Mit dem Konzert der „Armstrong’s Ambassadors“ startete die beliebte Jazzreihe im Bismarck’s Basement in den Konzertkalender des Jahres 2026.
Leider musste sich das Jazz-Sextett an diesem Abend einer scheinbar übermächtigen Konkurrenz stellen. Der allseits beliebte Gassenhauer, die Fastnacht in Franken aus Veitshöchheim, lief im Fernsehen.
Dieser Umstand trug wohl dazu bei, dass auch der ein oder andere Musikfreund es sich lieber zu Hause auf der Couch bei närrischem Fastnachtstreiben gemütlich gemacht hat, als den Weg durch die dunkle Nacht bei ungemütlichem, spätwinterlichem Schmuddelwetter auf sich zu nehmen.
Diejenigen aber, die sich doch aufraffen konnten und den Weg in die Obere Saline fanden, wurden nicht enttäuscht. Mit umso mehr Vorfreude kamen Menschen, die mit Jazz mehr anfangen können als mit fränkisch koloriertem Faschingsklamauk, im ehrwürdigen Keller der Oberen Saline zusammen und durften einem Abend beiwohnen, der sich einem der wohl größten Musiker des 20. Jahrhunderts widmete: Louis Armstrong.
Musikalisches Schaffen von Armstrong
Besser gesagt, die sechs Musiker der „Armstrong’s Ambassadors“ befassen sich mit einer ganz bestimmten Periode im musikalischen Schaffen des Louis Armstrong. Der Musiker aus New Orleans steht wie kaum ein anderer für die Südstaatenmusik, für die Dixielandmusik und für eine frühe Form des Jazz. Man sagt, Jazz würde ohne Louis Armstrong nicht existieren.
Die Hochphase Armstrongs waren wohl die 1920er und frühen 1930er Jahre, als er in fünf- beziehungsweise siebenköpfigen Combos seine berühmtesten Werke einspielte. Lieder wie „Potato Head Blues“, „Struttin’ with Some Barbecue“, „Wild Man Blues“ oder „Heebie Jeebies“ sind Meilensteine der Jazzgeschichte, der Titel West End Blues wurde von Jazzkritikern gar zur Jazzplatte des Jahrhunderts gewählt.
In den späteren 1930er und 1940er Jahren kam die größer besetzten und im Sound wuchtigeren Big Bands mit dem neuen Jazz-Stil des Swing in Mode.
„Louis Armstrong and his All Stars“
Als auch die Zeit der Big Bands schließlich zu Ende ging, kehrte Louis Armstrong wieder zu seinen Wurzeln der kleineren Combos zurück. Armstrongs Manager Joe Glaser, dem zwielichtige Geschäfte und Verbindungen in die Halb- und Unterwelt nachgesagt wurden (wie sonst sollte er es geschafft haben, den schwarzen Musiker Louis Armstrong in den ansonsten von Rassismus und Rassentrennung geprägten USA der 1920er Jahre so groß herauszubringen?) rief im Jahr 1947 die Dixieland-Formation „Louis Armstrong and his All Stars“ ins Leben, ein Sextett, welches in den kommenden 20 Jahren die Welt begeistern sollte. Und es ist genau diese Formation und deren musikalisches Schaffen, welches sich die „Armstrong’s Ambassadors“ mit ihrem sympathischen Bandleader Simon Holliday nun zum Vorbild genommen haben.
Charakter der Musik wiedergeben
Die sechs Musiker, die ganz klassisch in Frack und Fliege vor das Publikum im Bismarck’s Basement traten, haben es sich dabei nicht zum Ziel gemacht, Armstrong’s All Stars bis auf den letzten Halbton zu kopieren. Viel mehr geht es ihnen darum, den Charakter der Musik authentisch wiederzugeben und ein Gefühl dafür zu entwickeln, was diese musikalische Periode ausgemacht hat. Und das gelang der Formation vom Start weg. Mit der Abgebrühtheit, Lockerheit und Coolness, die einem Dixielandmusiker wohl innewohnen muss, performten die Künstler Armstrongs berühmteste Welthits wie „Mack the Knife“, „Hello Dolly“ oder „What a Wonderful World“.
Selbstredend, dass für die sechs Musiker Notenblätter gänzlich überflüssig waren, gar eine Beleidigung zu sein schienen. Die wild von einem auf das andere Instrument übergehenden Soli wurden dabei durchweg mit einer konstant großen Leichtigkeit und Lebensfreude vorgetragen, die unweigerlich auf den Zuhörer übersprang. Die kollektive Improvisation gilt schließlich als eines der Wesensmerkmale des ursprünglichen Dixieland-Jazz.
Die Besetzung
Lediglich der englische Akzent einiger Musiker in den kurzen Ansprachen war ein unscheinbarer Deut auf die internationale Zusammensetzung der „Armstrong’s Ambassadors“. Dabei konnte man es an diesem Abend im Bismarck’s Basement kaum ahnen, dass hier einige der profiliertesten Jazzmusiker Europas zusammengekommen waren. In der sogenannten „Front-Line“, der Melodiegruppe einer Dixieland-Combo, spielten der britische Jazztrompeter Colin Thomas Dawson, der schottische Posaunist John Service und der deutsche Jazzmusiker Engelbert Wrobel, der mit seiner Klarinette den besonderen, markanten Sound des Dixieland-Jazz darbot.
In der Rhythmusgruppe spielten der Australier Sébastien Girardot am Kontrabass, der der Ulmer Jazzszene entsprungene Schlagzeuger Bernard Flegar sowie der ebenfalls aus England stammende Pianist und Bandleader Simon Holliday, der mitunter auch mal zum Mikrofon griff, sang und für die kurzen, sympathischen Ansagen zuständig war.
Stimmungsvolles Potpourri
Der Abend verging wie im Fluge. Selbstredend wurde als Zugabe auch noch ein stimmungsvolles Potpourri berühmter Melodien gespielt. Doch auch nach dieser offiziellen Zugabe wurden die Musiker durch den anhaltenden Applaus und die Zugabe-Rufe noch nicht von der Bühne gelassen, bevor sie sich noch einen Titel unvorbereitet aus dem Ärmel schütteln mussten. Die „Armstrong’s Ambassadors“ gingen mit einem Versprechen in die Nacht: Wir kommen wieder! Die Antwort aus dem Publikum folgte prompt: aber bloß nicht zu Fasching!














