die Stücke sind zum allergrößten Teil Eigenkompositionen und lassen sowohl die große Liebe und Leidenschaft zur unterfränkischen und Rhöner Heimat, die langjährige musikalische Erfahrung, aber auch den kindlichen Spaß am Experimentieren erkennen.

Kilian, Kolonat und TonArt bei der  langen Museumsnacht im Bismarck‘s Basement.
Kilian, Kolonat und TonArt bei der langen Museumsnacht im Bismarck‘s Basement. // Philipp Dippl

Die Truppe, die sich Moritz hierfür zusammengestellt hat, ist so außergewöhnlich wie die Musik selbst. Klarinettist Andreas Güntsch stammt ursprünglich aus Kronach, studierte sein Instrument in Würzburg und war auch am dortigen Theater als Musiker tätig, bevor es ihn nach Garmisch Partenkirchen zog und er eine Stelle im dortigen Kurorchester annahm.

Früher unterwegs mit Udo Jürgens

Sebastian Strempel ist eigentlich im Jazz und der Bigband-Musik zuhause. Er stand bereits mit zahlreichen namhaften Künstlern auf der Bühne und begleitete unter anderem Udo Jürgens in seinen Programmen. Seit 1995 unterrichtet er auch Trompete an der Musikschule in Bamberg.

Kilian, Kolonat und TonArt bei der  langen Museumsnacht im Bismarck‘s Basement.
Kilian, Kolonat und TonArt bei der langen Museumsnacht im Bismarck‘s Basement. // Philipp Dippl

Der Serbe Siniša Ljubojević spielt das Akkordeon, und so wurde auch klar, wie die Balkanrhythmen in die fränkische Volksmusik des Quartetts gelangten. Der aus dem serbischen Pancevo stammende Ljubojević erlernte sein Instrument seit frühester Jugend, das Hochschulstudium im Fach Akkordeon in Kragujevac schloss er mit besonderer Anerkennung für herausragende musikalische Leistung ab. Unzählige Wettbewerbe und mehr als 30 nationale und internationale Preise folgten, sodass der noch junge Siniša Ljubojević heute bereits zu den größten Namen seines Fachs zählt. Er studiert im letzten Jahr der Meisterklasse der Musikhochschule in Würzburg und stellte sein Können auf beeindruckende Weise in mehreren Solostücken unter Beweis.

Die Lieder des Quartetts tragen Namen wie „Würzburger Frauen-Ländler“, „Blaue Zipfel“, „Meine Rhöner Heimat“ oder „Die schöne Bio-Winzerin“. Trotz dieser Heimatverbundenheit ist es den Musikern wichtig, zu betonen, dass jeder einzelne seinen musikalischen Background miteinbringen darf und soll, sei es Fränkisch oder Balkan oder Jazz.

Fernseh-Musikchef und Hochschullehrer

Kilian Moritz, der selbst am Kontrabass und der Tuba aktiv wurde, ist nicht nur Musiker. Er, der in Bad Kissingen sein Abitur ablegte und anschließend klassische Musik in Nürnberg und Würzburg studierte, absolvierte ebenfalls ein Studium in Medienrecht und landete danach als Radiomoderator und Redakteur beim Bayerischen Rundfunk, anschließend als Fernseh-Musikchef beim Hessischen Rundfunk. Er ist heute als Hochschullehrer für Journalismus an der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Würzburg-Schweinfurt tätig und beschäftigt sich somit auch wissenschaftlich mit seinem großen Thema des kulturellen Einflusses der fränkischen Volksmusik.

Neue Frankenhymne

So war es ausgemachte Sache, dass schließlich auch das große Werk aus seiner Feder „Die Schöppli hier in Franken – Schütt de Brüh noo“ zum Besten gegeben wurde. Die zahlreichen Zuhörer waren nun dazu aufgerufen, mitzusingen, wofür der ganze 20 Strophen lange Text im Publikum ausgelegt wurde. Das vergnügliche Liedchen wurde in den Medien bereits als neue Frankenhymne bezeichnet und schaffte es im Jahr 2019 in die BR-Sendung Närrische Weinprobe.

Doch Kilian Moritz verbindet mit dem Lied auch eine ganz konkrete Forderung: Er kritisiert die Unterrepräsentation der fränkischen Kultur in Medien und Öffentlichkeit, wo weitgehend nur Bayerisches oder Alpenländisches zu sehen und zu hören ist. Er fordert, dass unterfränkische Kultur und Brauchtum medial stärker zur Geltung kommen.

Ein Ansatz, der nur zu unterstützen ist. Insbesondere wenn dies auf solch sympathische, amüsante und mitreißende Weise passiert. Es ist ihnen viel Glück bei ihrem beinahe schon missionarischen Auftrag zu wünschen.

Historisches Gebäude im Kurpark von Bad Kissingen

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