Die Vorfreude bei den Besucherinnen und Besuchern, den Verantwortlichen des Kissinger Sommers und den Ehrengästen aus Politik, Wirtschaft und Kultur ist am Freitagabend vor dem Regentenbau in Bad Kissingen spürbar. Schon während des Auftritts des Jugendmusikkorps auf der Wiese wird deutlich: An diesem Abend beginnt etwas Großes. Viele Gäste lauschen den Klängen der jungen Musikerinnen und Musiker, fotografieren, Kamerateams machen Aufnahmen.
Gegen 18.30 Uhr treffen die ersten prominenten Gäste des Eröffnungskonzerts des Kissinger Sommers 2024 ein. Ex-Ministerpräsident Günther Beckstein ist da, Eberhard Sinner (Staatsminister a.D.), Johann Böhm (Landtagspräsident a.D.), Herzog Franz von Bayern, Schauspielerin Désirée Nick und die Gründungsintendantin Kari Kahl-Wolfsjäger ebenso. Auch aus Kissingen und dem gesamten Kreis sind viele bekannte Gesichter in Abendkleid und Anzug zu sehen. Neben der Prominenz sind, getreu des Mottos (Berlin), auch einige Dragqueen zur Eröffnung angereist.
Bad Kissingen als Ort der Kultur
Kurze Zeit später: Im Foyer werden Getränke und Snacks zu sich genommen, die Unterhaltungen sind angeregt. Langsam füllt sich der Max-Littmann-Saal, auf dessen Bühne bereits die Musikerinnen und Musiker des BBC Symphony Orchestra unter Dirigent Sakari Oramo Platz genommen haben.
Der Saal ist voll, leere Plätze sucht man vergebens. Bevor das Publikum Carl Maria von Webers "Oberon", Kurt Weils "Der neue Orpheus" und "Ein Sommernachtstraum" von Felix Mendelssohn Bartholdy genießen kann, gehört das Mikrofon den Rednerinnen und Rednern des Abends.
Oberbürgermeister Dirk Vogel, die CSU-Bundestagsabgeordnete und Kuratoriumsvorsitzende Dorothee Bär sowie Intendant Alexander Steinbeis machen den Anfang. Die Stadt Bad Kissingen mit ihrem hochkarätigen Festival kommt (wenig überraschend) sehr gut weg. Immer wieder geht es um das Motto des Festivals: "Ich habe noch einen Koffer in... Berlin".
"Aus dem Geheimtipp der Spree-Schickeria wurde ein 'Place to be' der Berliner Bourgeoisie", sagt etwa Vogel. Und Bär ist überzeugt: "Ich bin mir sicher, dass, ganz egal, wer Deutschland regiert, bessere Beschlüsse fassen würde, wenn diese in Bad Kissingen gefasst würden, als in Berlin." Alexander Steinbeis ist derweil ganz auf die nächsten vier Wochen fokussiert: "Wir haben uns viel vorgenommen und ich wünsche mir, dass möglichst viele von Ihnen uns auf der Reise zwischen Berlin und Bad Kissingen begleiten."
Das sagt Claudia Roth
Am Rednerpult betont Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne): "Wenn die Musik der Liebe Nahrung ist, dann spielt weiter, gebt mir volles Maß! Gerade in diesen schweren Zeiten braucht es Liebe." Man munkle, so Roth weiter, dass es Gründe gebe, nicht nach Bad Kissingen zu kommen. "Aber bestimmt keinen einzigen guten." Das habe sogar Otto von Bismarck bewiesen, der nach dem Anschlag auf ihn in der Stadt trotzdem immer wieder gekommen war.
Bad Kissingen sei nicht nur eine weltbekannte Badstadt, sondern auch ein "sehr, sehr berühmter Ort von Weltkultur". Roth: "Die Eröffnung des 38. Kissinger Sommers ist dafür der schönste Beweis." Das vierwöchige Programm sei gespickt mit Highlights, die Roth beispielhaft aufzählte und das neben Klassik noch viel mehr biete.
Das Festival setze auch Maßstäbe, so Roth, etwa mit dem Techno-Event am Samstag, 22. Juni. "Ich wäre furchtbar gerne dabei, wenn die Post abgeht, mit ganz bekannten Berliner DJs, wenn sich die Bühne des Kurtheaters zum Dancefloor verwandelt. Das wäre auch was für Menschen, die noch nie auf einem Dancefloor waren."
Jubelrufe und Zwischenapplaus zeigen, dass Intendant Steinbeis mit dem Event einen richtigen Riecher hatte. "Das braucht die Kultur: einen Crossover!", unterstreicht Roth - gerade weil Techno und Bad Kissingen Kulturerbe sind.
