Das Osterfeuer brannte vor der Erlöserkirche. Von der benachbarten katholischen Stadtpfarrkirche waren die Glocken zu hören, die zur Osternacht einluden. Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm und Pfarrerin Jacqueline Barraud-Volk freuten sich über dieses Zeichen der Ökumene in der Kurstadt.
Dann wurde es für die Geistlichen ernst. Die evangelische Osternacht wurde live im Bayerischen Fernsehen übertragen. „Ein bisschen aufgeregt war sich schon“, bekannte Barraud-Volk im Anschluss.
Volle Kirche
Lange vor Gottesdienstbeginn war die Erlöserkirche voll besetzt. Nicht jeder, der den Gottesdienst gerne besucht hätte, konnte eingelassen werden. Da half nur der Hinweis, schnell nach Hause zu fahren und die Übertragung anzusehen.
Mystisch wirkte das blaue Licht im Altarraum. „Das ist Fernsehdunkel, es wirkt wie Nachtblau“, versicherte Kirchenrätin Melitta Müller-Hansen (Beauftragte Evangelischen Kirche in Bayern für Hörfunk und Fernsehen).
Die Liturgie der Osternacht begann am Osterfeuer. „Wir feiern Christus, unser Licht. Aus der Dunkelheit des Todes nimmt er uns mit ins Licht des Lebens. Und pflanzt eine tiefe Hoffnung in unser Herz“, sagte Bedford-Strohm.
Osternacht in Bad Kissingen mit dem Gospelchor „PraiSing“ in der Erlöserkirche
Hoffnung im Dunkel der Welt
Diese Hoffnung auf Licht und Leben prägte die Osternacht. Doch zunächst der Abstieg in die Dunkelheiten der Welt. „Gebete in der Nacht“, nannte Pfarrerin Barraud-Volk diese Gedanken, die nahe an der Lebenswirklichkeit so vieler Menschen waren, die Sorgen, Nöte, Schmerzen und Leid in Worte fassten.
„Aus der Nachtseite der Welt komme ich zu Dir. In mir ist es finster, aber bei Dir ist das Licht. Ich bin einsam, aber Du verlässt mich nicht“, betete Barraud-Volk stellvertretend für die vielen Menschen, die Tag für Tag in Dunkelheit, Krieg, Krankheit und Ängsten leben.
Gospelchor führte zur Osterfreude
Musikalisch wurden die Worte und Gebete vom Gospelchor „PraiSing“ aus der Klage hin zur Osterfreude geführt. Kirchenmusikdirektor Jörg Wöltche leitet den Chor, Andre Müller spielte Saxophon. Denn im Leid bleibt es nicht. Ostern ist Auferstehung, ist Hoffnung. Die Dunkelheit weicht dem Licht.
„Christus unser Licht“ wurde beim Einzug der Osterkerze gesungen, die als Symbol für Christus als Sieger über den Tod steht. Von ihr breitete sich das Licht zu den vielen kleinen Osterkerzen der Gottesdienstbesucher aus.
Osternacht Bad Kissingen: "Christ ist erstanden"
„Christ ist erstanden“
„Christus ist auferstanden. Sein Licht vertreibt das Dunkel des Todes“, rief der Bischof zum Licht der Osterkerze in die dunkle Kirche. „Christ ist erstanden! Halleluja!“
Das Wissen um die Osterbotschaft gebe Hoffnung und Zuversicht, betonte der Bedford-Strohm in seiner Predigt.
„Der Tod hat nicht gesiegt. Das ist am Grab bei Jesus so. Und das wird auch bei mir so sein. Und das wird am Ende auch die ganze Welt erfahren.“
Viele Menschen haben in schweren Zeiten gesagt: „Wenn ich nicht von Ostern wüsste, dann könnte ich nicht weitermachen. Wenn ich durch die Dunkelheit hindurch das Licht nicht schon sehen würde, dann wäre meine Kraft am Ende.“
Auferstehung: Ein Wunder
Unglaubliches sei damals passiert, so unglaubliches, dass schließlich eine weltweite Hoffnungsbewegung daraus entstand. Bei allen Fragen um die Auferstehung, eines sei sicher: „Dass die Jüngerinnen und Jünger Jesu, die doch völlig am Boden waren, Erfahrungen gemacht haben, die alles geändert haben, die in ihnen große Freude und große Zuversicht ausgelöst haben.“
Auferstehung sei ein Wunder, solche Ostermomente könne jeder, auch heute noch im eigenen Leben erfahren.
Auferstehungserfahrung im eigenen Leben
Von solch einer ganz persönlichen Auferstehung sprach Pfarrerin Jacqueline Barraud-Volk in ihrer Predigt. Vor 30 Jahren erlitten sie und ihr Mann einen Schicksalsschlag und mussten durch ein tiefes Dunkel gehen. „Narben bleiben, aber die Wunden sind verheilt. In dieser Zeit hat Christus mich getragen. Es ausgehalten mit mir, in allen Tiefen.“ Heute gehören zur Familie zwei Töchter. „Aus der Tiefe ist Neues geworden. Das ist meine ganz persönliche Auferstehungserfahrung.“
Selbst solch eine Tiefe erlebt zu haben, gebe die Kraft, die Tiefen anderer mitzutragen.
Zeit für Menschen
Nach dem Abendmahl, vielen Dankesworten und dem Segen standen Bischof Heinrich Bedford-Strohm und Pfarrerin Jacqueline Barraud-Volk bis Mitternacht vor der Kirche und waren für die Menschen da. Händeschütteln, persönliche Worte, Autogramme und eine Buchwidmung. Segensworte für Paare, die seit langem verheiratet sind.
Der Bischof strahlte und lachte. „Weil es mir einfach Freude macht. Das ist das Schönste am Amt, vielen Menschen zu begegnen.“ Reich beschenkt gehe er nach solchen Begegnung nach Hause. „Ich weiß, dass die Kirche nicht immer so gut gefüllt ist. Als Bischof darf ich oft solche wunderschönen Gottesdienste feiern. Die volle Kirche ist ein Geschenk der Gemeinde an den Bischof“.
Im Juni kommt der Landesbischof wieder nach Kissingen
Nach Bad Kissingen wird der Landesbischof in wenigen Woche erneut kommen. Am 18. Juni wird er im Rahmen des Kissinger Sommers, beim Kantatengottesdienst in der Erlöserkirche predigen.
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