Auch mit dem Projekt "Gesund mit Musik" gehe der Kissinger Sommer neue Wege, so Roth. Vier Konzerte werden live in Pflegeheime, Krankenhäuser und andere Einrichtungen übertragen, um es Menschen, die die Konzerte nicht besuchen können, zu ermöglichen dabei zu sein. Claudia Roth lässt es sich nicht nehmen, zu betonen: "Der Anschub für dieses einzigartige Projekt kam aus meinem Haus."
Roth beendet ihre Rede mit: "Lassen Sie sich bezaubern, lassen Sie Ihre Herzen streicheln, Ihre Seelen beglücken - und morgen Abend mit Techno."
Markus Blume rührt die Werbetrommel
Der bayerische Staatsminister für Wissenschaft und Kunst, Markus Blume (CSU), weiß, dass das Publikum eigentlich auf die Musik wartet. Trotzdem: "Claudia Roth war für das Programm zuständig, ich soll den Tourismus-Werbeblock für Kissingen übernehmen. Da müssen Sie jetzt einfach noch ganz kurz durch."
Der Kissinger Sommer sei "ein Festival der Extraklasse", so Blume. Denn: "Sie gehen als erste an den Start und eröffnen den bayerischen Festivalsommer." Zudem sei es in Kissingen anders: "Es ist lockerer, auch kleidungstechnisch. Es ist das Gute-Laune-Festival in Bayern."
Auch im Wettbewerb um das schönste Festival könne Bad Kissingen ganz oben mitspielen. "Weltbad, Welterbe und Weltklasse in der Musik. Das zeichnet dieses Festival aus."
Außerdem zählt sich der Kissinger Sommer zu den selbstbewusstesten Festivals, wie Blume augenzwinkernd unterstreicht. "Es hat damit angefangen, dass die Welt 2020 getitelt hat: Es muss nicht immer Salzburg sein, warum nicht mal Bad Kissingen? Ich habe gedacht: Das ist super für die Region, eine echte Wertschätzung. Die Bad Kissinger haben mir aber berichtet: Da war ein Fragezeichen in der Überschrift: was für eine Frechheit. Da habe ich gemerkt: Die meinen es echt ernst hier!"
Und nun: Bad Kissingen nimmt es sogar mit Berlin auf. "Ich habe noch einen Koffer in Berlin. Das ist ja nur so zu verstehen: Das ist die Ausnahme, dass man in Berlin ist, eigentlich muss der Lebensmittelpunkt in Bad Kissingen sein."
Eine Ansage an München habe es ebenfalls gegeben: Die Stadt sei, wie Kuratoriumsvorsitzende Dorothee Bär zuvor gesagt hat, "die nördlichste Stadt Italiens". Blume scherzhaft: "Jetzt wollen Sie der Landeshauptstadt diesen Titel strittig machen." Bezogen war das auf das letztjährige Motto des Kissinger Sommers: "La Dolce Vita".
Dass der Staatsregierung das Festival am Herzen liege, zeige die Förderung. "Mit weiteren 50.000 Euro erhält der Kissinger Sommer 300.000 Euro im Jahr und damit eine der höchsten Einzelförderungen in der bayerischen Festivallandschaft." Im nächsten Jahr werde er, kündigte der Minister an, auf Claudia Roth zugehen, um "ein paar Euro aus Berlin zu bekommen".
Der Staatsempfang im Kurgarten-Café
Im Anschluss auf das mitreißende Konzert des BBC Symphony Orchestra mit etlichen musikalischen Höhepunkten steht ein Staatsempfang für geladene Gäste an. Kurdirektorin Sylvie Thormann begrüßt die Gäste und verteilt großes Lob an das Orchester mit Dirigent Sakari Oramo und die Solistinnen. Markus Blume nennt das Konzert einen "Ohrenschmaus" und "Weltklasse". Er sei "nicht zum letzten Mal gekommen", versichert der Minister.
Dorothee Bär (CSU) weiß: "Beim Kissinger Sommer wird jedes Jahr eine Schippe draufgelegt." Beim "Sommernachtstraum", so die Kuratoriumsvorsitzende, "habe ich mich neu in Puck verliebt".
OB Dirk Vogel (SPD) unterstreicht: "Die Stadt Bad Kissingen wäre allein nicht in der Lage, so ein Festival auf die Beine zu stellen. Das geht nur als Gemeinschaftsproduktion: Stadt, Landkreis, Bezirk und Freistaat. Dafür ein großes Dankeschön!"
Bevor das Büfett von noch mehr Gästen gestürmt wird, setzt Intendant Alexander Steinbeis ebenfalls zu einem Dank an: "Der Minister hat Wort gehalten und finanziell etwas draufgelegt. Vielen Dank dafür!"
Zur Eröffnung des Kissinger Sommers 2024: Es folgen Stimmen der prominenten Gäste und ein Konzertbericht.
Weitere Informationen zum Kissinger Sommer: www.kissingersommer.de
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